2001: Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul (1932 – )
Der in Trinidad geborene Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul ist nicht nur der größte Schriftsteller seines Landes, sondern aufgrund seiner sehr kulturellen Darstellung von Reiseerfahrungsberichten in der ganze Welt international äußerst angesehen.
Als Nachkömmling indischer Einwanderer, die als Vertragsarbeiter nach Trinidad and Tobago kamen, wurde Naipaul am 17.August 1932 in Chaguanas geboren. Nach den ersten Lebensjahren, die er bei der Familie mütterlicherseits lebte, lernte er erst im Alter von 6 Jahren seinen Vater, der als Journalist in der Hauptstadt Port of Spain arbeitete, kennen. Über seine Kindheit und die Wiedervereinigung seiner Familie sollte Naipaul später noch den äußerst erfolgreichen Roman „Ein Haus für Mister Biswas“ schreiben. Obwohl die Familie nicht über die besten finanziellen Möglichkeiten verfügte, gelang es Naipaul ab 1950 an der Universität von Oxford zu studieren. Durch ein Stipendium begünstigt, verbrachte er hier einige Jahre und konnte nach erfolgreichem Abschluss direkt als freier Mitarbeiter beim BBC einsteigen. Kurz darauf entschloss sich Naipaul jedoch sein Leben komplett der Schriftstellerei zu widmen. In den folgenden Jahren gelangen einige Achtungserfolge mit Romanen, vor allem aber mit der Ausarbeitung und Veröffentlichung von Erfahrungsberichten aus den kulturell unterschiedlichsten Regionen. Naipaul ermöglichte sich einige längere Reisen, die ihn unter anderem nach Pakistan, den Iran, Indonesien und Uganda führten. Auch nach Indien, wo sich seine eigentlichen Wurzeln befinden, reiste er oft und hielt seine Beobachtungen und Erlebnisse literarisch fest. Als Reiseschriftsteller, wie man Naipaul öfter darstellt, ist er aber keinesfalls anzusehen. Seine Berichte sind durchweg mit kritischem Auge verfasst und sprechen verschiedene Problematiken in den verschiedenen Regionen analysierend an.
Besonders mit dem islamischen Glauben setzt sich Sir Naipaul auseinander. In seinem zweiten großen Werk „Eine islamische Reise“, welches er 1981 in Anschluss an eine große Iranreise veröffentlichen konnte, prangerte er die Intention des Glaubens an. Naipaul wird aufgrund einer einseitigen Sicht von vielen Forscher, gerade denen, die sich mit der Geschichte der islamischen Länder beschäftigen, eher mit einem abwertenden Auge gesehen. Edward Said zum Beispiel kritisiert die deutliche Trennung von Ost und West und wirft Naipaul die Aufrechterhaltung von Vorurteilen vor. Trotz alledem ist Naipaul in vielen Kreisen ein äußerst gefragter Autor und gilt heute als Schriftsteller mit prophetischen Fähigkeiten, der eine zunehmende Entwicklung extremistischer Islamisten hervorgesehen hat. So erhielt er gerade in seiner Wahlheimat England viele Auszeichnungen, wurde 1990 zum Ritter geschlagen und erhielt 2001 den Nobelpreis für Literatur.
1999: Günter Grass (1927 – )
Günter Grass ist Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Literaturexperte und durchweg Künstler, was ihn noch heute nicht nur zu einem der am meisten beachtesten Personen Deutschlands, sondern zu einem international bewunderten Autoren der Gegenwart macht.
Die eigentliche Heimat des Weltautors liegt in Polen. Am 16.Oktober 1927 in Danzig geboren, konnten die Eltern, ein protestantischer Lebensmittelhändler und eine kaschubisch stämmige Katholikin, nicht ahnen, welchen Werdegang ihr einziger Sohn nehmen sollte. In relativ ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, diente Grass zunächst als Messdiener und kam in die Hitlerjugend, auch wenn er von dieser von Beginn an kein gutes Bild hatte. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Danzig, meldete sich Grass, um seinen finanziellen Beitrag für die Familie zu leisten, 1941 freiwillig für die Wehrmacht. 1945 gelangte er innerhalb der kriegerischen Handlungen schließlich in Kriegsgefangenschaft. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges machte er zunächst eine Lehre als Steinmetz, bevor er zwischen 1948 und 1952 Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf studierte. Dieses Studium setzte er später an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin fort. Neben einigen plastischen Ausstellungen Mitte der 50er-Jahre zog es Grass auch langsam in den literarischen Bereich, in dem er anfänglich an Kurzprosa und einzelnen kleineren Theaterstücken arbeitete. 1959 entstand mit „Die Blechtrommel“, welche später sogar verfilmt wurde, Grass` erster Roman, der auf Anhieb großen Erfolg verbuchen konnte. Mit der eher gegenständlichen Darstellung der Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs entschloss sich Grass gegen das von allen beschriebene, formale Bild, distanzierte sich somit in einem ganz eigenen Stil und schaffte es als erster deutscher Autor nach dem Weltkrieg wieder für internationales Aufsehen zu sorgen.
Grass nutzte das öffentliche Interesse an seiner Person und warb für die politischen Interessen seines Freundes Willy Brandt. So nahm er an Wahlreisen, politischen Kundgebungen, bei denen er sich selbst zu Wort meldete und Wahlkämpfen teil. 1982 trat er in die Partei der Sozialdemokraten ein, eckte jedoch aufgrund seiner Ansichten innerparteilich mehrfach an. Grass sprach sich unter anderem gegen die Wiedervereinigung aus und stellte 1992 seine parteilichen Aktivitäten ein, blieb aber als Berater politisch aktiv und unterstütze beispielsweise den Wahlkampf von Heide Simonis in Schleswig-Holstein. Literarisch schreibt Grass noch heute seine Werke nach der alten Rechtschreibung und veröffentlicht fleißig weiter. So entstanden 2006 die Erinnerungen „Beim Häuten der Zwiebel“ oder 2008 der Roman „Die Box“. Für 2010 plant der Literaturnobelpreisträger von 1999, der auch über eine Vielzahl anderer Preise verfügt, die Herausgabe von „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990“.
1982: Gabriel García Márquez (1928 – )
Der kolumbianische Schriftsteller Gabriel García Márquez ist nach wie vor ein in Lateinamerika äußerst angesehener Autor, der es schafft in seinen Werken politische Missstände in ein literarisches Gesamtkonzept zu bringen und dadurch viele der Geschehnisse in einem tiefgehenden Spektrum darzustellen.
An der Karibikküste Kolumbiens in der Kleinstadt Aracataca wurde der Sohn eines Ehepaares, welches insgesamt 16 Kinder auf die Welt brachte, am 6.März 1928 geboren. Márquez erhielt im Alter von zwölf Jahren ein Stipendium, was ihn an eine angesehene Jesuitenschule brachte. Nach der Laufbahn als Schüler entschied er sich für ein Jurastudium, das er aber bereits nach drei Jahren abbrach und sich fortan seiner Leidenschaft, der Literatur, zuwendete. Als einsamer Poet zog er nun durch die Straßen von Kolumbiens Hauptstadt Bogota und schenkte vor allem den Werken von den Literaturnobelpreisträgern Hemingway und Faulkner großes Interesse. Eine Zeit, in der noch niemand ahnen konnte, dass er sich später einmal selbst in die Liste der großen Literaren der Geschichte einordnen sollte. Über Wasser hielt er sich zunächst mit Anstellungen bei einigen Zeitungen, für die er anfänglich mit kleineren Arbeiten Geld verdiente, später sogar den Posten eines festangestellten Redakteurs innehielt. Auf Auslandsreisen führten ihn seine Arbeiten quer durch die Welt, nach Rom, Paris, New York oder Barcelona. Trotz der nun größeren Einflüsse aus Gebieten, die sich auf den ganzen Globus verstreuten, schrieb Márquez vorwiegend über die politischen Missstände innerhalb Lateinamerikas. So war auch sein erster Roman „Laubsturm“, welcher 1955 erschien, gespickt mit eigener politsicher Meinung, die ihn in einen heftigen Disput mit Staatsoberhaupt Rojas führte. Zwischen 1959 und 1961 arbeitete Márquez als Korrespondent für die Presseagentur des Landes Kuba, mit dessen Staatspräsidenten Castro er eine freundschaftliche Beziehung hegte.
Im Exil, welches für ihn Mexico und Spanien darstellte und wo er letztendlich freiwillig hingegangen ist, verfasste Gabriel José García Márquez seine bedeutendsten und erfolgreichsten Werke. So entstanden weitere Erfolgsromane, wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ 1967, der als sein großer Durchbruch anzusehen ist, oder acht Jahre später „Der Herbst des Patriarchen“. Nach einigen Ehrungen, die von nationalen Preisen bis hin zum Literaturnobelpreis 1982 reichen, widmete sich Márquez 1986 einer anderen Gattung und schrieb mit der Reportage „Das Abenteuer des Miguel Littín – Illegal in Chile“ einen absoluten Welthit, der nicht nur für großes politisches Aufsehen sorgte, sondern mit dem auch heute noch sein Name am Häufigsten in Verbindung gebracht wird. Seit 1998 ist der Politikkritiker Márquez Zeitungsbesitzer und wohnansässig in Mexico-Stadt.
1977: Vicente Aleixandre y Merlos (1898 – 1984)
Der Spanier Vicente Aleixandre galt als eindrucksvoller Lyriker, der es in einer ganz besonderen Art schaffte, seine Bewunderer in den Bann zu ziehen und andere zum Lesen tiefgründiger Gedichte zu bewegen.
In der spanischen Stadt Sevilla wurde Aleixandre am 26.April 1898 als Sohn eines Bahnmitarbeiters geboren. Nach den ersten Jahren, die er in Malaga verbrachte, zog die Familie nach Madrid, wo er sein Jugendalter verlebte und später auch sein Studium absolvieren sollte. Eigentlich war nach dem Abschluss in den Fächern Jura und Wirtschaftswissenschaften eine große Laufbahn als angesehener Kaufmann geplant, doch Aleixandre musste aufgrund einer schweren Erkrankung in der Nierengegend einen anderen Weg wählen. So lernte der spätere Autor die Schauspielerin Carmen de Grenada, in deren Begleitung er längere Reisen durch einige europäische Länder, wie Frankreich oder Großbritannien unternahm, kennen. Nebenbei begann er sich langsam seiner eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben, zu widmen. Bereits ab 1925 galt dann sein komplettes Interesse dem Verfassen von Gedichten. Drei Jahre später, nachdem er schon einige kleinere Werke in Zeitschriften veröffentlichen konnte, brachte Aleixandre mit “Ambit“ seinen ersten Gedichtband heraus. 1934 wurde der Spanier dann mit dem Literaturpreis seines Landes ausgezeichnet und konnte so seine erste wirklich große Ehrung verzeichnen. Zwei Jahre später traf Vicente Aleixandre dann ein herber Schlag, der in der Zeit rund herum um den Zweiten Weltkrieg auch viele andere Autoren traf. Aufgrund seiner stark antifaschistischen Haltung wurde Aleixandre mit einem Publikationsverbot versehen und durfte so bis 1944 kein weiteres Werk offiziell verlegen, was ihn jedoch nicht davon abhielt, weiter heimlich zu schreiben und herauszubringen.
Der Mitgliedschaft in einigen Literaturverbänden des Landes und des gesamten Kontinents folgten weitere Ehrungen. Aleixandre machte zudem eine Art Entwicklung durch, die sein Schreiben während der Zeit mehrfach veränderte. Waren seine Werke zu Beginn der Schöpfung noch schwer zugänglich, von Pessimismus und Surrealismus gekennzeichnet, erschienen sie in der Mitte bereits wesentlich zugänglicher und mehr gefühlvoll, sowie einer sensiblen Gemeinschaft gewidmet. Die dritte Phase schnürt sich dann herum um den Gewinn des Literaturnobelpreises 1977. Aleixandre entwickelte eine zunehmende Nähe zum Umgang mit dem Tod, näherte sich dem Tragischen und beschrieb es in ausführlicher und ernüchternder Darstellung. Sieben Jahre nach dem Erhalt des Nobelpreises, am 14.Dezember 1984, verstarb Vicente Aleixandre in seiner Wahlheimat Madrid.
1974: Harry Edmund Martinson (1904 – 1978)
Wie sein schwedischer Landsmann Johnson, galt auch Harry Martinson als autodidaktischer Schriftsteller, der sich weniger durch politische Aktivität als mithilfe von reinster literarischer Fertigkeit den Literaturnobelpreis sichern konnte.
Am 6.Mai 1904 wurde Harry Edmund Martinson in Jamshög, Schweden, als fünftes von insgesamt sieben Geschwistern geboren. Die Zeit innerhalb einer Großfamilie wehrte allerdings nur ein paar Jahre, da der Vater 1910 verstarb, die Mutter daraufhin in die USA aussiedelte und alle Kinder in verschiedenen Waisenhäusern, verteilt im Raum Südschwedens, zurückließ. Seine Kinder- und Jugendzeit war so schon früh von einer herben Enttäuschung, der sich weitere anschließen sollten, gekennzeichnet. Mit 16 meldete er sich für die Seefahrt und verbrach in der Folge viel Zeit in Indien und Brasilien. Nach der Arbeit auf fast zwanzig verschiedenen Schiffen kehrte Martinson nach Schweden zurück, was aber nicht am Heimweh, sondern der Erkrankung von Tuberkulose lag. Er verbrachte besonders in der Anfangsphase der Krankheit viel Zeit mit literarischer Lektüren. Zwar beschäftigte er sich bereits auf See mit dem Lesen, aber wirkliches Interesse entwickelte sich erst ab Ende der 20er-Jahre. Martinson schloss sich der Dichtergruppe „Fem Unga“ an und konnte mit „Spökskepp“ (Spukschiff) 1929 seinen ersten Gedichtband veröffentlichen. Zwar war das noch nicht so wirklich als internationaler Durchbruch anzusehen, aber Martinson hatte einen Grundstein für kommende Erfolge gelegt. Ähnlich wie Johnson schrieb er in der Folge fleißig weiter und brachte eine Vielzahl an immer erfolgreicheren Werken heraus.
Nebenbei bekannte sich Martinson auch zu einer in Schweden eher ungewöhnlichen Glaubensrichtung, dem Buddhismus. Anfangs als deutlicher Kommunist erkennbar, distanzierte er sich nach einem Besuch in der Sowjetunion schnell und verfolgte nun einige Weisheiten des buddhistischen Glaubens. Literarisch verarbeitete er weiter seine eigenen Erfahrungen, die durch Enttäuschungen jeder Art geprägt waren. So auch in dem Werk „Der Weg nach Glockenreich“, das er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg herausbrachte. Ein Jahr später wurde er in die Schwedische Akademie aufgenommen und kurz darauf mit der Ehrendoktorwürde der Universität Göteborg ausgezeichnet. Bisher nur im skandinavischen Raum beachtet, gelang ihm 1959 mit „Aniara“ auch endlich der internationale Durchbruch, der ihm weitere Auszeichnungen, wie dem Nobelpreis für Literatur 1974 einbrachte. Getrieben von scharfer Kritik an späteren Werken, nahm sich Harry Edmund Martinson am 11.Februar 1978 während eines Krankenhausaufenthalts in der Nähe von Stockholm das Leben.
1974: Eyvind Olov Verner Johnson (1900 – 1976)
Der Schwede Eyvind Johnson war ein autodidaktischer Schriftsteller, der über vierzig Jahre hinweg eine Vielzahl von Erfolgsromanen schrieb, sich in einigen Zeitungen politisch zu Wort meldete und 1974 den Nobelpreis für Literatur erhielt.
Am 29.Juli 1900 wurde Johnson in Svartbjörnsbyn, welches heute in Nordschweden anzusiedeln ist, geboren. In bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, beendete er bereits im Alter von 13 Jahren seine schulische Laufbahn und versuchte in Form von Gelegenheitsarbeiten zum familiären Lebensunterhalt beizutragen. So arbeitete er über einige Jahre hinweg in einer Ziegelei, in einem Steinbruch und einer Sägemühle, bevor er im Jahr 1919 nach Stockholm zog und sich dort fortan dem Schreiben widmete. Mit selbstangeeignetem Wissen über politische Diskrepanzen und journalistische Fertigkeiten, begann er für die Zeitung „Brand“ zu schreiben. Innerhalb der 20er-Jahre begab er sich auf mehrere Reisen nach Berlin und Paris, wo er einige Zeit verbrachte und an der Ausarbeitung einiger kleinerer Werke tüftelte. Nebenbei hielt er sich mit weiteren Gelegenheitsanstellungen, z.B. als Tellerwäscher, über Wasser. 1924 veröffentlichte er sein Erstlingswerk, dessen Inhalt aber zunächst noch auf Kurzgeschichten begrenzt war. In der Folge schrieb er dann auch größere Werke und übersetzte fleißig eine Reihe von Werken Albert Camus´ oder die der Autoren Sartre und Ionesco. Innerhalb des Zweiten Weltkriegs wurde Johnson dann auch politisch aktiver und versuchte mithilfe seiner Werke, wie einer sehr erfolgreichen Roman-Trilogie, und den geschriebenen Zeitungstexten auf das Gedankengut der Bevölkerung Einfluss zu nehmen.
In Zusammenarbeit mit Willy Brandt gründete er die Zeitung „Et Handslåg“, mit welcher er die norwegische Widerstandsbewegung unterstützte. Mit einer Radioansprache publizierte er zudem sein vorher in den Werken bereits gezeigtes Gedankengut und sprach sich nochmal deutlich gegen den Bolschewismus aus, in dem er Kommunismus und Nationalsozialimus auf eine Stufe stellte und deren Eigenschaften gegeneinander abwog. Ende der 40er-Jahre widmete sich Johnson dann wieder dem Schreiben von Romanen, so entstanden gerade in den nachfolgenden Jahren viele Erfolgswerke wie 1949 „Drömmar om rosor och eld“ (Träume von Rosen und Feuer). Johnson wurde in den folgenden Jahren noch mit einer Reihe von hochkarätigen Auszeichnungen betraut. So wurde er 1962 als erster Autor mit dem Literaturpreis des nordischen Rates ausgezeichnet und erhielt 1974 zusammen mit seinem schwedischen Landsmann Martinson den Nobelpreis für Literatur. Am 25.August 1976 starb der erfolgreiche Autor, Journalist und Herausgeber Eyvind Olov Verner Johnson in Stockholm.
1970: Alexander Isajewitsch Solschenizyn (1918 – 2008)
Der Russe Alexander Isajewitsch Solschenizyn war ein bedeutender Schriftsteller, der aufgrund seiner Erfahrungen im Krieg und dem Leben im sowjetischen Staatssystem eine Vielzahl an bemerkenswerten Werken verfasste.
Als Sohn eines sehr vermögenden Landarbeiters wurde Alexander Solschenezyn am 11.Dezember 1918 in Kislowodsk, Südrussland, geboren. Er besuchte wie andere Schulen in der Nachbarschaft und führte eine gewöhnliche Kindheit. Im Alter von Anfang 20 begann er mit dem Studium der Fächer Mathematik, Physik, Geschichte und Philosophie. Mit Einbruch des Zweiten Weltkriegs musste er dieses jedoch unterbrechen, absolvieren konnte er es letztendlich nie. Als Artillerieoffizier diente er ab 1941 der sowjetischen Armee, in der er großen Schlachten und Operationen beiwohnte. Alle Erlebnisse sollten später große Beachtung in seinen Werken finden. 1945 wurde er schließlich aus der Armee verbannt und musste aufgrund seiner kritischen Äußerungen gegen Stalin sogar 8 Jahre Kriegsgefangenschaft in Kasachstan absitzen. Tatsächlich wurde er erst 1957 begnadigt. Fortan widmete sich Solschenizyn der schriftstellerischen Tätigkeit. Seine erste Erzählung, in der er ausführlich die Verhältnisse der Kriegsgefangenschaft darstellte, veröffentlichte er im Jahr 1962. In den nachfolgenden Jahren stellte sich Solschenizyn immer mehr gegen das System, wurde wegen öffentlicher Kritik sogar aus dem Schriftstellerverband der UdSSR verbannt. 1970 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, dessen Übergabe er aber aus Angst, ausgewiesen zu werden, nicht beiwohnte. Solschenizyn übte zwar öffentlich Kritik, hing aber dennoch am sowjetischen Staat. Dass er den weiteren Weg aber trotzdem nicht aufhalten konnte, musste er 1974 endgültig einsehen. Solschenizyn veröffentlichte heimlich einige Werke, wie sein später erfolgreichstes, „Der Archipel Gulag“, in dem er intensiv auf das sowjetische Lagersystem einging.
Nach der folgenden Verbannung, kam er zunächst in Deutschland bei seinem Freund Heinrich Böll unter, bevor ihn sein Weg in den US-amerikanischen Bundesstaat Vermont führte. Hier schrieb Solschenizyn weiter und ließ auch an seiner neuen Wahlheimat kein gutes Wort an dem politischen System. Zwar genoss er hier äußerst gute Bedingungen und konnte in Ruhe arbeiten, das hielt ihn aber nicht von der Kritik am Westlichen ab, was zunehmend für Zweifel an seiner Person sorgte. Der Wunsch, zurückzukehren, blieb immer bestehen und so konnte Solschenizyn nach Begnadigung 1990 endlich zurück ins heimische Russland. Die letzten Jahre verstrickte er sich immer mehr in Widersprüche und so schwand auch die Bewunderung für seine Person. Am 3.August 2008 starb der einstige Erfolgsautor in Moskau an einem Hirnschlag und hinterließ seine Frau und drei Kinder.
1969: Samuel Beckett (1906 – 1989)
Der gebürtige Ire Samuel Beckett machte sich durch zahlreiche Werke und Theaterstücke neben der Schriftstellerei auch als angesehener Autor von Theaterstücken einen Namen und gilt daher als eine der schillerndsten Figuren im britischen Literatur- und Kulturbereich.
Zwar gibt es unterschiedliche Meinungen über das wirkliche Geburtsdatum Becketts, aber am Wahrheitsgehalt seiner Geburt am Freitag, den 13.April 1906 gibt es keine bewiesenen Zweifel. Als Sohn protestantischer Eltern wächst Beckett in der Nähe von Dublin auf und wird bereits im Alter von sechs Jahren auf eine streng protestantische Privatschule in Nordirland geschickt. Das Interesse am Schulischen begrenzte sich aber lediglich auf das Fach Sport und so galt Becketts ganze Aufmerksamkeit dem Cricket, Schwimmen und Boxen. Trotzdem reichten die immerhin durchschnittlichen Schulleistungen dafür aus, den Abschluss zu absolvieren und sich im Anschluss, am Trinity-College zu Dublin, für Französisch, Italienisch und Literatur einzuschreiben. Dem Studium, welches bis 1927 andauerte, folgte eine kurze Anstellung als Lehrer und englischer Lektor in Paris. Beckett zog schließlich zurück nach Dublin, wo er als Sekretär für James Joyces, dessen Einfluss in den ersten Werken Becketts klar zu erkennen war, arbeitete. Nach zwischenzeitlichen Aufenthalten in Deutschland und England ließ er sich schließlich in Paris nieder.
Hier wurde er politisch aktiv und schloss sich der Resistance an, was ihn später zur Flucht vor der Gestapo zwang. Im unbesetzten Südfrankreich fand er nun zunehmend die Möglichkeit, wieder aktiver zu schreiben und Werke zu übersetzen. Außerdem meldete er sich freiwillig als Helfer des Roten Kreuzes in der Normandie. Zurück in Paris veröffentlichte Beckett nach Kriegsende mehrere Romane und Theaterstücke. Sein großer Durchbruch sollte „En attendant Godot“ (Warten auf Godot) werden, das nach anfänglichen Problemen 1953 endlich aufgeführt werden konnte. Die folgenden Jahre nutzte Beckett weiter dafür, zahlreiche Werke und Vorlagen für Theaterstücke zu erarbeiten, wobei er stets zwischen dem Französischem und Englischen pendelte. Die Übersetzung in die jeweils andere Sprache übernahm er dann höchstpersönlich. Mitte der 70er-Jahre, als Beckett bereits eine Vielzahl an Werken herausgebracht hatte, viele seiner Stücke in Rundfunk und Fernsehen veröffentlicht wurden und Beckett sich selbst als Regisseur ausprobierte, zog er sich schließlich aus der Öffentlichkeit zurück. So blieb Samuel Beckett auch der Vergabe seiner größten Auszeichnung, dem Literaturnobelpreis 1969, fern. Am 22.Dezember 1989 verstarb der Autor, dessen Werken von Sinnleere und Aussichtslosigkeit geprägt sind, in seiner Wahlheimat Paris an den Auswirkungen einer Lungenembolie.
1964: Jean-Paul Ch. A. Sartre (1905 – 1980)
Jean-Paul Sartre gilt als der einflussreichste französische Schriftsteller des 20.Jahrhunderts und verdiente sich aufgrund seines Status des intellektuell bedeutendsten Philosophen hohen politischen und gesellschaftlichen Einfluss.
Als einziges Kind von einem Marineoffizier und einer Cousine Albert Schweitzers wurde Sartre am 21.Juni 1905 in Paris geboren. Da der Vater schon kurz nach seiner Geburt an den Folgen einer Gelbfiebererkrankung starb, zog er mit seiner Mutter zurück in das elterliche Haus. So wurde Sartre in seiner Kindheit vor allem vom Großvater, dem Gymnasiallehrer Charles Schweitzer, geprägt. Dieser unterrichtete ihn in Zusammenarbeit mit einigen Privatlehrern zu Hause, bevor Sartre auf das renommierte Gymnasium Lycée Henri IV kam. In dieser Zeit pflegte Jean-Paul wenig soziale Kontakte zu Gleichaltrigen, was auch an seiner zunehmenden Erblindung des rechten Auges und auftretendem Schielen lag. Sartres Weg führte ihn auf die École Normale Supérieure, auf der er mit seinem besten Freund Paul Nizan Philosophie, Psychologie und Soziologie studierte. Hier lernte er auch seine erste Frau Simone de Beauvoirs, die bis zum Lebensende an seiner Seite bleiben sollte, kennen.
Sartre arbeitete in den Jahren nach seinem Studium als Gymnasiallehrer, reiste viel und eignete sich durch die Studien der Werke verschiedener Philosophen wie Nietzsche ein gewisses Maß an Intellektualität an. Im Zweiten Weltkrieg, für den er sich als Sanitäter meldete, geriet Sartre in deutsche Kriegsgefangenschaft. Eine Zeit, die ihn prägen sollte. Zwar verfasste Sartre schon vor Kriegsausbruch einzelne Essays, doch wurde die Zeit Ende der 40er- und in den 50er-Jahren zu seiner Blütezeit. Mit „Les temps modernes“ rief er eine politisch-literarische Zeitung ins Leben, in der er seine kommunistischen Ansichten publik machte. Später revidierte er diese Ansicht, auch durch die Erlebnisse auf seinen Reisen durch die Sowjetunion, Kuba und China. So wurde seine später gegründete Partei zur politischen Instanz, die einen dritten Weg zwischen Sozialismus und Kommunismus darstellen sollte. Eine wirkliche Entscheidung zugunsten einer der beiden Lager, konnte Sartre nie aussprechen, denn beide handelten ihm zu oft zu wider. So wurde Sartre vor allem zum politischen Kritiker und schwieg sich auf zum führenden Intellektuellen auf französischem und europäischem Boden. 1964 erhielt er den Literaturnobelpreis, den er aber, wie im Vorfeld bereits angekündigt, ablehnte, da er davon überzeugt war, diesem nicht würdig zu sein. Nach einsamen letzten Jahren, in denen er an der Seite seiner Frau seine Kenntnisse auf Interviewebene darlegen musste, da er fast vollständig erblindet war, verstarb er am 15.April 1980 in Paris.
1963: Giorgos Seferis (1900 – 1971)
Giorgos Stylianos Seferis war zu Lebzeiten über Jahrzehnte als Schriftsteller und bedeutender Botschafter für sein Heimatland Griechenland tätig und verdiente sich aufgrund seiner literarischen Fähigkeiten als erster Grieche den Literaturnobelpreis.
Nach gregorianischem Kalender wurde Seferis am 13.März 1900 in Smyrna, dem heutigen Izmir geboren. Sein Vater, der als Rechtsanwalt den Familienunterhalt verdiente, arbeitete ebenfalls als Schriftsteller, vorrangig Verfassen und Übersetzen von Gedichten, und sollte sich so auf beiden Gebieten als Vorreiter für seinen Sohn darstellen. Später wurde er noch zweimal großer Bruder, eine von seinen Schwestern vermählte sich sogar mit dem griechischen Präsidenten Konstantinos Tsatsos. Mit Ausbruch des ersten Weltkriegs zog die Familie in die griechische Hauptstadt Athen, in der Seferis fortan das Gymnasium besuchte und 1917 dieses mit dem Erhalt seines Abiturs absolvierte. Er widmete sich wie sein Vater dem Studium der Rechtswissenschaften, zunächst in Athen und später schließlich auch in Paris. Mit Beendigung 1926 begab sich der spätere Erfolgsautor sofort in den diplomatischen Dienst und wurde Botschafter in Griechenland und später auch in der britischen Hauptstadt London. Parallel zu seiner Botschafterkarriere arbeitete Seferis an der Ausarbeitung von einzelnen Gedichten, die er in der Gedichtsammlung „Wende“ 1931 veröffentlichen konnte. Ende der 30er-Jahre stellte er seinen Dienst noch mehr in den des Landes, so wurde er zum Konsul in Koritza (Albanien). Während des Zweiten Weltkriegs begleitete Seferis die griechische Exilregierung auf ihrem Weg, der sie bis nach Ägypten und Südafrika führen sollte. In fester Begleitung seiner einzigen Ehefrau Maro Zannou, die er 1941 heiratete, fungierte er vorrangig als politischer Berater.
Nach Beendigung des Krieges 1944 ging er zurück nach Athen und trat nur vier Jahre später wieder in den diplomatischen Dienst ein, arbeitete als Botschafter im Libanon und erneut in Großbritannien. 1963 erhielt Seferis auch für das politische Engagement und seine geschaffenen Gedichte, Essays und seine Tagebücher den Literaturnobelpreis. Neben dem Schreiben blieb er politisch aktiv. So stand er deutlich gegen die von 1967-1974 herrschende Militärdiktatur und erklärte das auch öffentlich. Folgerichtig wurde seine Beerdigung wenige Tage nach seinem Tod am 20.September 1971 zum öffentlichen Demonstrationslauf gegen die diktatorischen Verhältnisse.
