2001: Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul (1932 – )
Der in Trinidad geborene Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul ist nicht nur der größte Schriftsteller seines Landes, sondern aufgrund seiner sehr kulturellen Darstellung von Reiseerfahrungsberichten in der ganze Welt international äußerst angesehen.
Als Nachkömmling indischer Einwanderer, die als Vertragsarbeiter nach Trinidad and Tobago kamen, wurde Naipaul am 17.August 1932 in Chaguanas geboren. Nach den ersten Lebensjahren, die er bei der Familie mütterlicherseits lebte, lernte er erst im Alter von 6 Jahren seinen Vater, der als Journalist in der Hauptstadt Port of Spain arbeitete, kennen. Über seine Kindheit und die Wiedervereinigung seiner Familie sollte Naipaul später noch den äußerst erfolgreichen Roman „Ein Haus für Mister Biswas“ schreiben. Obwohl die Familie nicht über die besten finanziellen Möglichkeiten verfügte, gelang es Naipaul ab 1950 an der Universität von Oxford zu studieren. Durch ein Stipendium begünstigt, verbrachte er hier einige Jahre und konnte nach erfolgreichem Abschluss direkt als freier Mitarbeiter beim BBC einsteigen. Kurz darauf entschloss sich Naipaul jedoch sein Leben komplett der Schriftstellerei zu widmen. In den folgenden Jahren gelangen einige Achtungserfolge mit Romanen, vor allem aber mit der Ausarbeitung und Veröffentlichung von Erfahrungsberichten aus den kulturell unterschiedlichsten Regionen. Naipaul ermöglichte sich einige längere Reisen, die ihn unter anderem nach Pakistan, den Iran, Indonesien und Uganda führten. Auch nach Indien, wo sich seine eigentlichen Wurzeln befinden, reiste er oft und hielt seine Beobachtungen und Erlebnisse literarisch fest. Als Reiseschriftsteller, wie man Naipaul öfter darstellt, ist er aber keinesfalls anzusehen. Seine Berichte sind durchweg mit kritischem Auge verfasst und sprechen verschiedene Problematiken in den verschiedenen Regionen analysierend an.
Besonders mit dem islamischen Glauben setzt sich Sir Naipaul auseinander. In seinem zweiten großen Werk „Eine islamische Reise“, welches er 1981 in Anschluss an eine große Iranreise veröffentlichen konnte, prangerte er die Intention des Glaubens an. Naipaul wird aufgrund einer einseitigen Sicht von vielen Forscher, gerade denen, die sich mit der Geschichte der islamischen Länder beschäftigen, eher mit einem abwertenden Auge gesehen. Edward Said zum Beispiel kritisiert die deutliche Trennung von Ost und West und wirft Naipaul die Aufrechterhaltung von Vorurteilen vor. Trotz alledem ist Naipaul in vielen Kreisen ein äußerst gefragter Autor und gilt heute als Schriftsteller mit prophetischen Fähigkeiten, der eine zunehmende Entwicklung extremistischer Islamisten hervorgesehen hat. So erhielt er gerade in seiner Wahlheimat England viele Auszeichnungen, wurde 1990 zum Ritter geschlagen und erhielt 2001 den Nobelpreis für Literatur.
2000: Gao Xingjian (1940 – )
Der chinesische Literaturnobelpreisträger von 2000, Gao Xingjian gilt als Neubegründer der asiatischen Kunst der Dramaturgie, des Romanschreibens und der Erzählweise, die er in einer besonderen Art dem Lesenden zur Einsicht gibt.
In Ganzhou im Osten Chinas wurde er als Sohn einer Amateurschauspielerin und eines Bankiers am 4.Januar 1940 geboren. Nach den Interessen der Mutter kam Xingjian bereits in jungen Jahren in Kontakt mit der Welt des Theaters und der Schriftstellerei. Nach einer wenig ereignisreichen Schulzeit konnte er 1962 am Institut für Fremdsprachen in Peking sein Examen im Bereich Französisch absolvieren. Ab 1966 wurde er in Zuge der Kulturrevolution für zehn Jahre in einem Umerziehungslager gezwungen seine ersten Schriften zu verbrennen, was ihn aber nicht daran hindern sollte, heimlich weiter zu schreiben. Dank seiner Standfestigkeit und eines kämpferischen Willens durfte Xingjian ab 1979 nicht nur in chinesischen Zeitungen kleinere Beiträge veröffentlichen, sondern auch mehrere Reisen in ferngelegene Orte unternehmen. In dieser Zeit waren es jedoch mehr seine Übersetzungen von den Stücken Ionescos und Preverts, als seine eigenen, die für Aufsehen sorgten. Dennoch kam es zu den Aufführungen von „Alarmsignal“ oder „die Busstation“, wenngleich diese als unrühmlich beschrieben wurden und Xingjian 1986 als Folge für seine Stücke ein Aufführungsverbot erhielt.
Nach herber öffentlicher Kritik, ging er als politischer Flüchtling nach Paris, wo er sich in einem anderen künstlerischen Bereich, der Malerei seine Brötchen verdiente. Als Reaktion auf das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 trat der Autor aus der Kommunistischen Partei aus und veröffentlichte das Werk „Die Flucht“, welches nicht nur als Reaktion auf die Geschehnisse, sondern auch als endgültiger Bruch mit dem Heimatland zu werten ist. Xingjian nahm 1998 die französische Staatsbürgerschaft an und löschte somit sämtliche Verbindung zu China, auch wenn er in seinen später erschienen Werken immer noch den Bezug zu China als Sujet verwendete. 2001 entstand „Der Berg der Seele“, das im Wesentlichen die Reise durch China in gespenstischer Gestaltung darlegt. 2004 berichtete er in „Das Buch eines einsamen Menschen“ über das Schicksal seiner Familie, die dem Massaker zum Opfer fällt. Gao Xingjian erhielt mehrere französische Literaturpreise. Sehr überraschend hingegen kam die Verleihung des Nobelpreises für Literatur, den er 2000 bekam. China selbst sah es als nicht gerechtfertigt, einem derart unbedeutenden Künstler diesen auszuhändigen und bis heute wird über die Verbindung zu Akademiemitglied Malmqvist, der zugleich Übersetzer der Werke Xingjians ist, spekuliert.
1999: Günter Grass (1927 – )
Günter Grass ist Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Literaturexperte und durchweg Künstler, was ihn noch heute nicht nur zu einem der am meisten beachtesten Personen Deutschlands, sondern zu einem international bewunderten Autoren der Gegenwart macht.
Die eigentliche Heimat des Weltautors liegt in Polen. Am 16.Oktober 1927 in Danzig geboren, konnten die Eltern, ein protestantischer Lebensmittelhändler und eine kaschubisch stämmige Katholikin, nicht ahnen, welchen Werdegang ihr einziger Sohn nehmen sollte. In relativ ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, diente Grass zunächst als Messdiener und kam in die Hitlerjugend, auch wenn er von dieser von Beginn an kein gutes Bild hatte. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Danzig, meldete sich Grass, um seinen finanziellen Beitrag für die Familie zu leisten, 1941 freiwillig für die Wehrmacht. 1945 gelangte er innerhalb der kriegerischen Handlungen schließlich in Kriegsgefangenschaft. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges machte er zunächst eine Lehre als Steinmetz, bevor er zwischen 1948 und 1952 Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf studierte. Dieses Studium setzte er später an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin fort. Neben einigen plastischen Ausstellungen Mitte der 50er-Jahre zog es Grass auch langsam in den literarischen Bereich, in dem er anfänglich an Kurzprosa und einzelnen kleineren Theaterstücken arbeitete. 1959 entstand mit „Die Blechtrommel“, welche später sogar verfilmt wurde, Grass` erster Roman, der auf Anhieb großen Erfolg verbuchen konnte. Mit der eher gegenständlichen Darstellung der Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs entschloss sich Grass gegen das von allen beschriebene, formale Bild, distanzierte sich somit in einem ganz eigenen Stil und schaffte es als erster deutscher Autor nach dem Weltkrieg wieder für internationales Aufsehen zu sorgen.
Grass nutzte das öffentliche Interesse an seiner Person und warb für die politischen Interessen seines Freundes Willy Brandt. So nahm er an Wahlreisen, politischen Kundgebungen, bei denen er sich selbst zu Wort meldete und Wahlkämpfen teil. 1982 trat er in die Partei der Sozialdemokraten ein, eckte jedoch aufgrund seiner Ansichten innerparteilich mehrfach an. Grass sprach sich unter anderem gegen die Wiedervereinigung aus und stellte 1992 seine parteilichen Aktivitäten ein, blieb aber als Berater politisch aktiv und unterstütze beispielsweise den Wahlkampf von Heide Simonis in Schleswig-Holstein. Literarisch schreibt Grass noch heute seine Werke nach der alten Rechtschreibung und veröffentlicht fleißig weiter. So entstanden 2006 die Erinnerungen „Beim Häuten der Zwiebel“ oder 2008 der Roman „Die Box“. Für 2010 plant der Literaturnobelpreisträger von 1999, der auch über eine Vielzahl anderer Preise verfügt, die Herausgabe von „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990“.
1998: José de Sousa Saramago (1922 – )
José des Sousa Saramago ist ein großer portugiesischer Essayist und Schriftsteller, dem es sowohl gelingt Anhänger der Romantik als auch die des Dramatischen mithilfe seiner ganz individuell gestalteten Werke für sich zu gewinnen.
Der Sohn zweier Landarbeiter wurde am 16.November 1922 im kleinen Dorf Azinhaga, nördlich der portugiesischen Hauptstadt Lisabon geboren. Eigentlich als José de Sousa bedacht, bemerkte die Familie erst im Alter von 7 Jahren bei der Einschulung, dass der vollständige Namen durch Eigeninitiative des Standesbeamten mit dem Zusatz Saramago, der für die Familie väterlicherseits im Umkreis bekannt war, ergänzt wurde. Der Abschluss an einem Gymnasium in Lisabon, wo die Familie hinzog, scheiterte an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und so musste Saramago trotz hervorragender Noten frühzeitig abbrechen und wechselte auf die Technische Hochschule, wo er eine Ausbildung als Mechaniker machte und fortan als KFZ-Mechaniker arbeitete. Nebenbei besuchte er immer häufiger Bibliotheken, was einen zunehmenden Kontakt mit portugiesischer Literatur zur Folge hatte. Saramago begann selbst zu schreiben und konnte 1947 seine erste Novelle veröffentlichen. Nach einer weiteren, die nie veröffentlicht wurde, kam er jedoch zu dem Schluss, dass er nicht weiter schreiben sollte, weil ihm nichts als wichtig erschien. Bis 1966 blieben Veröffentlichungen demnach aus. Nachdem er 1949 in seinem Betrieb entlassen wurde, arbeitete er als Verlagsproduzent und Übersetzer, wodurch sich der Kontakt mit zahlreichen Autoren der Zeit aufbaute.
1966 kehrte er mit dem Gedichtband „Os Poemas Possíveis“ zurück auf die literarische Bühne, vier Jahr später folgte der nächste. Saramago wurde nun auch politisch aktiver und schloss sich 1969 der kommunistischen Partei an. Kurze Zeit nach der Nelkenrevolution aus dem Jahr 1974 entschied er sich aber, sein Interesse wieder voll der Literatur zu widmen, wohl auch, weil er seine führende Position innerhalb der Rebellierenden verlor. Ein kluge Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. 1980 gelang ihm mit seinem ersten Roman „Hoffnung im Alatejo“ der nationale, mit dem Liebesroman „Memorial“ zwei Jahre später der internationale Durchbruch. Es folgten weitere große Werke, für die Saramago viel Lob, aber auch Kritik erntete. So verhöhnte die Kirche sein Werk „Das Evangelium nach Jesus Christus“ als Blasphemie. Auch das katholisch geprägte Portugal stellte sich gegen den Autor, woraufhin Saramago nach Lanzarote auswanderte. Nichtsdestotrotz bekam José de Sousa Saramago hochrangige Auszeichnungen wie dem Prémio Vida Literária 1993 oder 1998 den Nobelpreis für Literatur verliehen und erfreut sich noch heute großem internationalen Interesse.
1997: Dario Fo (1926 – )
Dario Fo ist ein italienischer Erfolgsautor, der sich vor allem im Bereich des satirischen Theaters als Schauspieler, Regisseur und Erzähler einen Namen machte, wenngleich viele seiner Worte eine Provokation für Bestehendes darstellen.
In einem kleinen Dorf namens Sangiano am großen Lago Maggiore in Italien wurde Fo am 24.März 1926 geboren. Als Sohn einer Bäuerin und eines Eisenbahnangestellten, der sich ebenfalls einen Namen durch die Schauspielerei machte, kam er schon in jungen Jahren in Kontakt mit dem Theater. Nebenbei entwickelte er dank seines Großvaters, der ihm viel vorlas auch eine Verbindung zum Geschichtenerzählen. Nach Beendigung der Schullaufbahn zog Fo nach Mailand, wo er sich an der Kunsthochschule Brera für Kunst und Architektur einschrieb.
Während des Zweiten Weltkriegs bekämpfte Fo zusammen mit seiner Familie aktiv die faschistischen Handlungen der Regierung. So schmuggelte er mit seinem Vater mehrfach heimlich Flüchtlinge und Desserteure der Alliierten über die Grenze in die Schweiz. Selbst entzog er sich geschickt der Einberufung durch die Truppen des Diktators Salo. Nach Kriegsende nahm Dario Fo sein Studium wieder auf und entwickelte zunehmend noch größeres Interesse für das Theater. 1952 gab er im Teatro Odeon sein Schauspieldebüt. Zwei Jahre später lernte er seine spätere Ehefrau Franca Rame kennen, mit der er die Theatergruppe „Compagnia Fo-Rame“ gründete und mit der er noch heute zusammenlebt. Mit ihr an der Seite zog Fo für mehrere große Touren durch Italien und erfreute sich mit seinen Werken im Laufe der Jahre immer größerem Interesse des internationalen Publikums. Der wirkliche Durchbruch auf internationaler Bühne gelang Fo mit „Die Erzengel spielen nicht Flipper“, welches 1960 uraufgeführt wurde. Kurze Zeit später übernahm er die Moderation der Sendung „Canzonissima“, die aber aufgrund des skandalösen Programmes später wieder eingestellt wurde. Fo stellte zumeist das Leben einfacher Leute dar und bekam großen Zuspruch. Insbesondere die Darstellung eines von der Mafia getöteten Journalisten traf aber auf große Kritik aus Politikerkreisen. Fo erhielt darauf ein Auftrittsverbot innerhalb des Fernsehens.
Seiner Gesinnung sollte das aber keinen Bruch tun, so legte sich Fo in folgenden Theaterstücken weiter mit gestandenen Institutionen der Regierung und sogar mit dem Vatikan an. So kritisierte der Glaubensstaat unter anderem die Auszeichnung Fos mit dem Literaturnobelpreis 1997 als nicht zu vertretbare Entscheidung. Neben dieser Auszeichnung erhielt Dario Fo weitere wie den Sonning-Preis der Universität Kopenhagen. Mittlerweile ist Fo selbst politisch aktiv, verlor aber die letzte Wahl für das Bürgermeisteramt in Mailand, trotz über 23 Prozent Wahlanteilen.
1996: Wislawa Szymborska (1923 – )
Die polnische Schriftstellerin Wislawa Szymborska beschreibt in natürlicher Weise die biologischen Zusammenhänge, die den Menschen als Individuum existieren lassen und ihn in einen zeitgenössischen Kontext interpretiert zeigen.
In Bnin ganz in der Nähe von Posen wurde Szymborska am 2.Juli 1923 geboren. Als die junge Polin acht Jahre alt war, zog ihre Familie nach Krakau, wo sie noch heute lebt. Nach dem erfolgreich bestandenen Abitur 1941 und vier Jahren, in denen sie sich mittels Gelegenheitsarbeiten über Wasser hielt, studierte Wislawa Szymborska an der Jagiellonen-Universität Soziologie und Polnische Literatur. Drei Jahre später brach sie dieses aber ohne richtige Abschluss ab und versuchte fortan ihren Weg in der Literatur zu finden. Zu Beginn der 50er-Jahre veröffentlichte die häufig als ironische Autorin Charakterisierte erste kleinere Schriften in Tageszeitungen und Magazinen. Nachdem ihr erster geplanter Band aus ideologischen Gründen verboten wurde, konnte sie mit „Deshalb leben wir“ schließlich die erste Gedichtesammlung herausbringen. Stark sozialistisch geprägt, erntete dieses Erstlingswerk bereits reichlich Erfolg, später distanzierte sich Szymborska aber zu der nicht ausschließlich im Osten verwendeten Diktatorenverherrlichung. Fünf Jahre darauf wurde ihr auch international mehr Beachtung geschenkt. Ihr zweiter großer Sammelband „Rufe an Yeti“, der wesentlich unpolitischer geprägt war und sich mehr auf die natürlichen Gegebenheiten und die alltäglichen Kontakte des Menschen mit seiner Außenwelt konzentrierte, kann so als der wirkliche Durchbruch angesehen werden.
In den folgenden Jahren pflegte Wislawa Szymborska einen engen Kontakt zu Frankreich, so schrieb sie Mitte der 80er-Jahre für die im Exil Paris erscheinende Untergrundzeitschrift Kultura. Des Weiteren macht sie sich seit Jahrzehnten einen Namen als hervorragende Übersetzerin, vor allem für die Werke des französischen Dichters Theodore Agrippa d´Aubigne’, der während des 16.Jahrhunderts einer der angesehensten Autoren war. Szymborska selbst distanziert sich heute stark zum Sozialismus und verbindet nur noch wenig mit dem früh Geschriebenen. Vor allem in den 80ern und 90ern brachte sie noch eine Reihe von erfolgreichen Gedichtbänden wie „Hundert Freuden“ oder „Auf Wiedersehen. Bis Morgen.“ heraus. Außerdem erhielt sie besonders im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts viele Auszeichnungen wie den Goethe-Preis 1991, den Literaturnobelpreis oder den Ehrenpreis des Polnischen PEN-Cubs 1996.
1995: Seamus Justin Heaney (1939 – )
Der Ire Seamus Justin Heaney ist ein großer Lyriker, der im gesamten englischsprachigen Raum noch heute für seine unnachahmliche Interpretation lyrischer Schönheit und deren Gestaltung mit ethischen Kompositionen bewundert wird.
In der Grafschaft Couny Derry im Herzen Nordirlands wurde Seamus Heaney am 13.April 1939 geboren. Einer Kindheit in bescheidenen Verhältnissen, die er auf einem katholischen Bauernhof verbrachte, folgte ein Studium der Englischen Philologie, welches ihn in die Hauptstadt Belfast führte. Nach seinem Abschluss verdiente er sich zunächst mit Lehrer- und Dozententätigkeiten seinen Lebensunterhalt. An der katholischen St. Thomas Secondary School unterrichtete er wie später auch am St.Joseph College vordergründig Englisch. Aus den 60er-Jahren stammen auch seine ersten Werke, mit denen sich Heaney den Ruf eines für die Zeit sehr wichtigen Dichters erarbeitete. In „Death of a Naturalist“ 1966 und in „Door into the Dark“ drei Jahre später verarbeitete er zum einen eine hohe Naturmetaphorik, zum anderen die Mythen- und Sagengeschichten seines Heimatlandes. Anfang der 70er-Jahre unternahm Heaney größere Reisen und zog für eine längere Zeit in die USA, wo er an der kalifornischen Universität Berkeley und später in Harvard unterrichtete. Mit der Zeit veränderte sich auch Heaneys Intention des Schreibens. Anders als noch zu den eigenen schriftstellerischen Anfängen waren „Wintering Out“ und das 1979 erschienene „North“ wesentlich politischer geprägt. Hier beschäftigte sich Heaney vorrangig mit dem Nordirlandkonflikt, wobei er aber keinesfalls zum politischen Polemiker werden wollte. Vielmehr war es eine Darstellung des eigenen Empfindens, welches sich bei Heaney sowohl als kulturelle britische Identität, als auch Mitglied der katholischen Minderheit Nordirlands erkennen ließ.
Den großen Erfolg der 60er konnte Heaney aber damit nicht wiederholen und so gelten vor allem die Werke als entscheidend und bedeutsam, in denen er die natürlichen Komponenten metaphorisch auf die Seele des Menschen überträgt.. Darauf spezialisierte er sich dann später auch wieder und brachte weitere Gedichtsammlungen heraus. Neben der hohen literarischen Anerkennung, erhielt Seamus Heaney hoch einzustufende Ehrungen wie den Literaturnobelpreis 1995 als dritter Ire nach Yeats und Beckett oder im vergangenen Jahr die Cunningham Medal und den David-Cohen-Preis. Seit 1975 hat Seamus Justin Heaney einen festen Wohnsitz in Dublin, wo er nach wie vorauf die großen Tage seines Lebens zurückblicken kann.
1994: Kenzaburō Ōe (1935 – )
Der Japaner Kenzaburō Ōe zählt zu den einflussreichsten Schriftstellern des asiatischen Kontinents, da er es in einer besonderen Art schafft, die erschütternden Erlebnisse eines Einzelnen in dem Gedankengut vieler anderer neu auferleben zu lassen.
In einem kleinen Dorf namens Ose auf Shikoku, der kleinsten der vier Hauptinseln Japans, wurde Kenzaburō Ōe am 31.Jaunuar 1935 geboren. Nachdem sein Vater den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fiel, zog ihn seine Mutter zusammen mit der Großmutter auf. Neben den zahlreichen Geschichten, die seine Großmutter, welche für ihre hohe Gabe des Erzählens im Umland Bekanntheitsstatus genoss, näher brachte, waren vor allem die beiden Werke „Die Abenteuer von Huckleberry Finn“ von Mark Twain und Selma Lagerlöfs „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ äußerst prägend für das spätere Schreiben. Auf Anraten der Mutter verließ Ōe nach Beendigung der Schule im Alter von 18 Jahren die Heimat und zog nach Tokyo, wo er sich an der städtischen Universität für Französische Literatur einschrieb. Sechs Jahre später absolvierte er mit einer Abschlussarbeit über das nachhaltige Wirken von Sartre mit Bravour. Schon während seiner Studienjahre beschäftigte sich Kenzaburō Ōe immer häufiger mit dem Schreiben von eigener Literatur und begann mit einigen kleineren Versuchen sich dem Kontext zu nähern. Durch das zusätzliche Beschäftigen mit zeitgenössischen Schriften aus dem französischen und amerikanischem Raum konnte Ōe 1958 schließlich seine erste ernstzunehmende Kurzgeschichte veröffentlichen, für die er im selben Jahr mit dem Akutagawa-Preis bereits die erste Auszeichnung der noch jungen Karriere erhielt. Ebenfalls 1958 erschien Kenzaburō Ōes erster Roman „Reißt die Knospen ab…“, was den ziemlich rasanten Aufstieg zum Erfolgsautor nochmal zunehmend beschleunigte.
So folgten in den nächsten Jahren weitere Romane, in denen der Japaner vorrangig die im eigenen Leben gemachten Erfahrungen und Schicksalschläge, die ihn ereilten, als Thema verwendet. So geht es im Werk „Eine persönliche Erfahrung“ beispielsweise um einen Mann, der nach der Geburt seines behinderten Sohnes vorerst nicht dazu stehen möchte und nach einem Ausweg sucht, Ōes Sohn selbst ist ebenfalls behindert zur Welt gekommen. 2001 erzählte er in einem Werk über den Suizid eines Regisseurs und thematisierte so das Schicksal seines verstorbenen Schwagers. Stark geprägt von harten Schicksalsschlägen erfreuen sich Kenzaburō Ōes Werke ab den 90ern nicht mehr ausschließlich asiatischer Beachtung, sondern auch internationalem Interesse. So erhielt der Autor 1994 den Nobelpreis für Literatur und später weitere Ehrungen. Kenzaburō Ōe unternimmt noch heute jährlich Auslandreisen und erfreut sich bester Gesundheit.
1993: Toni Morrison (1931 – )
Toni Morrison war und ist eine der entscheidendsten Schriftstellerinnen afroamerikanischer Literatur und so maßgeblich für den zunehmenden Erfolg einer neuen kulturellen Generation auf amerikanischem und internationalem Boden verantwortlich.
Als Chloe Anthony Wofford wurde die heutige Weltautorin am 18.Februar des Jahres 1931 in Lorain im Bundesstaat Ohio geboren. Als Tochter afroamerikanischer Eltern, die neben Morrison noch drei weitere Kinder großzogen, wuchs sie in relativ bescheidenen Verhältnissen auf. Nach der schulischen Ausbildung entschied sich die damals 18-Jährige 1949 für ein Literaturstudium an der Howard Universität in Washington DC, bevor sie sich vier Jahre später an der Cornell University für Anglistik einschrieb und dort ihren Abschluss absolvieren konnte. Während des Studiums änderte Morrison ihren Rufnamen nach ihrem zweiten Vornamen in Toni. Ende der 50er vervollständigte sie den Namen, unter dem sie heute bekannt ist aufgrund der Heirat mit einem jamaikanischen Architekten, von dem sie zwei Kinder bekam. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss lehrte Morrison zunächst Englische Literatur an der Texas Southern University in Houston, später dann an ihrer ehemaligen Wirkungsstelle, der Howard University. Nach ihrer Scheidung 1964 widmete sich Morrison mehr dem eigenen Schrieben und nahm anstatt der Dozenten- eine Lektorenstelle beim Verlag Random House an. Hier setzte sie sich sehr für afroamerikanische Autoren wie Gael Jones ein und ermöglichte diesen aufgrund ihrer Stellung die Veröffentlichung. Den ersten eigenen Roman brachte Morrison 1970 unter dem Namen „Sehr blaue Augen“ heraus. Zwar wurden das Erstlingswerk und auch das nachfolgende „Sula“ äußerst positiv bewertet und aufgenommen, den wirklichen Durchbruch konnte sie aber erst 1977 mit „Solomons Lied“ erreichen.
Fortan erfreute sich Toni Morrison großen internationalem Interesse, nicht nur an ihren Werken, sondern auch an der Person selbst. Morrison stieg auf zur Vorreiterin einer kulturellen Abzweigung, aus der nach und nach große andere Autoren emporstiegen. Trotz ihres großen literarischen Erfolges, der sich in Auszeichnungen wie dem Pullitzer-Preis von 1988 oder dem Nobelpreis für Literatur 1993 widerspiegelt, konzentriert sich Morrison nicht nur auf eigene Publikationen, sondern lehrt nach wie vor in Princeton junge Studenten über ihre über Jahre erlangten Kenntnisse und Erfahrungen in den Bereichen Literatur- und Geisteswissenschaften.
1992: Derek Alton Walcott (1930 – )
Der auf dem karibischen Inselstaat Saint Lucia geborene Derek Alton Walcott ist einer der begnadetsten Schriftsteller des gesamten Karibikraums und schafft es mit seiner einzigartigen Vernetzung multikultureller und historischer Einflüsse die Menschen zu erreichen.
Walcott wurde am 23.Januar 1930 als Sohn eines Beamten und einer Lehrerin in der Landeshauptstadt Saint Lucias, in Castries geboren. Nach Beendigung seiner schulischen Laufbahn, in der er weder besonders auffiel, noch herausragende Leistungen hervorbringen konnte, begann Walcott mit einem Kunststudium, für das er zunächst am Saint Mary´s College seiner Heimatstadt, später an der großen University of the West Indies auf Jamaika Vorlesungen und Seminare besuchte. Viel spricht Walcott auch heute noch nicht über seine Studienzeit, was vielleicht auch daran liegt, dass er zwar Kunst studierte, seine eigentliche Leidenschaft aber schon früh die Literatur sein sollte. Orientiert an großen, vorrangig europäischen Autoren wie Bertold Brecht, begann Derek Walcott bereits innerhalb der 40er-Jahre mit ersten literarischen Eigenversuchen. So entstand sein Erstlingswerk „25 Gedichte“, welches Walcott noch selber zu finanzieren hatte, bereits 1948. Ab 1956 widmete er sich dann vollauf dem Schreiben und arbeitet bis heute als freier Schriftsteller. Nebenbei übte er sich als Theater- und Kunstkritiker, wodurch sein Studium doch noch nützlich werden sollte. 1958 erhielt Walcott ein Rockefeller-Stipendium, welches ihn zu Jose Quintero, dem Begründer des Circle im Square Theatre in der amerikanischen Metropole New York, führte. Hier studierte er zwei weitere Jahre, was ihm später bei der Arbeit hilfreich zur Seite stehen sollte.
Lange Jahre vergingen, bis Derek Walcott 1962 mit einer weiteren Gedichtsammlung, die 1962 unter dem Namen „In einer grünen Nacht“ veröffentlicht wurde, auch für internationales Interesse sorgen konnte und schließlich den Durchbruch schaffte. Es folgten einige zahlreiche Gastprofessuren an namenhaften Universitäten. So lehrte Walcott unter anderem in Yale oder Princeton. 1992 erhielt er den Literaturnobelpreis, was seinen internationalen Ruf auf eine noch höhere Stufe klettern ließ. In den letzten Jahren hat Derek Walcott noch einige weitere recht erfolgreiche Werke, wie die Gedichtesammlung „Der verlorene Sohn“ oder das Drama „The Capeman“ herausbringen können. Heute lebt Derek Alton Walcott in seiner Wahlheimat Trinidad und besucht zu einigen kleineren Gastprofessuren die Vereinigten Staaten.
