1975: Eugenio Montale (1896 – 1981)
Der Italiener Eugenio Montale machte sich vor allem dank seiner unnachahmlichen Dichtkunst, die durch absolutes Feingefühl geprägt ist, einen Namen und gilt heute als einer der erfolgreichsten Schriftsteller und Musikkritiker seines Landes.
In einer sehr wohlhabenden Familie inmitten von Genua wurde Montale am 12.Oktober 1896 als letztes von insgesamt sechs Kindern geboren. Nach einer recht ereignislosen Kindheit, in der man noch wenig auf das spätere Genie schließen konnte, wagte er kurz nach dem Ersten Weltkrieg, dem er selber im letzten Jahr an der Front ausgeliefert war, erste schriftstellerischen Versuche. 1919 konnte Montale bereits einzelne, kleinere Gedichte veröffentlichen, die Anerkennung für diese blieb jedoch noch relativ geringfügig. Nebenbei studierte er an der Universität zu Genua seine zweite Leidenschaft, den Gesang. Drei Jahre nach seinem ersten Gedicht gründete er mit einigen Gleichgesinnten die Zeitschrift Primo tempo, die jungen Künstlern und natürlich auch ihm selbst die Möglichkeit gab, eigens verfasste Texte zu publizieren und die eigenen Ansichten der Öffentlichkeit näher zu bringen. Weitere drei Jahre vergingen, bis ihm mit dem Gedichtband „Ossi di seppia“ der Durchbruch gelingen sollte. Der Umzug nach Florenz zum Ende der 20er-Jahre ebnete ihm zudem den Weg für ein breiteres Berufsfeld. Zunächst bei einem Verlag tätig, wurde er schon kurze Zeit später Direktor des Kulturinstituts Gabinetto Vieusseu, das er bis zum Jahre 1938 erfolgreich führte. Aufgrund seiner antifaschistischen Haltung wurde er relativ kurzfristig entlassen und arbeitete fortan als freier Journalist für die unterschiedlichsten Zeitschriften, schrieb über die Geschehnisse des Weltkriegs und verfasste weiterhin kleinere Gedichte. Mit Ende des Kriegsgeschehens verlegte Montale erneut seinen Wohnort. In Mailand schrieb er unter anderem für den Corriere della sera und übersetzte Werke von Shakespeare und Steinbeck. Hier wurden auch noch weitere erfolgreiche Gedichtbände, in denen Montale zumeist die Landschaften Liguriens auf wundersame Weise darstellt, verlegt.
Von 1955 bis 1967 werkelte er neben der Schriftstellerei auch in seinem anderen Lieblingsfeld, der Musik. Als echter Fachmann arbeitete er als Musikkritiker und publizierte in mehreren Kolumnen eigene Philosophien und Interpretationen. In den 70er-Jahren schien sich dann die jahrelange Arbeit noch mal richtig auszuzahlen. Montale veröffentlichte mit „Satura“ einen weiteren Gedichtband und erhielt Ehrendoktorwürden der Universitäten Cambridge, Mailand und La Sapienza Rom, bevor er 1975 auch den Nobelpreis für Literatur überreicht bekam. 11 Jahre später, am 12.September 1981 verstarb Eugenio Montale in Mailand.
1974: Harry Edmund Martinson (1904 – 1978)
Wie sein schwedischer Landsmann Johnson, galt auch Harry Martinson als autodidaktischer Schriftsteller, der sich weniger durch politische Aktivität als mithilfe von reinster literarischer Fertigkeit den Literaturnobelpreis sichern konnte.
Am 6.Mai 1904 wurde Harry Edmund Martinson in Jamshög, Schweden, als fünftes von insgesamt sieben Geschwistern geboren. Die Zeit innerhalb einer Großfamilie wehrte allerdings nur ein paar Jahre, da der Vater 1910 verstarb, die Mutter daraufhin in die USA aussiedelte und alle Kinder in verschiedenen Waisenhäusern, verteilt im Raum Südschwedens, zurückließ. Seine Kinder- und Jugendzeit war so schon früh von einer herben Enttäuschung, der sich weitere anschließen sollten, gekennzeichnet. Mit 16 meldete er sich für die Seefahrt und verbrach in der Folge viel Zeit in Indien und Brasilien. Nach der Arbeit auf fast zwanzig verschiedenen Schiffen kehrte Martinson nach Schweden zurück, was aber nicht am Heimweh, sondern der Erkrankung von Tuberkulose lag. Er verbrachte besonders in der Anfangsphase der Krankheit viel Zeit mit literarischer Lektüren. Zwar beschäftigte er sich bereits auf See mit dem Lesen, aber wirkliches Interesse entwickelte sich erst ab Ende der 20er-Jahre. Martinson schloss sich der Dichtergruppe „Fem Unga“ an und konnte mit „Spökskepp“ (Spukschiff) 1929 seinen ersten Gedichtband veröffentlichen. Zwar war das noch nicht so wirklich als internationaler Durchbruch anzusehen, aber Martinson hatte einen Grundstein für kommende Erfolge gelegt. Ähnlich wie Johnson schrieb er in der Folge fleißig weiter und brachte eine Vielzahl an immer erfolgreicheren Werken heraus.
Nebenbei bekannte sich Martinson auch zu einer in Schweden eher ungewöhnlichen Glaubensrichtung, dem Buddhismus. Anfangs als deutlicher Kommunist erkennbar, distanzierte er sich nach einem Besuch in der Sowjetunion schnell und verfolgte nun einige Weisheiten des buddhistischen Glaubens. Literarisch verarbeitete er weiter seine eigenen Erfahrungen, die durch Enttäuschungen jeder Art geprägt waren. So auch in dem Werk „Der Weg nach Glockenreich“, das er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg herausbrachte. Ein Jahr später wurde er in die Schwedische Akademie aufgenommen und kurz darauf mit der Ehrendoktorwürde der Universität Göteborg ausgezeichnet. Bisher nur im skandinavischen Raum beachtet, gelang ihm 1959 mit „Aniara“ auch endlich der internationale Durchbruch, der ihm weitere Auszeichnungen, wie dem Nobelpreis für Literatur 1974 einbrachte. Getrieben von scharfer Kritik an späteren Werken, nahm sich Harry Edmund Martinson am 11.Februar 1978 während eines Krankenhausaufenthalts in der Nähe von Stockholm das Leben.
1974: Eyvind Olov Verner Johnson (1900 – 1976)
Der Schwede Eyvind Johnson war ein autodidaktischer Schriftsteller, der über vierzig Jahre hinweg eine Vielzahl von Erfolgsromanen schrieb, sich in einigen Zeitungen politisch zu Wort meldete und 1974 den Nobelpreis für Literatur erhielt.
Am 29.Juli 1900 wurde Johnson in Svartbjörnsbyn, welches heute in Nordschweden anzusiedeln ist, geboren. In bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, beendete er bereits im Alter von 13 Jahren seine schulische Laufbahn und versuchte in Form von Gelegenheitsarbeiten zum familiären Lebensunterhalt beizutragen. So arbeitete er über einige Jahre hinweg in einer Ziegelei, in einem Steinbruch und einer Sägemühle, bevor er im Jahr 1919 nach Stockholm zog und sich dort fortan dem Schreiben widmete. Mit selbstangeeignetem Wissen über politische Diskrepanzen und journalistische Fertigkeiten, begann er für die Zeitung „Brand“ zu schreiben. Innerhalb der 20er-Jahre begab er sich auf mehrere Reisen nach Berlin und Paris, wo er einige Zeit verbrachte und an der Ausarbeitung einiger kleinerer Werke tüftelte. Nebenbei hielt er sich mit weiteren Gelegenheitsanstellungen, z.B. als Tellerwäscher, über Wasser. 1924 veröffentlichte er sein Erstlingswerk, dessen Inhalt aber zunächst noch auf Kurzgeschichten begrenzt war. In der Folge schrieb er dann auch größere Werke und übersetzte fleißig eine Reihe von Werken Albert Camus´ oder die der Autoren Sartre und Ionesco. Innerhalb des Zweiten Weltkriegs wurde Johnson dann auch politisch aktiver und versuchte mithilfe seiner Werke, wie einer sehr erfolgreichen Roman-Trilogie, und den geschriebenen Zeitungstexten auf das Gedankengut der Bevölkerung Einfluss zu nehmen.
In Zusammenarbeit mit Willy Brandt gründete er die Zeitung „Et Handslåg“, mit welcher er die norwegische Widerstandsbewegung unterstützte. Mit einer Radioansprache publizierte er zudem sein vorher in den Werken bereits gezeigtes Gedankengut und sprach sich nochmal deutlich gegen den Bolschewismus aus, in dem er Kommunismus und Nationalsozialimus auf eine Stufe stellte und deren Eigenschaften gegeneinander abwog. Ende der 40er-Jahre widmete sich Johnson dann wieder dem Schreiben von Romanen, so entstanden gerade in den nachfolgenden Jahren viele Erfolgswerke wie 1949 „Drömmar om rosor och eld“ (Träume von Rosen und Feuer). Johnson wurde in den folgenden Jahren noch mit einer Reihe von hochkarätigen Auszeichnungen betraut. So wurde er 1962 als erster Autor mit dem Literaturpreis des nordischen Rates ausgezeichnet und erhielt 1974 zusammen mit seinem schwedischen Landsmann Martinson den Nobelpreis für Literatur. Am 25.August 1976 starb der erfolgreiche Autor, Journalist und Herausgeber Eyvind Olov Verner Johnson in Stockholm.
1973: Patrick Viktor Martindale White ( 1912 – 1990)
Patrick White war ein englischsprachiger Erfolgsautor, der mit seinen Romanen vor allem Mitte des 20.Jahrhunderts großen Erfolg verbuchte und schließlich als erster Australier den Nobelpreis für Literatur gewinnen konnte.
Während einer zweijährigen Europareise seiner eigentlich aus Australien stammenden Eltern wurde White am 12.Mai 1912 in London geboren. Von Beginn seiner Kindheit an entwickelte sich eine gewisse Distanz zu seinen Eltern, die sich vor allem durch deren Lebensart und Erziehungsmethode begründet. Die Eltern schickten den früh an Asthma erkrankten und introvertierten Sohn zum Zwecke seiner Gesundheit auf die Jungenschule in New South Wales, bevor er 1924 auf das Celtenham College in England geschickt wurde. Nach eigenen Angaben empfand White diese Zeit als „vierjährige Gefängnisstrafe“ und verbrachte sie mit nur wenig Kontakt zu anderen Schülern. Einzig und allein Ronald Waterell, mit dem White riesiges Interesse für das Theater teilte, kann als Freund und Gleichgesinnter bezeichnet werden. White konnte seine Eltern schließlich überreden, früher als eigentlich geplant das College zu verlassen, auch wenn er als Bedingung wider seiner eigenen Pläne zunächst das Leben auf der Farm ausprobieren sollte. Doch auch hier ließ er sich nicht von seinem eigentlichen Weg abbringen. Schon als Kind begeisterte ihn, sicherlich auch wegen seiner Krankheit und dem damit verbundenen Abstand zu Gleichaltrigen, die Welt der künstlerischen Vielfalt. Neben der Arbeit auf der Farm lebte er diese nun aus. White ging auf die Universität zu Cambridge, studierte französische und deutsche Literatur und begann intensiver zu schreiben.
Sein Vater, von dem er monatlich Geld zum Leben erhielt, förderte wenn auch ungewollt seine künstlerische Lebensart. Nach dem Tod des Vaters 1937 erbte White 10,000 Pfund, wodurch er beim Schreiben nicht mehr auf Einkünfte angewiesen war. Einer kurzen Zeit bei der Royal Air Force innerhalb des Zweiten Weltkriegs, in dem er auch den Griechen Manoly Lascaris kennenlernte und dieser später sein Lebensgefährte wurde, folgten Jahre, in denen White viele Erfolgswerke, die in England und den USA bejubelt wurden, veröffentlichen konnte. Mit seinem Roman „Voss“ gelang ihm dann auch in Australien der Durchbruch. White erhielt zahlreiche Auszeichnungen, zog sich aber weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und lehnte so viel dieser ab. Bei der Übergabe des Nobelpreises 1973 entschied er sich, nicht selbst dabei zu sein und ließ diesen durch seinen Freund Sidney Nolan entgegennehmen. Ab den 70er-Jahren quälte sich White zunehmend mit Krankheiten, schrieb dennoch Erfolgsromane, wie „Die Twyborn-Affäre“. Am 30.September 1990 verstarb Patrick White in seinem Wohnhaus in Sydney.
1972: Heinrich Böll (1917 – 1985)
Als Schriftsteller mit Blick für das zeitliche Weltgeschehen und einer gewissen schöpferischen Einzigartigkeit schaffte es Heinrich Böll zum prägendsten deutschen, wenn nicht sogar europäischen Autor der Nachkriegsgeschichte.
Im Hause des Schreiners Viktor Böll und dessen Ehefrau wird Böll am 21.Dezember des Jahres 1917 als achtes Kind der beiden in Köln geboren. Dort besuchte er ab dem Alter von 6 Jahren die katholische Volksschule, bevor er schließlich auf das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium wechselte. Nach dem Erhalt des Abiturs 1937 und einer anfänglich geplanten Ausbildung zum Buchhändler, schrieb sich Böll an der Kölner Universität für Germanistik und Klassische Literatur ein. Bis zum Einzug in die deutsche Armee veröffentlichte er bereits kleinere Romane und mehrere Gedichte. Hier lernte er auch während eines Fronturlaubs seine einzige Ehefrau kennen, mit der Böll vier Söhne hatte, einer starb jedoch noch im Geburtsjahr. Nach der Kriegsgefangenschaft, in die Heinrich Böll 1945 geriet, begannen seine wirklich ernsthaft gestalteten Werke. Das Studium für Germanistik nahm er wieder auf und veröffentlichte einige Werke, die sich vorrangig mit der Nachkriegsgeschichte beschäftigten. Trotz hohem Fleiß reichten die Einkünfte nicht zum Leben und so lag es vor allem an der Lehreranstellung seiner Frau, dass die Familie gerade so über die Runden kam. Erst mit Beginn der 50er-jahre wandte sich der bis dahin als Kurzgeschichtenautor bekannte Schriftsteller von diesen ab und widmete mehr Zeit dem Schreiben von längerer Belletristik. Was folgte, waren 20 Jahre schöpferische Erfolgsgeschichte. Böll verfasste eine Vielzahl an häufig gelesenen Werken, die zunehmend in der Bevölkerung zur Pflichtlektüre wurden.
Auch das öffentliche Interesse an seiner Person wuchs und auch wenn aus dieser Zeit manch Auftritt, in dem er frühere Erfolgsautoren angriff und einige von seinen Worten später nach eigenen Angaben bereute, konnte sich Böll über zunehmendes Ansehen erfreuen. Eine Stellung, die wegen einem Essay zum Thema Umgang mit den RAF-Terroristen ein Jahr nach dem Erhalt des Literaturnobelpreises 1972 arg ins Wanken geriet. Böll beschäftigte sich intensiv mit den Schicksalen, vor allem dem von Ulrike Meinhof und galt innerpolitisch als Sympathisant des Terrors. Er ließ kein gutes Wort an dem Umgang mit der Gruppierung und ging fortan auch scharf mit der Springer-Presse ins Gericht. Sein wohl bekanntestes Werk, „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ dokumentiert diese Verachtung in ausführlicher Weise. Böll setzte sich in den letzten zehn Jahren noch weiter mit politischem Geschehen in der ganzen Welt auseinander und galt bis zum Tod am 16.Juli 1985 als Kämpfer für einen globalen Frieden.
1971: Pablo Neruda (1904 – 1973)
Pablo Neruda war ein chilenischer Schriftsteller, Politiker und Diplomat, der sich in seinen Werken und der Arbeit deutlich gegen die faschistischen Mächte in seinem Heimatland und in Spanien stellte und dies in beachtlicher Weise publizierte.
Als Sohn einer Volkshochschullehrerin und eines Lokomotivführers wird er unter dem bürgerlichen Namen Neftalí Ricardo Eliecer Reyes y Basoalto am 12.Juli 1904 im chilenischen Parral geboren. Nachdem seine Mutter nur einen Monat nach der Geburt verstarb, wuchs er alleine mit dem Vater, dessen zweiter Frau und den Großeltern in Temucu auf. Schon früh, im Alter von 13 Jahren, widmete sich der Chilene seiner Leidenschaft, begann erste Schreibversuche und publizierte diese in einer örtlichen Zeitung. Nach dem Abschluss auf der Knabenschule begann er mit dem Studium für Pädagogik und Französisch, bleib aber weiter schriftstellerisch aktiv. Unter dem an den tschechischen Dichter Jan Neruda angelehnten Synonym Pablo Neruda folgten nun immer größere Veröffentlichungen, wie die seines ersten Buches Crepusculario im Jahre 1923, welches er sich allerdings noch selbst finanzieren musste. Neruda begann sich zusätzlich aktiv der Politik zu nähern und trat 1927 in den diplomatischen Dienst, der ihn als Konsul zunächst nach Java, Argentinien, Birma und Singapur führte, ein. 1935 wurde er schließlich Botschafter in Spaniens Hauptstadt Madrid. Nachdem sein Freund und Mitherausgeber der selbst gegründeten Zeitung „Grünes Pferd für die Dichtung“ von den Putschisten Francos erschossen wurde, entwickelte sich anfängliches politisches Interesse in harten politischen Widerstand. Neruda stellte sich total gegen die Putschisten, was ihn so aufgrund fehlender Neutralität als Botschafter untragbar machte und ihn später zur Flucht nach Paris zwang.
Hier tat er sich mit anderen Gelehrten und Künstlern zusammen und veröffentlichte weitere Werke. 1938 kehrte Neruda zurück nach Chile, wo er zunächst als Journalist arbeitete. Als die Arbeiterpartei an die Macht kam, fand er wieder Arbeit im diplomatischen Dienst, widmete sich aber schon nach drei Jahren wieder mehr dem Schreiben, schloss sich der kommunistischen Partei an und zog 1945 sogar als Senator ins Parlament, aus dem er später wegen öffentlichem Angriff auf den Präsidenten flog und schließlich erneut fliehen musste. Im Exil lernte er Picasso und Asturias kennen und schrieb mit „Canto General“ (Der große Gesang) sein bedeutendstes Werk. Der erneuten Rückkehr nach Chile folgte fast die Präsidentschaft, auf die er aber zugunsten Allendes verzichtete. Am 23.September 1973 starb Pablo Neruda nur zwei Jahre nach dem Erhalt des Literaturnobelpreises in Folge eines langen Krebsleidens in Santiago de Chile.
1970: Alexander Isajewitsch Solschenizyn (1918 – 2008)
Der Russe Alexander Isajewitsch Solschenizyn war ein bedeutender Schriftsteller, der aufgrund seiner Erfahrungen im Krieg und dem Leben im sowjetischen Staatssystem eine Vielzahl an bemerkenswerten Werken verfasste.
Als Sohn eines sehr vermögenden Landarbeiters wurde Alexander Solschenezyn am 11.Dezember 1918 in Kislowodsk, Südrussland, geboren. Er besuchte wie andere Schulen in der Nachbarschaft und führte eine gewöhnliche Kindheit. Im Alter von Anfang 20 begann er mit dem Studium der Fächer Mathematik, Physik, Geschichte und Philosophie. Mit Einbruch des Zweiten Weltkriegs musste er dieses jedoch unterbrechen, absolvieren konnte er es letztendlich nie. Als Artillerieoffizier diente er ab 1941 der sowjetischen Armee, in der er großen Schlachten und Operationen beiwohnte. Alle Erlebnisse sollten später große Beachtung in seinen Werken finden. 1945 wurde er schließlich aus der Armee verbannt und musste aufgrund seiner kritischen Äußerungen gegen Stalin sogar 8 Jahre Kriegsgefangenschaft in Kasachstan absitzen. Tatsächlich wurde er erst 1957 begnadigt. Fortan widmete sich Solschenizyn der schriftstellerischen Tätigkeit. Seine erste Erzählung, in der er ausführlich die Verhältnisse der Kriegsgefangenschaft darstellte, veröffentlichte er im Jahr 1962. In den nachfolgenden Jahren stellte sich Solschenizyn immer mehr gegen das System, wurde wegen öffentlicher Kritik sogar aus dem Schriftstellerverband der UdSSR verbannt. 1970 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, dessen Übergabe er aber aus Angst, ausgewiesen zu werden, nicht beiwohnte. Solschenizyn übte zwar öffentlich Kritik, hing aber dennoch am sowjetischen Staat. Dass er den weiteren Weg aber trotzdem nicht aufhalten konnte, musste er 1974 endgültig einsehen. Solschenizyn veröffentlichte heimlich einige Werke, wie sein später erfolgreichstes, „Der Archipel Gulag“, in dem er intensiv auf das sowjetische Lagersystem einging.
Nach der folgenden Verbannung, kam er zunächst in Deutschland bei seinem Freund Heinrich Böll unter, bevor ihn sein Weg in den US-amerikanischen Bundesstaat Vermont führte. Hier schrieb Solschenizyn weiter und ließ auch an seiner neuen Wahlheimat kein gutes Wort an dem politischen System. Zwar genoss er hier äußerst gute Bedingungen und konnte in Ruhe arbeiten, das hielt ihn aber nicht von der Kritik am Westlichen ab, was zunehmend für Zweifel an seiner Person sorgte. Der Wunsch, zurückzukehren, blieb immer bestehen und so konnte Solschenizyn nach Begnadigung 1990 endlich zurück ins heimische Russland. Die letzten Jahre verstrickte er sich immer mehr in Widersprüche und so schwand auch die Bewunderung für seine Person. Am 3.August 2008 starb der einstige Erfolgsautor in Moskau an einem Hirnschlag und hinterließ seine Frau und drei Kinder.
1969: Samuel Beckett (1906 – 1989)
Der gebürtige Ire Samuel Beckett machte sich durch zahlreiche Werke und Theaterstücke neben der Schriftstellerei auch als angesehener Autor von Theaterstücken einen Namen und gilt daher als eine der schillerndsten Figuren im britischen Literatur- und Kulturbereich.
Zwar gibt es unterschiedliche Meinungen über das wirkliche Geburtsdatum Becketts, aber am Wahrheitsgehalt seiner Geburt am Freitag, den 13.April 1906 gibt es keine bewiesenen Zweifel. Als Sohn protestantischer Eltern wächst Beckett in der Nähe von Dublin auf und wird bereits im Alter von sechs Jahren auf eine streng protestantische Privatschule in Nordirland geschickt. Das Interesse am Schulischen begrenzte sich aber lediglich auf das Fach Sport und so galt Becketts ganze Aufmerksamkeit dem Cricket, Schwimmen und Boxen. Trotzdem reichten die immerhin durchschnittlichen Schulleistungen dafür aus, den Abschluss zu absolvieren und sich im Anschluss, am Trinity-College zu Dublin, für Französisch, Italienisch und Literatur einzuschreiben. Dem Studium, welches bis 1927 andauerte, folgte eine kurze Anstellung als Lehrer und englischer Lektor in Paris. Beckett zog schließlich zurück nach Dublin, wo er als Sekretär für James Joyces, dessen Einfluss in den ersten Werken Becketts klar zu erkennen war, arbeitete. Nach zwischenzeitlichen Aufenthalten in Deutschland und England ließ er sich schließlich in Paris nieder.
Hier wurde er politisch aktiv und schloss sich der Resistance an, was ihn später zur Flucht vor der Gestapo zwang. Im unbesetzten Südfrankreich fand er nun zunehmend die Möglichkeit, wieder aktiver zu schreiben und Werke zu übersetzen. Außerdem meldete er sich freiwillig als Helfer des Roten Kreuzes in der Normandie. Zurück in Paris veröffentlichte Beckett nach Kriegsende mehrere Romane und Theaterstücke. Sein großer Durchbruch sollte „En attendant Godot“ (Warten auf Godot) werden, das nach anfänglichen Problemen 1953 endlich aufgeführt werden konnte. Die folgenden Jahre nutzte Beckett weiter dafür, zahlreiche Werke und Vorlagen für Theaterstücke zu erarbeiten, wobei er stets zwischen dem Französischem und Englischen pendelte. Die Übersetzung in die jeweils andere Sprache übernahm er dann höchstpersönlich. Mitte der 70er-Jahre, als Beckett bereits eine Vielzahl an Werken herausgebracht hatte, viele seiner Stücke in Rundfunk und Fernsehen veröffentlicht wurden und Beckett sich selbst als Regisseur ausprobierte, zog er sich schließlich aus der Öffentlichkeit zurück. So blieb Samuel Beckett auch der Vergabe seiner größten Auszeichnung, dem Literaturnobelpreis 1969, fern. Am 22.Dezember 1989 verstarb der Autor, dessen Werken von Sinnleere und Aussichtslosigkeit geprägt sind, in seiner Wahlheimat Paris an den Auswirkungen einer Lungenembolie.
1968: Yasunari Kawabata (1899 – 1972)
Der japanische Schriftsteller Yasunari Kawabata galt als einer der Exoten unter den Schriftstellern und schaffte es dank seines starken Willens vom Waisenkind zu einem der größten Literaren des asiatischen Kontinents und schließlich zum Literaturnobelpreisträger.
Es schienen nicht gerade ideale Voraussetzung für den kleinen Yasunari, der am 11.Juni 1899 als Sohn eines Arztes in Osaka geboren wurde. Denn schon kurz nach seiner Geburt verstarben beide Elternteile. Kawabata kam zu seinen Großeltern, doch auch diese erlitten wenig später das Schicksal und so landete er bereits in jungen Jahren in einem Waisenhaus. Diese Schläge, an denen andere zerbrechen, machten den talentierten Jungen nur noch stärker. Er wuchs an seinen Aufgaben und widmete schon im jugendlichen Alter viel Zeit dem Schreiben und dem Studium ausländischer, vor allem westlicher, Literatur. Begünstigt wurde diese Beschäftigung durch einen Wandel der japanischen Politik, die sich zunehmend dem Westen öffnete. Kawabata verfasste im Alter von 16 Jahren und auch eine zwischenzeitliche Fehlentscheidung, sich einem Kunststudium zuzuwenden, konnte ihn nicht von seinem Weg abbringen. 1920 ließ er sich für Literatur einschreiben und studierte vorrangig die Geschichte der landeseigenen Autoren. Des Weiteren besuchte er zahlreiche Vorlesungen der Anglistik, um sich zusätzlich ausländischer Literatur zu nähern und diese auch richtig werten zu können. Nach Abschluss des Studiums an der kaiserlichen Universität zu Tokyo arbeitete er als freier Schriftsteller.
Wie auch andere gleichgesinnte asiatische Schriftsteller nutzte Kawabata einzelne europäische Werke, um Elemente aus diesen in seinen eigenen Romanen und Novellen einfließen zu lassen. 1926 veröffentlichte er mit „Izu no odoriko“ (Die Tänzerin von Izu) seine Erstlingswerk, das nicht nur seinen Durchbruch bedeutete, sondern von dem ausgehend auch weitere Erfolgsgeschichten folgen sollten. Neben einzelnen Romanen galt hier vor allem die Novelle „Yukiguni“ (Schneeland) als absolutes Meisterwerk. Neben dem eigenen Schreiben setzte sich Kawabata viel für nachfolgende Autoren ein und besetzte einige hohe Ämter innerhalb der asiatischen Literaturverbände. Zudem wurde er mit mehreren Preisen, wie der Goethe-Medaille der Stadt Frankfurt oder 1968 dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Am 16.April 1972 beendete Yasunari Kawabata sein Leben in seinem Arbeitszimmer in Zushi.
1967: Miguel Ángel Asturias (1899 – 1974)
Miguel Ángel Asturias war der erfolgreichste Schriftsteller Guatemalas und so wird ihm aufgrund seiner unnachahmlichen Darstellung lateinamerikanischer Mythen auch heute noch, 35 Jahre nach seinem Tod, große Begeisterung entgegengebracht.
In der Ciudad de Guatemala wurde Asturias am 19.Oktober 1899 als Sohn einer Indianerin und eines angesehenen Richters geboren. Die Entschlossenheit seines Vaters, der sich vehement gegen die ihm aufgetragene Liquidierung revolutionärer Studenten wehrte, wurde nur 5 Jahre nach der Geburt des einzigen Sohnes zum Verhängnis. So wurde die Familie aus der Hauptstadt verbannt und musste nach Baja Verapaz umsiedeln. Mit Beginn seiner Volljährigkeit begann Asturias mit dem Medizinstudium, wechselte aber schon nach kurzer Zeit in die Bereiche Publizistik und Jura. 1923 zog es den späteren Erfolgsautor nach Europa. Doch auch das anfänglich geplante Ökonomie-Studium in London brach Asturias ab. So fand er auch auf dem neuen Kontinent erst im zweiten Anlauf das richtige Fach. Der Wechsel nach Paris, wo er 1926 schließlich ein Studium für Religions- und Völkerkunde abschließen konnte, sollte der entscheidende Schritt für den zukünftigen Weg sein. Asturias beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte Lateinamerikas und den einzelnen Kulturen. Kurze Zeit nach dem Studium kam es zu ersten Veröffentlichungen, mit denen er sich weitere Reisen, die ihn durch die USA, Palästina und halb Europa führten, finanzieren konnte.
1933 kehrte Asturias nach Guatemala zurück, wo er aber aufgrund der diktatorischen Verhältnisse unter Jorge Ubico weitgehend auf Veröffentlichungen verzichtete. Nach dem Sturz des Diktators trat er selbst auch in die Politik ein und arbeitete zunächst als Botschafter in Mexico-Stadt. In diese Zeit fallen auch die meisten seiner herausgegebenen Werke. So veröffentlichte er um 1950 herum eine Vielzahl an erfolgreichen Stücken, wie die ersten beiden Romane „Der Sturm“ und “Der grüne Papst” aus der später als Bananen-Triologie bekannten Sammelreihe, für die Asturias 1967 den Literaturnobelpreis erhalten sollte. Mit Zerfall der neuen Regierungsform beendete Asturias die Laufbahn als Botschafter und ging ins Exil nach Argentinien. Der erneute Umbruch in Guatemala war später ausschlaggebend, um erneut in den diplomatischen Dienst einzutreten. Asturias, welcher sich nach einem Aufenthalt in Genua nun in Paris aufhielt, bekam vom neuen Staatsoberhaupt Mendez Montenegro schließlich die Rolle des Botschafters in der französischen Hauptstadt. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er im diplomatischen Dienst und damit noch einzelne kleine Werke, wie Essays und Gedichte in Zusammenarbeit mit Pablo Neruda, herauszubringen. Miguel Ángel Asturias starb am 9.Juni 1974 in Madrid.
