1981: Elias Canetti (1905 – 1994)
Der gebürtige Bulgare Elias Canetti galt als einer der wenigen großen Schriftsteller, die es schafften ihre philosophischen Denkansätze in literarische Elemente einzubetten, eine Fähigkeit, für die er später für seine Wahlheimat Großbritannien sogar den Nobelpreis für Literatur erhielt.
Canetti wurde am 25.Juli 1905 in Rustschuk, einem Ort im damaligen Osmanischen Reich, geboren. Als Sohn eines Kaufmannes erlebt er eine Kindheit mit ständigem Ortswechsel. Selbst nach dem vollkommen unerwarteten Tod des Vaters 1911, wandelte sich Canettis Wohnsitz fast mit Jahreswechsel. Die Familie, die sich zu diesem Zeitpunkt in Manchester, England, befand, zog wenig später ins österreichische Wien, kurz darauf wiederum nach Frankfurt, wo Canetti sein Abitur absolvierte. Er zog zurück nach Wien, wo er sich für ein Studium der Chemie einschrieb, diesem aber nur wenig Interesse zollte. So blieb seine eigentliche Leidenschaft, das Schreiben eigener und Studieren anderer Werke, sein größter Zeitvertreib. Neben den Einflüssen seiner Mutter, die ihm während seines Jugendalters besonders mit literarischen Werken zu unterhalten versuchte, stützte vor allem die Beziehung zu seiner ersten Ehefrau dieses Interesse. Elias Canetti plante eine große Schriftstellerkarriere und war sich sicher, dass seine zahlreichen philosophischen Ideen von der Masse, deren Einfluss auf den Einzelnen hauptsächlich seine Arbeit bestimmte, begeisternd aufgenommen werden. Während seines Studiums, welches er letztendlich mit einem Doktor der Naturwissenschaften abschloss, beschränkte sich die Arbeit jedoch auf kleine Schreibübungen und einzelne Ansätze. 1937 veröffentlichte Canetti schließlich sein erstes großes Werk, den Roman „Die Blendung“. Nachdem er bereits in der Kindheit mit der französischen und englischen Sprache in Kontakt gekommen war, galt seine Vorliebe eher dem Deutschen, in dem in der Folge auch seine meisten Werke verfasst wurden.
Dem Einmarsch der Nationalsozialisten als Folge, zog Canetti 1938 nach London, wo er fernab des eigentlichen Planes auch über das Kriegsende hinaus verweilen sollte. Trotz seiner jüdischen Religiosität hing er weiter an der deutschen Sprache und schrieb auch die nachfolgenden Werke wie „Die Stimmen von Marrakesch“ oder sein Lebenswerk „Masse und Macht“, welche zunächst in England publiziert wurden, auf Deutsch. Canetti zeigte besonders in den 40er-, 50er und später in den 80er-Jahren, wie vielseitig er sowohl Romane, Dramen oder auch seine eigene Autobiografie schreiben konnte und erhielt dafür eine Reihe von hohen Auszeichnungen, wie den Georg-Büchner-Preis oder 1981 den Literaturnobelpreis. Nach zahlreichen Schicksalsschlägen, die Canetti häufig über das Thema Tod nachdenken ließen, verstarb einer der facettenreichsten Autoren der Geschichte am 14.August 1994 in Zürich, wo er sich ab 1972 niederließ.

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