1990: Octavio Paz (1914 – 1998)
Octavio Paz war der größte mexikanische Schriftsteller aller Zeiten und schaffte es durch seine tiefgehende Poesie, welche von berührender Sinnlichkeit geprägt wurde, zu einem international hochangesehenen Dichter.
Paz kam am 31.März in der Hauptstadt Mexico-City zur Welt, wo er eine gewöhnliche, für die Nachwelt ereignislose Kindheit durchlebte. Bereits im Alter von 17 Jahren ebnete sich Paz seinen Weg, in dem er sich mehr und mehr seiner Leidenschaft, der Literatur, näherte. Zusammen mit Gleichgesinnten schuf er eine literarische Zeitschrift, die fortan eine Plattform für seine Texte und diejenigen anderer ermöglichen sollte. Neben den lateinamerikanischen Autoren, studierte er sehr begeistert die Schriften von Marx und Nietzsche. Mit 23 gründete er eine Sekundarschule für indianische Kinder und studierte in der Folge in Mexico, San Francisco und New York Jura und Philosophie. Mitte der Vierzigerjahre verfolgte Octavio Paz dann ähnlich wie andere große Autoren Lateinamerikas politische Interessen und betrat den diplomatischen Dienst. Während der Botschaftertätigkeit lernte er in Paris Neruda und Breton kennen, mit denen er fortan einen regen Austausch pflegte. Aus der relativ intellektuellen Zeit stammen auch die ersten großen Werke von Paz wie „Das Labyrinth der Einsamkeit“ 1950 oder das ein Jahr später erschienene „Der Bogen und die Leier“. Neben der Prosa machte sich Paz vor allem aber einen Namen mit hochbejubelten, da äußerst gehaltvollen Gedichten wie „Sonnenstein“, das mit den später geschriebenen „Weiß“ und „Von der Kladde zur Klarheit“ innerhalb Deutschlands als „Die großen Gedichte“ zusammengefasst ist. Nach dem langjährigen Aufenthalt in Paris und einer etwas kürzeren Anstellung als mexikanischer Botschafter in Indien legte Paz aus Protest gegen das Studentenmassaker von Tlatelolco 1968 sämtliche Ämter nieder.
Zurück in Mexico konzentrierte sich Octavio Paz in den letzten 25 Jahren seines Lebens ausschließlich auf die Schriftstellerei, für die er besonders in den 70er- und 80er-Jahren eine Reihe von hochdekorierten Preisen in Empfang nehmen konnte. So bekam er neben einigen nationalen Auszeichnungen unter anderem 1982 den Cervantes-Preis, 1984 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1990, als einziger Mexikaner überhaupt, den Nobelpreis für Literatur. 1993 brachte Octavio Paz seine Autobiografie über das politische Leben eines Poeten heraus und verstarb dreieinhalb Jahre später, am 20.April 1998, im Alter von 84 in seiner Heimatstadt Mexico-City.

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