1996: Wislawa Szymborska (1923 – )
Die polnische Schriftstellerin Wislawa Szymborska beschreibt in natürlicher Weise die biologischen Zusammenhänge, die den Menschen als Individuum existieren lassen und ihn in einen zeitgenössischen Kontext interpretiert zeigen.
In Bnin ganz in der Nähe von Posen wurde Szymborska am 2.Juli 1923 geboren. Als die junge Polin acht Jahre alt war, zog ihre Familie nach Krakau, wo sie noch heute lebt. Nach dem erfolgreich bestandenen Abitur 1941 und vier Jahren, in denen sie sich mittels Gelegenheitsarbeiten über Wasser hielt, studierte Wislawa Szymborska an der Jagiellonen-Universität Soziologie und Polnische Literatur. Drei Jahre später brach sie dieses aber ohne richtige Abschluss ab und versuchte fortan ihren Weg in der Literatur zu finden. Zu Beginn der 50er-Jahre veröffentlichte die häufig als ironische Autorin Charakterisierte erste kleinere Schriften in Tageszeitungen und Magazinen. Nachdem ihr erster geplanter Band aus ideologischen Gründen verboten wurde, konnte sie mit „Deshalb leben wir“ schließlich die erste Gedichtesammlung herausbringen. Stark sozialistisch geprägt, erntete dieses Erstlingswerk bereits reichlich Erfolg, später distanzierte sich Szymborska aber zu der nicht ausschließlich im Osten verwendeten Diktatorenverherrlichung. Fünf Jahre darauf wurde ihr auch international mehr Beachtung geschenkt. Ihr zweiter großer Sammelband „Rufe an Yeti“, der wesentlich unpolitischer geprägt war und sich mehr auf die natürlichen Gegebenheiten und die alltäglichen Kontakte des Menschen mit seiner Außenwelt konzentrierte, kann so als der wirkliche Durchbruch angesehen werden.
In den folgenden Jahren pflegte Wislawa Szymborska einen engen Kontakt zu Frankreich, so schrieb sie Mitte der 80er-Jahre für die im Exil Paris erscheinende Untergrundzeitschrift Kultura. Des Weiteren macht sie sich seit Jahrzehnten einen Namen als hervorragende Übersetzerin, vor allem für die Werke des französischen Dichters Theodore Agrippa d´Aubigne’, der während des 16.Jahrhunderts einer der angesehensten Autoren war. Szymborska selbst distanziert sich heute stark zum Sozialismus und verbindet nur noch wenig mit dem früh Geschriebenen. Vor allem in den 80ern und 90ern brachte sie noch eine Reihe von erfolgreichen Gedichtbänden wie „Hundert Freuden“ oder „Auf Wiedersehen. Bis Morgen.“ heraus. Außerdem erhielt sie besonders im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts viele Auszeichnungen wie den Goethe-Preis 1991, den Literaturnobelpreis oder den Ehrenpreis des Polnischen PEN-Cubs 1996.

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