1976: Saul Bellow (1915 – 2005)
Saul Bellow war ein begnadeter US-Amerikanischer Schriftsteller, der nach Ansicht vieler Gelehrten zusammen mit William Faulkner das Rückgrat der amerikanischen Literatur des 20.Jahrhnderts bildet und aufgrund seiner kulturübergreifenden Darstellung zum Autor von Welt wurde.
Als Sohn von jüdischen Einwanderern wird Bellow, dessen eigentlicher Name Solomon Bellows später in Saul Bellow verändert wurde, am 10.Juni 1915 in einem Vorort des in Kanada gelegenen Montreal geboren. Im Alter von neun Jahren zog Bellow mit der Familie nach Chicago. Hier erlebte er den Umgang der Großstadt mit dem jüdischen Volk und konnte die bereits in der Kindheit gemachten Erfahrungen später in seine Werke einfließen lassen. Nach dem erfolgreichen Studium, welches er mit dem Bachelor für Geschichte, Anthropologie und Soziologie abschloss, arbeitete er an verschiedenen Universitäten wie Princeton oder der University of Minnesota. Bellows erster Roman „Dangling Man“ (Der Mann in der Schwebe) aus dem Jahr 1944 erzählt die Geschichte eines Juden, der für den Militärdienst einberufen werden soll und sich als Individuum mit den Gesellschaftseinflüssen innerhalb der Vereinigten Staaten auseinandersetzt. Zwar wurde das Werk durchaus in der Öffentlichkeit beachtet, der große literarische Erfolg sollte aber zunächst ausbleiben. Vier Jahre später ging er als Stipendiat für zwei Jahre nach Paris, wo Bellow seine Fähigkeit zu Schreiben weiter intensivierte und nach wie vor über Minderheiten, deren Erfahrungen er ja selbst geteilt hatte, erzählte. Ab dem Jahr 1962 zog es Bellow wieder fest nach Chicago, wo er fortan als Professor für Sozialwissenschaften und Literatur an der Universität lehrte.
Zwei Jahre nach seiner Anstellung schaffte Bellow neben seiner Eigenschaft, ein hervorragender Soziologe zu sein, auch den Durchbruch als Schriftsteller. Mit dem Roman „Herzog“ setzte er sich intensiv mit den Theorien Nietzsches und Heideggers auseinander. Kritiker halten dieses Werk für das größte, welches Bellow je verfasst hatte, denn er beweist nun nicht wie in den vorherigen Romanen ausschließlich Kenntnisse über das Geschehen auf amerikanischem Boden, sondern verbindet die Interpretation mit der aus europäischem Blickpunkt. Die nachfolgenden Jahre waren geprägt von Auszeichnungen jeglicher Art. Bellow erhielt 1976 neben dem Nobelpreis für Literatur auch den Pullitzer-Preis und wurde dreimal mit dem National Book Award ausgezeichnet. Auch in den 80er- und 90er-Jahren schrieb Bellow trotz hohen Alters noch relativ viel, arbeitete gelegentlich als Journalist, verfasste kleinere Beiträge und gab in einigen öffentlichen Auftritten seine Meinung wieder. Am 5.April 2005 verstarb Saul Bellow im Alter von 89 Jahren in Massachusetts.

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