1994: Kenzaburō Ōe (1935 – )
Der Japaner Kenzaburō Ōe zählt zu den einflussreichsten Schriftstellern des asiatischen Kontinents, da er es in einer besonderen Art schafft, die erschütternden Erlebnisse eines Einzelnen in dem Gedankengut vieler anderer neu auferleben zu lassen.
In einem kleinen Dorf namens Ose auf Shikoku, der kleinsten der vier Hauptinseln Japans, wurde Kenzaburō Ōe am 31.Jaunuar 1935 geboren. Nachdem sein Vater den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fiel, zog ihn seine Mutter zusammen mit der Großmutter auf. Neben den zahlreichen Geschichten, die seine Großmutter, welche für ihre hohe Gabe des Erzählens im Umland Bekanntheitsstatus genoss, näher brachte, waren vor allem die beiden Werke „Die Abenteuer von Huckleberry Finn“ von Mark Twain und Selma Lagerlöfs „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ äußerst prägend für das spätere Schreiben. Auf Anraten der Mutter verließ Ōe nach Beendigung der Schule im Alter von 18 Jahren die Heimat und zog nach Tokyo, wo er sich an der städtischen Universität für Französische Literatur einschrieb. Sechs Jahre später absolvierte er mit einer Abschlussarbeit über das nachhaltige Wirken von Sartre mit Bravour. Schon während seiner Studienjahre beschäftigte sich Kenzaburō Ōe immer häufiger mit dem Schreiben von eigener Literatur und begann mit einigen kleineren Versuchen sich dem Kontext zu nähern. Durch das zusätzliche Beschäftigen mit zeitgenössischen Schriften aus dem französischen und amerikanischem Raum konnte Ōe 1958 schließlich seine erste ernstzunehmende Kurzgeschichte veröffentlichen, für die er im selben Jahr mit dem Akutagawa-Preis bereits die erste Auszeichnung der noch jungen Karriere erhielt. Ebenfalls 1958 erschien Kenzaburō Ōes erster Roman „Reißt die Knospen ab…“, was den ziemlich rasanten Aufstieg zum Erfolgsautor nochmal zunehmend beschleunigte.
So folgten in den nächsten Jahren weitere Romane, in denen der Japaner vorrangig die im eigenen Leben gemachten Erfahrungen und Schicksalschläge, die ihn ereilten, als Thema verwendet. So geht es im Werk „Eine persönliche Erfahrung“ beispielsweise um einen Mann, der nach der Geburt seines behinderten Sohnes vorerst nicht dazu stehen möchte und nach einem Ausweg sucht, Ōes Sohn selbst ist ebenfalls behindert zur Welt gekommen. 2001 erzählte er in einem Werk über den Suizid eines Regisseurs und thematisierte so das Schicksal seines verstorbenen Schwagers. Stark geprägt von harten Schicksalsschlägen erfreuen sich Kenzaburō Ōes Werke ab den 90ern nicht mehr ausschließlich asiatischer Beachtung, sondern auch internationalem Interesse. So erhielt der Autor 1994 den Nobelpreis für Literatur und später weitere Ehrungen. Kenzaburō Ōe unternimmt noch heute jährlich Auslandreisen und erfreut sich bester Gesundheit.

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