1974: Harry Edmund Martinson (1904 – 1978)
Wie sein schwedischer Landsmann Johnson, galt auch Harry Martinson als autodidaktischer Schriftsteller, der sich weniger durch politische Aktivität als mithilfe von reinster literarischer Fertigkeit den Literaturnobelpreis sichern konnte.
Am 6.Mai 1904 wurde Harry Edmund Martinson in Jamshög, Schweden, als fünftes von insgesamt sieben Geschwistern geboren. Die Zeit innerhalb einer Großfamilie wehrte allerdings nur ein paar Jahre, da der Vater 1910 verstarb, die Mutter daraufhin in die USA aussiedelte und alle Kinder in verschiedenen Waisenhäusern, verteilt im Raum Südschwedens, zurückließ. Seine Kinder- und Jugendzeit war so schon früh von einer herben Enttäuschung, der sich weitere anschließen sollten, gekennzeichnet. Mit 16 meldete er sich für die Seefahrt und verbrach in der Folge viel Zeit in Indien und Brasilien. Nach der Arbeit auf fast zwanzig verschiedenen Schiffen kehrte Martinson nach Schweden zurück, was aber nicht am Heimweh, sondern der Erkrankung von Tuberkulose lag. Er verbrachte besonders in der Anfangsphase der Krankheit viel Zeit mit literarischer Lektüren. Zwar beschäftigte er sich bereits auf See mit dem Lesen, aber wirkliches Interesse entwickelte sich erst ab Ende der 20er-Jahre. Martinson schloss sich der Dichtergruppe „Fem Unga“ an und konnte mit „Spökskepp“ (Spukschiff) 1929 seinen ersten Gedichtband veröffentlichen. Zwar war das noch nicht so wirklich als internationaler Durchbruch anzusehen, aber Martinson hatte einen Grundstein für kommende Erfolge gelegt. Ähnlich wie Johnson schrieb er in der Folge fleißig weiter und brachte eine Vielzahl an immer erfolgreicheren Werken heraus.
Nebenbei bekannte sich Martinson auch zu einer in Schweden eher ungewöhnlichen Glaubensrichtung, dem Buddhismus. Anfangs als deutlicher Kommunist erkennbar, distanzierte er sich nach einem Besuch in der Sowjetunion schnell und verfolgte nun einige Weisheiten des buddhistischen Glaubens. Literarisch verarbeitete er weiter seine eigenen Erfahrungen, die durch Enttäuschungen jeder Art geprägt waren. So auch in dem Werk „Der Weg nach Glockenreich“, das er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg herausbrachte. Ein Jahr später wurde er in die Schwedische Akademie aufgenommen und kurz darauf mit der Ehrendoktorwürde der Universität Göteborg ausgezeichnet. Bisher nur im skandinavischen Raum beachtet, gelang ihm 1959 mit „Aniara“ auch endlich der internationale Durchbruch, der ihm weitere Auszeichnungen, wie dem Nobelpreis für Literatur 1974 einbrachte. Getrieben von scharfer Kritik an späteren Werken, nahm sich Harry Edmund Martinson am 11.Februar 1978 während eines Krankenhausaufenthalts in der Nähe von Stockholm das Leben.

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