2009: Herta Müller (1953 – )
Die in Rumänien geborene Herta Müller ist die diesjährige Nobelpreisträgerin für Literatur, da sie es in unnachahmlicher Art perfektioniert hat, einen historischen Kontext in moderne, intensivierte Lyrik einzubetten und diese in besonderer Sachlichkeit darzustellen.
Die mittlerweile in Deutschland beheimatete Müller wurde am 17.August 1953 in der rumänischen Ortschaft Nitzkydorf, welche sich im deutschsprachigen Raum Banat befand, geboren. Die Tochter eines Vaters, der sich nach dem Werdegang in der SS als LKW-Fahrer den Lebensunterhalt verdiente und einer Mutter, die man für Zwangsarbeit in die UdSSR deportierte, konnte in der Heimat erfolgreich ein Abitur absolvieren. In Anschluss an die schulische Laufbahn entschloss sie sich für ein Studium der Germanistik und Rumänischen Literatur an der Universität von Timiosora. Später arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, musste diese Tätigkeit aber aus Weigerung der Zusammenarbeit mit der Securitate, dem rumänischen Geheimdienst, niederlegen. So verdiente sich Herta Müller mit Gelegenheitsarbeiten als Lehrerin in deutschsprachigen Schulen oder Privathaushalten, sowie innerhalb von Kindergärten, ihren Lebensunterhalt. Nebenbei entwickelte sie nach und nach ein großes Interesse, selber zu schreiben. 1982 konnte sie mit „Niederungen“ ihr erstes Werk herausbringen, wobei dieses wie viele nachfolgende Veröffentlichungen in Rumänien äußerst rezensiert erschien und so die Intention der Autorin nicht in dem wirklichen Kontext herüberbringen konnte. Mitte der 80er-Jahre zog sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Deutschen Richard Wagner, in die Bundesrepublik, wo sie weitere Werke wie „Reisende auf einem Bein“ 1989 oder zwei Jahre später „Der Teufel sitzt im Spiegel“ herausbringen konnte. In der neuen Heimat bekam sie immer mehr Interesse zugesprochen und bekam in der Folge immer mehr Lehraufträge als Gastprofessorin an Universitäten in Deutschland und innerhalb Europas.
Mitte der 90er wuchs die Popularität der Schriftstellerin noch weiter an und so konnte sie neben den Veröffentlichungen „Herztier“ oder „In der Falle“ auch hochrangige Auszeichnungen wie den Kleist-Preis 1994 oder 1997 den Literaturpreis der Stadt Graz ihr Eigen nennen. 2008 sorgte eine große innerpolitische Diskussion für riesigen Gesprächsstoff. So kritisierte Müller öffentlich die Einladung zweier ehemaliger Securitate-Mitglieder ans Kulturinstitut, woraufhin auch ihre Vergangenheit innerhalb des Regimes von Diktator Ceausescu in einem falschen Zusammenhang dargestellt wurde. Fernab von allen politischen Diskussionen veröffentlichte Müller in diesem Jahr mit „Atemschaukel“ einen neuen Roman, der orientierend an den Gesprächen mit dem verstorbenen Oskar Pastior, der selbst die Erfahrungen machen musste, das Leben von Deutschen in Siebenbürgen zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg exemplarisch darstellen soll. Nachdem es von vielen Experten bereits seit Jahren gefordert wurde, erfuhr man am 8.Oktober 2009, dass Herta Müller in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur erhalten wird, eine gerechtfertigte Auszeichnung für das Leben der Wahlberlinerin.
2008: Jean-Marie Gustave Le Clézio (1940 – )
Der letztjährige Sieger des Literaturnobelpreises heißt Jean-Marie Gustave Le Clézio, der es dank seiner besonderen Fähigkeit die existenzielle Wirklichkeit in seinen Werken integrativ einzubinden, dazu geschafft hat, einer der heute bekanntesten Autoren unserer Gesellschaft zu werden.
Der Franzose wurde am 13.April 1940 in Nizza als Sohn des Ehepaars Simone und Raoul Le Clézio geboren. Er besitzt eine äußerst interessante Familiengeschichte. Nicht nur, dass er Vorfahren in der Bretagne und auf Mauritius hat und diese es dort zu großem wirtschaftlichen Erfolg gebracht haben, nein seine Eltern haben auch dieselben Großeltern, da sie Cousin und Cousine sind. Le Clézio zog im Alter von 8 Jahren nach Nigeria, wo seine Vater als Kriegsarzt nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin bleiben wollte. Auf der langen Bootsreise dorthin machte Le Clézio erste schriftstellerische Versuche und schrieb zwei kleinere Bücher, welche die Erlebnisse aus der Zeit an Bord festhielten. Zwei Jahre später kehrte die Familie dann wieder ins heimische Frankreich zurück, wo Le Clézio 1957 sein Abitur absolvieren konnte. In der Folge studierte er an den Universitäten in London und Bristol Englisch, was aufgrund der zweisprachigen Erziehung kein großes Problem darstellen sollte. Sein Examen absolvierte er aber genauso wie die spätere Doktorwürde an Universitäten in Frankreich. Bereits sein Erstlingswerk „Das Protokoll“, welches 1963 veröffentlicht wurde, sorgte für den schriftstellerischen Durchbruch von Le Clézio. Mit der besonderen Schilderung von Ungewissem, das die Menschheit in Gefahr bringen könnte, glänzte er später auch in „Das Fieber“ und „Die Sintflut“. Neben den genannten schrieb Le Clézio in den ersten Erfolgsjahren noch eine Vielzahl an weiteren äußerst gefragten Romanen, wobei „Wüste“ aus dem Jahr 1980 für den endgültigen Durchbruch, auch auf internationalem Terrain, sorgte.
Le Clézio schrieb neben seinen vielen veröffentlichten Romanen auch eine Reihe von Essays, die sich in ihrer Bedeutung vor allem auf das Schicksal innerhalb Lateinamerikas beziehen. Die Erfahrungen hierfür sammelte er vorrangig auf einer längeren Reise durch Mexiko und den lateinamerikanischen Raum, die von 1970-1974 andauerte. Besonders sein großes Interesse für die indianischen Einflüsse in der mexikanischen Geschichte und Kultur bilden die zentrale Thematik im Werk des Autors, der mittlerweile zwischen seinen Wohnsitzen in den USA, Mexico, Mauritius und Frankreich pendelt. Nachdem er in den 80ern bereits mit dem Literaturpreis der Französischen Akademie geehrt wurde, erhielt Jean-Marie Gustave Le Clézio im letzten Jahr auch den Nobelpreis für Literatur.
2007: Doris Lessing (1919 – )
Die gebürtige Perserin Doris Lessing zählt neben Virginia Woolf zur größten englischsprachigen Autorin des 20. Jahrhunderts, was vor allem an ihrem einzigartigen und nie erreichten Schreibstil liegt, der die verschiedensten menschlichen Aspekte in einem ganz neuen Licht darzustellen weiß.
Als Doris May Taylor wurde Lessing am 22.Oktober 1919 in Kermanschah, welches im heutigen Iran anzusiedeln ist, geboren. Die Tochter eines britischen Offiziers und einer Krankenschwester zog gemeinsam mit ihren Eltern 6 Jahre nach der Geburt in eine andere britische Kolonie, Südrhodesien, heute bekannt als Simbabwe. Dort besuchte sie zuerst eine Klosterschule und später die High School in der Landeshauptstadt Harare. Nebenbei arbeitete sie hart auf dem Familiengut, das anders als von der Mutter geplant aber keinen großen Reichtum mit sich trug. Nach dem Schulabbruch im Alter von 14 Jahren genoss Lessing keine weitere Bildung. Mit bereits 20 wurde sie das erste Mal verheiratet und weitere sechs Jahre darauf mit dem deutschen Diplomaten Gottfried Lessing das zweite Mal. Trotz relativ kurzer Ehe behielt sie den deutschen Nachnamen, unter dem sie heute bekannt ist. Ihre Werke, die sie nach und nach veröffentlichen konnte, spiegeln zumeist die selbstgemachten Erfahrungen innerhalb des kolonialen Afrikas wieder. Ihre erste literarische Phase spezialisierte sich mehr auf die kommunistische Sicht von Lessing, wobei die zweite eher auf psychologische Aspekte achtete. Noch im Scheidungsjahr 1949 veröffentlichte Doris Lessing mit dem Roman „The grass is singing“ (Afrikanische Tragödie) ihr erstes großes Werk. In diesem bezog sich die Autorin auf die große Problematik der Rassenfrage und integrierte erstmals eine weibliche Sicht in den Themenbereich.
Auch der zweite große Roman, der wohl als ihr größter anzusehen ist, landete einen riesigen Erfolg. In „Das goldene Notizbuch“ aus dem Jahr 1962 beschrieb sie die Erlebnisse von zwei intellektuellen und emanzipierten Frauen, die sich politisch engagieren. Das Werk charakterisiert sich aus eigenen Erfahrungen, den politischen Zusammenhängen und der Kreativität der Autorin. Lessing verwendete wie in eigentlich allen ihren Werken autobiografische Aspekte und erhielt dafür großen Zuspruch innerhalb der Literaturkreise, die den Roman als großen Klassiker des Feminismus feierten. In der letzten, von ihr selbst als größte Phase beschriebenen Wirkungszeit scheint die islamische Mystik das zentrale Thema. So gilt für sie selbst die Reihe „Canopus in Argos“, welche innerhalb der Jahre 1979-83 verfasst wurde, als größte literarische Leistung. 2007 überreichte man der mittlerweile 88-Jährigen für ihre gefühlvolle Darstellung in Verbindung mit visionärer Kraft den Nobelpreis für Literatur.
2006: Orhan Pamuk (1952 – )
Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk präsentiert momentan einen der facettenreichsten Autoren im Bereich der Betrachtung der eigenen Heimat und schafft es auf eine besondere Erzählweise die Geschehnisse innerhalb des Orients in ihrer ganzen Komplexität darzustellen.
In einem fünfstöckigen Wohnhaus wuchs der am 7.Juni 1952 im Istanbuler Stadtteil Şişli geborene Pamuk als Mitglied einer Großfamilie auf. Schon im Alter von 7 Jahren begann er sich der Kunst zuzuwenden, auch wenn sich diese zunächst in einer anderen Gattung als der späteren wiederspiegelte. Pamuks Großvater war als Eisenbahningenieur zu einem gewissen Wohlstand gekommen und so zogen auch nachfolgende Familienmitglieder in diesen Bereich. Pamuk aber widersprach diesem und begann mit der Malerei. Nach der Grundschule und dem Robert College schrieb er sich wie schon der Vater an der Technischen Universität von Istanbul ein, wobei er aber weit weg von der Tradition das Studienfach Architektur wählte. Seinen Abschluss konnte er nach einem Fachwechsel 1977 im Fachbereich Journalismus absolvieren. Mitten im Studium entschloss er sich aufgrund der politischen Lage, in der er nur durch die Schriftstellerei einen Weg sah, seine Intention zu verwirklichen, sich vollends dem Schreiben zu widmen. Nach langen Jahren, in denen Pamuk nicht wirklich einen eigenen Lebensunterhalt verdiente und bei der Mutter oder in der familiären Sommerresidenz hauste, konnte er mit „Cevdet Bey ve Ogullari“ 1982 sein erstes Werk herausbringen. Die späteren Jahre verbrachte er mit einer kleinen Ausnahme von 1985-88, wo er sich in den USA aufhielt, ausschließlich in der Heimatstadt Istanbul.
Nach einigen Lesereisen und Vor-Ort-Recherchen, für die Pamuk noch kurze Ausflüge aus Istanbul heraus wagte, veröffentlichte er besonders in den 90ern und im Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende seine größten Werke, in denen er zumeist die Situation in der Türkei beschreibt. Der stetige Wandel und das hin und her zwischen Orient und Okzident versucht Orhan Pamuk in den einzelnen Romanen in einem besonderen Licht darzustellen. So entstanden 1994 „Das neue Leben“ und 2002 „Schnee“. Neben der selbstgemachten Erfahrung, sind Pamuks Werke vor allem von politischer Motivation gespickt. Ein Aspekt, wegen dem Pamuk gerade von konservativen Türken reichlich mit kritischem Auge betrachtet wird. Unter anderem setzt sich der türkische Erfolgsautor für den EU-Beitritt seines Landes ein, wobei anzumerken ist, dass die Darstellung innerhalb seiner Werke dem deutlich kontrovers gegenübersteht. Nichtsdestotrotz erfreut sich Pamuk nach wie vor einer großen Anhängerschaft und konnte speziell nach dem Millennium eine Reihe von literarischen Auszeichnungen wie 2005 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels oder 2006 den Literaturnobelpreis gewinnen.
2005: Sir Harold Pinter (1930 – 2008)
Der Brite Sir Harold Pinter war nicht nur ein großartiger Theaterautor, der mit seiner einzigartigen Absurdität den Zuschauer in scheinbar unergründbare Existenzbestandteile zu integrieren wusste, sondern auch erfolgreicher Regisseur, Schauspieler und Literaturnobelpreisträger.
Im proletarisch geprägten Londoner Stadtteil Eastend wurde Pinter am 10.Oktober 1930 als Sohn eines Schneiders geboren. Der von portugiesischen Vorfahren abstammende spätere Erfolgsautor erlebte eine relativ ungewöhnliche Kindheit. 1948 entzog er sich der Einberufung ins Militär und wurde in der Folge für seine Verweigerung inhaftiert. Wieder in Freiheit bekam er ein finanziertes Stipendium für das Studium an der Royal University of Dramatic Art, was er jedoch nach kurzer Zeit wieder abbrach. Stattdessen zog er mit einer Wandergruppe, die innerhalb Irlands Stücke von Shakespeare auf die Bühne brachte umher. Neben der Tätigkeit als Schauspieler in Theaterstücken verfasste er bereits einige kleinere Werke. Nach zwei kleineren Stücken, die erfolglos blieben, gelang Harold Pinter mit „Der Hausmeister“ der wirkliche Durchbruch. 1960 uraufgeführt, sollte dies die Grundlage für die über 30 Jahre anhaltende Erfolgsgeschichte bilden. Pinter stieg zu einem der international begehrtesten Dramaturgen auf und konnte in der Folge eine Vielzahl an erfolgreichen Stücken auf die Theaterbühnen Europas bringen. Doch nicht nur seine Theaterstücke wurden in den 70ern, 80ern und 90ern gespielt, auch als Drehbuchautor für Regisseure wie Kazan und Altman machte sich Harold Pinter einen großen Namen.
Neben den Drehbüchern für zahlreiche Filme wie „Die Geliebte des französischen Leutnants“ 1981 wurden im Laufe der Jahre auch einige vorher als Theaterstücke veröffentlichten Werke verfilmt. So fanden 1968 „The Birthday Party“ und fünf Jahre später „The Homecoming“ den Weg auf die Kinorollen. Gelegentlich wirkte Pinter in den Werken auch selbst als Schauspieler mit. Neben den künstlerischen Erfolgen sorgte Pinter vor allem durch einzelne politische Statements sowie seiner in den Werken der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Frauengeschichten für Aufsehen. Nach über zwanzig Jahren Ehe verließ er seine Frau und die Mehrheit schien innerhalb des Werkes „Betrug“ eine Dokumentation darüber zu finden, wobei dieses auf eine bereits früher gemachte Affäre Bezug nimmt. Politisch verteidigte er den serbischen Diktator Milosevic und bekam dafür große Kritik. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen konnte er bei der Nobelpreisvergabe 2005 nur per Videobotschaft zu den Gästen sprechen und prangerte in dieser die Politik von Bush und Blair in Bezug auf den Irakkrieg an. Seine letzte Vorstellung als Schauspieler, welche sofort ausverkauft war, gab er 2006. Am Heiligabend des vergangenen Jahres erlag Harold Pinter den Folgen von Kehlkopfkrebs.
2004: Elfriede Jelinek (1946 – )
Die Österreicherin Elfriede Jelinek schafft es aufgrund ihres künstlerischen Schaffens, welches von Dramen und Romanen, bis hin zu Theaterstücken und Hörspielen reicht, dass ein großes Publikum ihrer besonderen Sicht der sozialen Missstände Begeisterung schenkt.
Als Tochter eines jüdischen Chemikers, der nur aufgrund seiner Wichtigkeit dem Konzentrationslager entging und einer Mutter, die großbürgerlichen Wurzeln entsprang, wurde Jelinek am 20. Oktober 1946 in Mürzzuschlag in der Steiermark geboren. In ihrer Kindheit genoss sie hauptsächlich den Kontakt zur Mutter, da der Vater zunehmend in psychische Probleme verfiel. Nach einem katholischen Kindergarten besuchte sie eine Klosterschule, deren Besuch ihr aber von den Nonnen selbst als hinderlich bestätigt wurde. Jelineks Mutter plante von Beginn an eine äußerst musikalisch geprägte Zukunft ihrer Tochter. So besuchte sie bereits ab dem 14.Lebensjahr das Wiener Konservatorium, wo sie zunächst Klavier, Blockflöte und Orgel, später sogar noch Komposition studierte. Nebenbei kam sie einer gewöhnlichen Schulausbildung nach und besuchte ein Realgymnasium der Stadt. Ab 1964 studierte sie dann Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte, was sie jedoch nach kurzer Zeit aufgrund von Depressionen wieder abbrach. Isoliert von der Außenwelt lebte sie im folgenden Jahr fast ausschließlich zu Hause und widmete sich mehr und mehr der Schriftstellerei. Aus dieser Zeit stammt mit dem Gedichtband „Lisas Schatten“ auch die erste große Veröffentlichung. Nach dem Tod ihres Vaters 1969 kam es zu einer Wendung in Jelineks Leben.
Sie erholte sich zunehmend und wurde zudem auch politisch aktiv. Ihr Beitritt zur Studentenbewegung sollte erst der Anfang sein. Drei Jahre nach dem Abschluss des Orgelstudiums aus dem Jahr 1971, trat Jelinek in die kommunistische Partei Österreichs ein, aus der sie Anfang der 90er wieder austrat. Noch im gleichen Jahr veröffentlichte sie ihr erstes großes Hörspiel „Wenn die Sonne sinkt, ist für manche schon Büroschluss“, was innerhalb der Heimat als Hörspiel des Jahres ausgezeichnet wurde. Ein Jahr später ging der Erfolg weiter und so gilt der Roman „Die Liebhaberin“ als der endgültige Durchbruch. Es folgten weitere vielumjubelte Werke, ob als Hörspiel oder Roman. Neben positiver Rezension erntete Jelinek aber auch reichlich Kritik, vor allem für das „Burgtheater“ 1985. Auch durch ihr wohl größtes Werk „Lust“, welches 1989 herausgebracht wurde, sorgte Elfriede Jelinek für großes Aufsehen. Nachdem ein weiteres Theaterstück Mitte der 90er erneut eine scharfe Kritik zur Folge hatte und Angriffe auf ihre Person Überhand nahmen, zog sich die Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2004 aus der Öffentlichkeit zurück, wagte aber in den vergangenen Jahren mehrmals das Comeback.
2003: John Maxwell Coetzee (1940 – )
John Maxwell Coetzee ist ein südafrikanischer Schriftsteller, der für seine bedeutsame Darstellung der sozialen und politischen Missstände innerhalb seines Landes und den Menschen an sich als erster Autor neben dem Literaturnobelpreis auch zweimal den Booker Prize gewinnen konnte.
Als Sohn von einer Lehrerin und einem Rechtsanwalt wurde Coetzee am 9.Februar 1940 in Kapstadt geboren. Obwohl er einer burischen Familie entsprang, achteten die Eltern sehr darauf, dass er hauptsächlich mit der englischen Sprache in Kontakt kam, was nicht verhindern konnte, dass er mit der Zeit auch des Afrikaans mächtig wurde. Nach der Schule schrieb er sich an der Universität in Kapstadt ein, wo er ab 1957 neben English auch Mathematik studierte. Einem sehr erfolgreichen Abschluss folgte eine Anstellung bei IBM in England, wo er die ersten drei Jahre nach dem Studium als Programmierer arbeiten sollte. Später zog es ihn dann in die Vereinigten Staaten. Ende der 60er-Jahre promovierte Coetzee schließlich an der University of Texas über die von Samuel Beckett verfasste Prosa und legte so den Grundstein für den Erfolg, der sich in den kommenden Jahren ergeben sollte. Zurück in der Heimat lehrte er zunächst an der Universität, wo er selber einst mit dem Studium begann. Bereits mit seinem ersten großen Werk, der Erzählung „Dusklands“, welche Coetzee 1974 verfasste, gelang ihm der große Durchbruch. Die Geschichte ist eine Art Erzählung, in der deutlich Parallelen zwischen den im Vietnam stationierten amerikanischen Truppen und den niederländischen in Südafrika allegorisch gezogen werden.
Auch die nachfolgenden Veröffentlichungen konnten große Erfolge erzielen und sich einer immensen öffentlichen Betrachtung erfreuen. 1980 erhielt er für den Roman „Warten auf die Barbaren“ den höchsten südafrikanischen Literaturpreis und nur drei Jahre später für ein weiteres Werk den ersten Booker Prize. Neben seiner Tätigkeit als begnadeter Schriftsteller lehrte Coetzee an zahlreichen namenhaften Universitäten. So führte er unter anderem Vorlesungen in Harvard und Stanford, der John Hopkins University und der State University in New York. Besonders in den 80ern galt Coetzee als einer der am meist beachteten Autoren und erhielt zahlreiche Auszeichnungen mit sehr hochdekorierten Literaturpreisen. Auch wenn man ihm heute innerhalb seiner Heimat kritisiert und fehlende Kontur bei der politischen Betrachtung anprangert, ist Coetzee international weiterhin äußerst gefragt. Seit 2002 lebt er in Australien, lehrt dort nach wie vor an der Universität und ist seit 2007 im Besitz der australischen Staatsbürgerschaft. Im Jahre 2003 erhielt John Maxwell Coetzee schließlich den von Experten längst geforderten Literaturnobelpreis.
2002: Imre Kertész (1929 – )
Der Ungar Imre Kertész ist einer der erfolgreichsten Autoren des noch jungen Jahrhunderts und verdient sich besonders durch die abenteuerliche Darstellung des Einzelnen im Kampf gegen die geschichtlichen Hindernisse, die sich im Lauf dem Individuum in den Weg stellen, hohes Ansehen.
In Budapest wurde Kertész am 9. November 1929 als Sohn jüdisch stammender Eltern geboren. Nach einer unauffälligen Schulzeit geriet er in das Konzentrationslager Auschwitz, aus dem er zu Kriegsende 1945 wieder befreit werden konnte. Kertész kam zurück nach Budapest, wo er erfolgreich sein Abitur absolvierte. Kurz darauf bekam er bei einer Tageszeitung eine Stelle und arbeitete fortan als freier Journalist. Drei Jahre später musste er diese Tätigkeit aber wieder aufgeben, was minder an seiner Fähigkeit zu schreiben lag, als daran, dass die Zeitung zum Organ der kommunistischen Partei erklärt wurde. Einer zweijährigen Zwischenphase, in der Kertész dem Militär diente, folgte die wirkliche schriftstellerische Schaffenszeit. Der Ungar widmete sich ab 1953 immer mehr der Literatur, schrieb selbst und verdiente sich als Übersetzer der Werke von Nietzsche, Schnitzler und Freud seinen Lebensunterhalt. Ab 1960 begann er dann intensiv an seinem Lebenswerk „Roman eines Schicksalslosen“ zu schreiben. Über 13 Jahre arbeitete Kertész an einem Werk, das als eine der eindrucksvollsten Erzählungen über den Holocaust in die Geschichte eingehen sollte. In autobiografischer Darstellung erzählt der Autor hauptsächlich eine Geschichte, die durch persönlich gemachte Erfahrungen zu einem unnachahmlichen Roman geworden ist.
Zunächst abgelehnt, wurde dieser erstmals 1975 verlegt. Eine richtige Bewunderung für das Geschaffene wiederfuhr Imre Kertész aber erst mit der Neuauflage 1985, mit der er in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. Es folgten weitere Erzählungen, in denen sich der Schriftsteller auf die Suche nach seiner eigenen Identität begab. So entstanden Ende der 80er bzw. Anfang der 90er noch die erfolgreichen Werke „Fiasko“ 1988 und „Kaddisch für ein nichtgeborenes Kind“ 1990, wobei das zweite bereits zwei Jahre später ins Deutsche übersetzt wurde, während das erste bis zum Jahr 2000 auf eine Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum warten musste. Neben der schriftstellerischen Gattung erarbeitete Imre Kertész auch Theaterstücke, von denen zahlreiche aufgeführt werden konnten. Gerade für das Stück “Csacsifogat” wurden jedoch heftige Plagiatsvorwürfe gegen den Ungar erhoben. Eine Schmach, der er sich bis heute nicht wirklich entledigen konnte, was einen dunklen Schatten auf das Werk vom Literaturnobelpreisträger von 2002 und Goethe-Medaillen-Inhaber des Jahres 2004 wirft.
2001: Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul (1932 – )
Der in Trinidad geborene Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul ist nicht nur der größte Schriftsteller seines Landes, sondern aufgrund seiner sehr kulturellen Darstellung von Reiseerfahrungsberichten in der ganze Welt international äußerst angesehen.
Als Nachkömmling indischer Einwanderer, die als Vertragsarbeiter nach Trinidad and Tobago kamen, wurde Naipaul am 17.August 1932 in Chaguanas geboren. Nach den ersten Lebensjahren, die er bei der Familie mütterlicherseits lebte, lernte er erst im Alter von 6 Jahren seinen Vater, der als Journalist in der Hauptstadt Port of Spain arbeitete, kennen. Über seine Kindheit und die Wiedervereinigung seiner Familie sollte Naipaul später noch den äußerst erfolgreichen Roman „Ein Haus für Mister Biswas“ schreiben. Obwohl die Familie nicht über die besten finanziellen Möglichkeiten verfügte, gelang es Naipaul ab 1950 an der Universität von Oxford zu studieren. Durch ein Stipendium begünstigt, verbrachte er hier einige Jahre und konnte nach erfolgreichem Abschluss direkt als freier Mitarbeiter beim BBC einsteigen. Kurz darauf entschloss sich Naipaul jedoch sein Leben komplett der Schriftstellerei zu widmen. In den folgenden Jahren gelangen einige Achtungserfolge mit Romanen, vor allem aber mit der Ausarbeitung und Veröffentlichung von Erfahrungsberichten aus den kulturell unterschiedlichsten Regionen. Naipaul ermöglichte sich einige längere Reisen, die ihn unter anderem nach Pakistan, den Iran, Indonesien und Uganda führten. Auch nach Indien, wo sich seine eigentlichen Wurzeln befinden, reiste er oft und hielt seine Beobachtungen und Erlebnisse literarisch fest. Als Reiseschriftsteller, wie man Naipaul öfter darstellt, ist er aber keinesfalls anzusehen. Seine Berichte sind durchweg mit kritischem Auge verfasst und sprechen verschiedene Problematiken in den verschiedenen Regionen analysierend an.
Besonders mit dem islamischen Glauben setzt sich Sir Naipaul auseinander. In seinem zweiten großen Werk „Eine islamische Reise“, welches er 1981 in Anschluss an eine große Iranreise veröffentlichen konnte, prangerte er die Intention des Glaubens an. Naipaul wird aufgrund einer einseitigen Sicht von vielen Forscher, gerade denen, die sich mit der Geschichte der islamischen Länder beschäftigen, eher mit einem abwertenden Auge gesehen. Edward Said zum Beispiel kritisiert die deutliche Trennung von Ost und West und wirft Naipaul die Aufrechterhaltung von Vorurteilen vor. Trotz alledem ist Naipaul in vielen Kreisen ein äußerst gefragter Autor und gilt heute als Schriftsteller mit prophetischen Fähigkeiten, der eine zunehmende Entwicklung extremistischer Islamisten hervorgesehen hat. So erhielt er gerade in seiner Wahlheimat England viele Auszeichnungen, wurde 1990 zum Ritter geschlagen und erhielt 2001 den Nobelpreis für Literatur.
2000: Gao Xingjian (1940 – )
Der chinesische Literaturnobelpreisträger von 2000, Gao Xingjian gilt als Neubegründer der asiatischen Kunst der Dramaturgie, des Romanschreibens und der Erzählweise, die er in einer besonderen Art dem Lesenden zur Einsicht gibt.
In Ganzhou im Osten Chinas wurde er als Sohn einer Amateurschauspielerin und eines Bankiers am 4.Januar 1940 geboren. Nach den Interessen der Mutter kam Xingjian bereits in jungen Jahren in Kontakt mit der Welt des Theaters und der Schriftstellerei. Nach einer wenig ereignisreichen Schulzeit konnte er 1962 am Institut für Fremdsprachen in Peking sein Examen im Bereich Französisch absolvieren. Ab 1966 wurde er in Zuge der Kulturrevolution für zehn Jahre in einem Umerziehungslager gezwungen seine ersten Schriften zu verbrennen, was ihn aber nicht daran hindern sollte, heimlich weiter zu schreiben. Dank seiner Standfestigkeit und eines kämpferischen Willens durfte Xingjian ab 1979 nicht nur in chinesischen Zeitungen kleinere Beiträge veröffentlichen, sondern auch mehrere Reisen in ferngelegene Orte unternehmen. In dieser Zeit waren es jedoch mehr seine Übersetzungen von den Stücken Ionescos und Preverts, als seine eigenen, die für Aufsehen sorgten. Dennoch kam es zu den Aufführungen von „Alarmsignal“ oder „die Busstation“, wenngleich diese als unrühmlich beschrieben wurden und Xingjian 1986 als Folge für seine Stücke ein Aufführungsverbot erhielt.
Nach herber öffentlicher Kritik, ging er als politischer Flüchtling nach Paris, wo er sich in einem anderen künstlerischen Bereich, der Malerei seine Brötchen verdiente. Als Reaktion auf das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 trat der Autor aus der Kommunistischen Partei aus und veröffentlichte das Werk „Die Flucht“, welches nicht nur als Reaktion auf die Geschehnisse, sondern auch als endgültiger Bruch mit dem Heimatland zu werten ist. Xingjian nahm 1998 die französische Staatsbürgerschaft an und löschte somit sämtliche Verbindung zu China, auch wenn er in seinen später erschienen Werken immer noch den Bezug zu China als Sujet verwendete. 2001 entstand „Der Berg der Seele“, das im Wesentlichen die Reise durch China in gespenstischer Gestaltung darlegt. 2004 berichtete er in „Das Buch eines einsamen Menschen“ über das Schicksal seiner Familie, die dem Massaker zum Opfer fällt. Gao Xingjian erhielt mehrere französische Literaturpreise. Sehr überraschend hingegen kam die Verleihung des Nobelpreises für Literatur, den er 2000 bekam. China selbst sah es als nicht gerechtfertigt, einem derart unbedeutenden Künstler diesen auszuhändigen und bis heute wird über die Verbindung zu Akademiemitglied Malmqvist, der zugleich Übersetzer der Werke Xingjians ist, spekuliert.
