Author: Benjamin Jendro
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2009: Herta Müller (1953 – )

flagge deutschland 001 2009: Herta Müller (1953    )Die in Rumänien geborene Herta Müller ist die diesjährige Nobelpreisträgerin für Literatur, da sie es in unnachahmlicher Art perfektioniert hat, einen historischen Kontext in moderne, intensivierte Lyrik einzubetten und diese in besonderer Sachlichkeit darzustellen.


Die mittlerweile in Deutschland beheimatete Müller wurde am 17.August 1953 in der rumänischen Ortschaft Nitzkydorf, welche sich im deutschsprachigen Raum Banat befand, geboren. Die Tochter eines Vaters, der sich nach dem Werdegang in der SS als LKW-Fahrer den Lebensunterhalt verdiente und einer Mutter, die man für Zwangsarbeit in die UdSSR deportierte, konnte in der Heimat erfolgreich ein Abitur absolvieren. In Anschluss an die schulische Laufbahn entschloss sie sich für ein Studium der Germanistik und Rumänischen Literatur an der Universität von Timiosora. Später arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, musste diese Tätigkeit aber aus Weigerung der Zusammenarbeit mit der Securitate, dem rumänischen Geheimdienst, niederlegen. So verdiente sich Herta Müller mit Gelegenheitsarbeiten als Lehrerin in deutschsprachigen Schulen oder Privathaushalten, sowie innerhalb von Kindergärten, ihren Lebensunterhalt. Nebenbei entwickelte sie nach und nach ein großes Interesse, selber zu schreiben. 1982 konnte sie mit „Niederungen“ ihr erstes Werk herausbringen, wobei dieses wie viele nachfolgende Veröffentlichungen in Rumänien äußerst rezensiert erschien und so die Intention der Autorin nicht in dem wirklichen Kontext herüberbringen konnte. Mitte der 80er-Jahre zog sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Deutschen Richard Wagner, in die Bundesrepublik, wo sie weitere Werke wie „Reisende auf einem Bein“ 1989 oder zwei Jahre später „Der Teufel sitzt im Spiegel“ herausbringen konnte. In der neuen Heimat bekam sie immer mehr Interesse zugesprochen und bekam in der Folge immer mehr Lehraufträge als Gastprofessorin an Universitäten in Deutschland und innerhalb Europas.


Mueller Herta1hf 2004 2009: Herta Müller (1953    )Mitte der 90er wuchs die Popularität der Schriftstellerin noch weiter an und so konnte sie neben den Veröffentlichungen „Herztier“ oder „In der Falle“ auch hochrangige Auszeichnungen wie den Kleist-Preis 1994 oder 1997 den Literaturpreis der Stadt Graz ihr Eigen nennen. 2008 sorgte eine große innerpolitische Diskussion für riesigen Gesprächsstoff. So kritisierte Müller öffentlich die Einladung zweier ehemaliger Securitate-Mitglieder ans Kulturinstitut, woraufhin auch ihre Vergangenheit innerhalb des Regimes von Diktator Ceausescu in einem falschen Zusammenhang dargestellt wurde. Fernab von allen politischen Diskussionen veröffentlichte Müller in diesem Jahr mit „Atemschaukel“ einen neuen Roman, der orientierend an den Gesprächen mit dem verstorbenen Oskar Pastior, der selbst die Erfahrungen machen musste, das Leben von Deutschen in Siebenbürgen zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg exemplarisch darstellen soll. Nachdem es von vielen Experten bereits seit Jahren gefordert wurde, erfuhr man am 8.Oktober 2009, dass Herta Müller in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur erhalten wird, eine gerechtfertigte Auszeichnung für das Leben der Wahlberlinerin.


Author: Benjamin Jendro
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2008: Jean-Marie Gustave Le Clézio (1940 – )

frankreich 2008: Jean Marie Gustave Le Clézio (1940    )Der letztjährige Sieger des Literaturnobelpreises heißt Jean-Marie Gustave Le Clézio, der es dank seiner besonderen Fähigkeit die existenzielle Wirklichkeit in seinen Werken integrativ einzubinden, dazu geschafft hat, einer der heute bekanntesten Autoren unserer Gesellschaft zu werden.

Der Franzose wurde am 13.April 1940 in Nizza als Sohn des Ehepaars Simone und Raoul Le Clézio geboren. Er besitzt eine äußerst interessante Familiengeschichte. Nicht nur, dass er Vorfahren in der Bretagne und auf Mauritius hat und diese es dort zu großem wirtschaftlichen Erfolg gebracht haben, nein seine Eltern haben auch dieselben Großeltern, da sie Cousin und Cousine sind. Le Clézio zog im Alter von 8 Jahren nach Nigeria, wo seine Vater als Kriegsarzt nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin bleiben wollte. Auf der langen Bootsreise dorthin machte Le Clézio erste schriftstellerische Versuche und schrieb zwei kleinere Bücher, welche die Erlebnisse aus der Zeit an Bord festhielten. Zwei Jahre später kehrte die Familie dann wieder ins heimische Frankreich zurück, wo Le Clézio 1957 sein Abitur absolvieren konnte. In der Folge studierte er an den Universitäten in London und Bristol Englisch, was aufgrund der zweisprachigen Erziehung kein großes Problem darstellen sollte. Sein Examen absolvierte er aber genauso wie die spätere Doktorwürde an Universitäten in Frankreich. Bereits sein Erstlingswerk „Das Protokoll“, welches 1963 veröffentlicht wurde, sorgte für den schriftstellerischen Durchbruch von Le Clézio. Mit der besonderen Schilderung von Ungewissem, das die Menschheit in Gefahr bringen könnte, glänzte er später auch in „Das Fieber“ und „Die Sintflut“. Neben den genannten schrieb Le Clézio in den ersten Erfolgsjahren noch eine Vielzahl an weiteren äußerst gefragten Romanen, wobei „Wüste“ aus dem Jahr 1980 für den endgültigen Durchbruch, auch auf internationalem Terrain, sorgte.

clezio 2008: Jean Marie Gustave Le Clézio (1940    )Le Clézio schrieb neben seinen vielen veröffentlichten Romanen auch eine Reihe von Essays, die sich in ihrer Bedeutung vor allem auf das Schicksal innerhalb Lateinamerikas beziehen. Die Erfahrungen hierfür sammelte er vorrangig auf einer längeren Reise durch Mexiko und den lateinamerikanischen Raum, die von 1970-1974 andauerte. Besonders sein großes Interesse für die indianischen Einflüsse in der mexikanischen Geschichte und Kultur bilden die zentrale Thematik im Werk des Autors, der mittlerweile zwischen seinen Wohnsitzen in den USA, Mexico, Mauritius und Frankreich pendelt. Nachdem er in den 80ern bereits mit dem Literaturpreis der Französischen Akademie geehrt wurde, erhielt Jean-Marie Gustave Le Clézio im letzten Jahr auch den Nobelpreis für Literatur.


Author: Benjamin Jendro
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2007: Doris Lessing (1919 – )

grossbritanien 2007: Doris Lessing (1919    )Die gebürtige Perserin Doris Lessing zählt neben Virginia Woolf zur größten englischsprachigen Autorin des 20. Jahrhunderts, was vor allem an ihrem einzigartigen und nie erreichten Schreibstil liegt, der die verschiedensten menschlichen Aspekte in einem ganz neuen Licht darzustellen weiß.

Als Doris May Taylor wurde Lessing am 22.Oktober 1919 in Kermanschah, welches im heutigen Iran anzusiedeln ist, geboren. Die Tochter eines britischen Offiziers und einer Krankenschwester zog gemeinsam mit ihren Eltern 6 Jahre nach der Geburt in eine andere britische Kolonie, Südrhodesien, heute bekannt als Simbabwe. Dort besuchte sie zuerst eine Klosterschule und später die High School in der Landeshauptstadt Harare. Nebenbei arbeitete sie hart auf dem Familiengut, das anders als von der Mutter geplant aber keinen großen Reichtum mit sich trug. Nach dem Schulabbruch im Alter von 14 Jahren genoss Lessing keine weitere Bildung. Mit bereits 20 wurde sie das erste Mal verheiratet und weitere sechs Jahre darauf mit dem deutschen Diplomaten Gottfried Lessing das zweite Mal. Trotz relativ kurzer Ehe behielt sie den deutschen Nachnamen, unter dem sie heute bekannt ist. Ihre Werke, die sie nach und nach veröffentlichen konnte, spiegeln zumeist die selbstgemachten Erfahrungen innerhalb des kolonialen Afrikas wieder. Ihre erste literarische Phase spezialisierte sich mehr auf die kommunistische Sicht von Lessing, wobei die zweite eher auf psychologische Aspekte achtete. Noch im Scheidungsjahr 1949 veröffentlichte Doris Lessing mit dem Roman „The grass is singing“ (Afrikanische Tragödie) ihr erstes großes Werk. In diesem bezog sich die Autorin auf die große Problematik der Rassenfrage und integrierte erstmals eine weibliche Sicht in den Themenbereich.

lessing sv ak photo 2007: Doris Lessing (1919    )Auch der zweite große Roman, der wohl als ihr größter anzusehen ist, landete einen riesigen Erfolg. In „Das goldene Notizbuch“ aus dem Jahr 1962 beschrieb sie die Erlebnisse von zwei intellektuellen und emanzipierten Frauen, die sich politisch engagieren. Das Werk charakterisiert sich aus eigenen Erfahrungen, den politischen Zusammenhängen und der Kreativität der Autorin. Lessing verwendete wie in eigentlich allen ihren Werken autobiografische Aspekte und erhielt dafür großen Zuspruch innerhalb der Literaturkreise, die den Roman als großen Klassiker des Feminismus feierten. In der letzten, von ihr selbst als größte Phase beschriebenen Wirkungszeit scheint die islamische Mystik das zentrale Thema. So gilt für sie selbst die Reihe „Canopus in Argos“, welche innerhalb der Jahre 1979-83 verfasst wurde, als größte literarische Leistung. 2007 überreichte man der mittlerweile 88-Jährigen für ihre gefühlvolle Darstellung in Verbindung mit visionärer Kraft den Nobelpreis für Literatur.


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2005: Sir Harold Pinter (1930 – 2008)

grossbritanien 2005: Sir Harold Pinter (1930 – 2008)Der Brite Sir Harold Pinter war nicht nur ein großartiger Theaterautor, der mit seiner einzigartigen Absurdität den Zuschauer in scheinbar unergründbare Existenzbestandteile zu integrieren wusste, sondern auch erfolgreicher Regisseur, Schauspieler und Literaturnobelpreisträger.

Im proletarisch geprägten Londoner Stadtteil Eastend wurde Pinter am 10.Oktober 1930 als Sohn eines Schneiders geboren. Der von portugiesischen Vorfahren abstammende spätere Erfolgsautor erlebte eine relativ ungewöhnliche Kindheit. 1948 entzog er sich der Einberufung ins Militär und wurde in der Folge für seine Verweigerung inhaftiert. Wieder in Freiheit bekam er ein finanziertes Stipendium für das Studium an der Royal University of Dramatic Art, was er jedoch nach kurzer Zeit wieder abbrach. Stattdessen zog er mit einer Wandergruppe, die innerhalb Irlands Stücke von Shakespeare auf die Bühne brachte umher. Neben der Tätigkeit als Schauspieler in Theaterstücken verfasste er bereits einige kleinere Werke. Nach zwei kleineren Stücken, die erfolglos blieben, gelang Harold Pinter mit „Der Hausmeister“ der wirkliche Durchbruch. 1960 uraufgeführt, sollte dies die Grundlage für die über 30 Jahre anhaltende Erfolgsgeschichte bilden. Pinter stieg zu einem der international begehrtesten Dramaturgen auf und konnte in der Folge eine Vielzahl an erfolgreichen Stücken auf die Theaterbühnen Europas bringen. Doch nicht nur seine Theaterstücke wurden in den 70ern, 80ern und 90ern gespielt, auch als Drehbuchautor für Regisseure wie Kazan und Altman machte sich Harold Pinter einen großen Namen.

pinter 2005: Sir Harold Pinter (1930 – 2008)Neben den Drehbüchern für zahlreiche Filme wie „Die Geliebte des französischen Leutnants“ 1981 wurden im Laufe der Jahre auch einige vorher als Theaterstücke veröffentlichten Werke verfilmt. So fanden 1968 „The Birthday Party“ und fünf Jahre später „The Homecoming“ den Weg auf die Kinorollen. Gelegentlich wirkte Pinter in den Werken auch selbst als Schauspieler mit. Neben den künstlerischen Erfolgen sorgte Pinter vor allem durch einzelne politische Statements sowie seiner in den Werken der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Frauengeschichten für Aufsehen. Nach über zwanzig Jahren Ehe verließ er seine Frau und die Mehrheit schien innerhalb des Werkes „Betrug“ eine Dokumentation darüber zu finden, wobei dieses auf eine bereits früher gemachte Affäre Bezug nimmt. Politisch verteidigte er den serbischen Diktator Milosevic und bekam dafür große Kritik. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen konnte er bei der Nobelpreisvergabe 2005 nur per Videobotschaft zu den Gästen sprechen und prangerte in dieser die Politik von Bush und Blair in Bezug auf den Irakkrieg an. Seine letzte Vorstellung als Schauspieler, welche sofort ausverkauft war, gab er 2006. Am Heiligabend des vergangenen Jahres erlag Harold Pinter den Folgen von Kehlkopfkrebs.


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2004: Elfriede Jelinek (1946 – )

oesterreich 2004: Elfriede Jelinek (1946    )Die Österreicherin Elfriede Jelinek schafft es aufgrund ihres künstlerischen Schaffens, welches von Dramen und Romanen, bis hin zu Theaterstücken und Hörspielen reicht, dass ein großes Publikum ihrer besonderen Sicht der sozialen Missstände Begeisterung schenkt.

Als Tochter eines jüdischen Chemikers, der nur aufgrund seiner Wichtigkeit dem Konzentrationslager entging und einer Mutter, die großbürgerlichen Wurzeln entsprang, wurde Jelinek am 20. Oktober 1946 in Mürzzuschlag in der Steiermark geboren. In ihrer Kindheit genoss sie hauptsächlich den Kontakt zur Mutter, da der Vater zunehmend in psychische Probleme verfiel. Nach einem katholischen Kindergarten besuchte sie eine Klosterschule, deren Besuch ihr aber von den Nonnen selbst als hinderlich bestätigt wurde. Jelineks Mutter plante von Beginn an eine äußerst musikalisch geprägte Zukunft ihrer Tochter. So besuchte sie bereits ab dem 14.Lebensjahr das Wiener Konservatorium, wo sie zunächst Klavier, Blockflöte und Orgel, später sogar noch Komposition studierte. Nebenbei kam sie einer gewöhnlichen Schulausbildung nach und besuchte ein Realgymnasium der Stadt. Ab 1964 studierte sie dann Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte, was sie jedoch nach kurzer Zeit aufgrund von Depressionen wieder abbrach. Isoliert von der Außenwelt lebte sie im folgenden Jahr fast ausschließlich zu Hause und widmete sich mehr und mehr der Schriftstellerei. Aus dieser Zeit stammt mit dem Gedichtband „Lisas Schatten“ auch die erste große Veröffentlichung. Nach dem Tod ihres Vaters 1969 kam es zu einer Wendung in Jelineks Leben.

jelinek 2004: Elfriede Jelinek (1946    )Sie erholte sich zunehmend und wurde zudem auch politisch aktiv. Ihr Beitritt zur Studentenbewegung sollte erst der Anfang sein. Drei Jahre nach dem Abschluss des Orgelstudiums aus dem Jahr 1971, trat Jelinek in die kommunistische Partei Österreichs ein, aus der sie Anfang der 90er wieder austrat. Noch im gleichen Jahr veröffentlichte sie ihr erstes großes Hörspiel „Wenn die Sonne sinkt, ist für manche schon Büroschluss“, was innerhalb der Heimat als Hörspiel des Jahres ausgezeichnet wurde. Ein Jahr später ging der Erfolg weiter und so gilt der Roman „Die Liebhaberin“ als der endgültige Durchbruch. Es folgten weitere vielumjubelte Werke, ob als Hörspiel oder Roman. Neben positiver Rezension erntete Jelinek aber auch reichlich Kritik, vor allem für das „Burgtheater“ 1985. Auch durch ihr wohl größtes Werk „Lust“, welches 1989 herausgebracht wurde, sorgte Elfriede Jelinek für großes Aufsehen. Nachdem ein weiteres Theaterstück Mitte der 90er erneut eine scharfe Kritik zur Folge hatte und Angriffe auf ihre Person Überhand nahmen, zog sich die Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2004 aus der Öffentlichkeit zurück, wagte aber in den vergangenen Jahren mehrmals das Comeback.


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2002: Imre Kertész (1929 – )

ungarn 2002: Imre Kertész (1929    )Der Ungar Imre Kertész ist einer der erfolgreichsten Autoren des noch jungen Jahrhunderts und verdient sich besonders durch die abenteuerliche Darstellung des Einzelnen im Kampf gegen die geschichtlichen Hindernisse, die sich im Lauf dem Individuum in den Weg stellen, hohes Ansehen.

In Budapest wurde Kertész am 9. November 1929 als Sohn jüdisch stammender Eltern geboren. Nach einer unauffälligen Schulzeit geriet er in das Konzentrationslager Auschwitz, aus dem er zu Kriegsende 1945 wieder befreit werden konnte. Kertész kam zurück nach Budapest, wo er erfolgreich sein Abitur absolvierte. Kurz darauf bekam er bei einer Tageszeitung eine Stelle und arbeitete fortan als freier Journalist. Drei Jahre später musste er diese Tätigkeit aber wieder aufgeben, was minder an seiner Fähigkeit zu schreiben lag, als daran, dass die Zeitung zum Organ der kommunistischen Partei erklärt wurde. Einer zweijährigen Zwischenphase, in der Kertész dem Militär diente, folgte die wirkliche schriftstellerische Schaffenszeit. Der Ungar widmete sich ab 1953 immer mehr der Literatur, schrieb selbst und verdiente sich als Übersetzer der Werke von Nietzsche, Schnitzler und Freud seinen Lebensunterhalt. Ab 1960 begann er dann intensiv an seinem Lebenswerk „Roman eines Schicksalslosen“ zu schreiben. Über 13 Jahre arbeitete Kertész an einem Werk, das als eine der eindrucksvollsten Erzählungen über den Holocaust in die Geschichte eingehen sollte. In autobiografischer Darstellung erzählt der Autor hauptsächlich eine Geschichte, die durch persönlich gemachte Erfahrungen zu einem unnachahmlichen Roman geworden ist.

kertesz 2002: Imre Kertész (1929    )Zunächst abgelehnt, wurde dieser erstmals 1975 verlegt. Eine richtige Bewunderung für das Geschaffene wiederfuhr Imre Kertész aber erst mit der Neuauflage 1985, mit der er in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. Es folgten weitere Erzählungen, in denen sich der Schriftsteller auf die Suche nach seiner eigenen Identität begab. So entstanden Ende der 80er bzw. Anfang der 90er noch die erfolgreichen Werke „Fiasko“ 1988 und „Kaddisch für ein nichtgeborenes Kind“ 1990, wobei das zweite bereits zwei Jahre später ins Deutsche übersetzt wurde, während das erste bis zum Jahr 2000 auf eine Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum warten musste. Neben der schriftstellerischen Gattung erarbeitete Imre Kertész auch Theaterstücke, von denen zahlreiche aufgeführt werden konnten. Gerade für das Stück “Csacsifogat” wurden jedoch heftige Plagiatsvorwürfe gegen den Ungar erhoben. Eine Schmach, der er sich bis heute nicht wirklich entledigen konnte, was einen dunklen Schatten auf das Werk vom Literaturnobelpreisträger von 2002 und Goethe-Medaillen-Inhaber des Jahres 2004 wirft.


Author: Benjamin Jendro
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2000: Gao Xingjian (1940 – )

china 2000: Gao Xingjian (1940    )Der chinesische Literaturnobelpreisträger von 2000, Gao Xingjian gilt als Neubegründer der asiatischen Kunst der Dramaturgie, des Romanschreibens und der Erzählweise, die er in einer besonderen Art dem Lesenden zur Einsicht gibt.

In Ganzhou im Osten Chinas wurde er als Sohn einer Amateurschauspielerin und eines Bankiers am 4.Januar 1940 geboren. Nach den Interessen der Mutter kam Xingjian bereits in jungen Jahren in Kontakt mit der Welt des Theaters und der Schriftstellerei. Nach einer wenig ereignisreichen Schulzeit konnte er 1962 am Institut für Fremdsprachen in Peking sein Examen im Bereich Französisch absolvieren. Ab 1966 wurde er in Zuge der Kulturrevolution für zehn Jahre in einem Umerziehungslager gezwungen seine ersten Schriften zu verbrennen, was ihn aber nicht daran hindern sollte, heimlich weiter zu schreiben. Dank seiner Standfestigkeit und eines kämpferischen Willens durfte Xingjian ab 1979 nicht nur in chinesischen Zeitungen kleinere Beiträge veröffentlichen, sondern auch mehrere Reisen in ferngelegene Orte unternehmen. In dieser Zeit waren es jedoch mehr seine Übersetzungen von den Stücken Ionescos und Preverts, als seine eigenen, die für Aufsehen sorgten. Dennoch kam es zu den Aufführungen von „Alarmsignal“ oder „die Busstation“, wenngleich diese als unrühmlich beschrieben wurden und Xingjian 1986 als Folge für seine Stücke ein Aufführungsverbot erhielt.

xingjian 2000: Gao Xingjian (1940    )Nach herber öffentlicher Kritik, ging er als politischer Flüchtling nach Paris, wo er sich in einem anderen künstlerischen Bereich, der Malerei seine Brötchen verdiente. Als Reaktion auf das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 trat der Autor aus der Kommunistischen Partei aus und veröffentlichte das Werk „Die Flucht“, welches nicht nur als Reaktion auf die Geschehnisse, sondern auch als endgültiger Bruch mit dem Heimatland zu werten ist. Xingjian nahm 1998 die französische Staatsbürgerschaft an und löschte somit sämtliche Verbindung zu China, auch wenn er in seinen später erschienen Werken immer noch den Bezug zu China als Sujet verwendete. 2001 entstand „Der Berg der Seele“, das im Wesentlichen die Reise durch China in gespenstischer Gestaltung darlegt. 2004 berichtete er in „Das Buch eines einsamen Menschen“ über das Schicksal seiner Familie, die dem Massaker zum Opfer fällt. Gao Xingjian erhielt mehrere französische Literaturpreise. Sehr überraschend hingegen kam die Verleihung des Nobelpreises für Literatur, den er 2000 bekam. China selbst sah es als nicht gerechtfertigt, einem derart unbedeutenden Künstler diesen auszuhändigen und bis heute wird über die Verbindung zu Akademiemitglied Malmqvist, der zugleich Übersetzer der Werke Xingjians ist, spekuliert.


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1999: Günter Grass (1927 – )

deutschland 1999: Günter Grass (1927    )Günter Grass ist Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Literaturexperte und durchweg Künstler, was ihn noch heute nicht nur zu einem der am meisten beachtesten Personen Deutschlands, sondern zu einem international bewunderten Autoren der Gegenwart macht.

Die eigentliche Heimat des Weltautors liegt in Polen. Am 16.Oktober 1927 in Danzig geboren, konnten die Eltern, ein protestantischer Lebensmittelhändler und eine kaschubisch stämmige Katholikin, nicht ahnen, welchen Werdegang ihr einziger Sohn nehmen sollte. In relativ ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, diente Grass zunächst als Messdiener und kam in die Hitlerjugend, auch wenn er von dieser von Beginn an kein gutes Bild hatte. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Danzig, meldete sich Grass, um seinen finanziellen Beitrag für die Familie zu leisten, 1941 freiwillig für die Wehrmacht. 1945 gelangte er innerhalb der kriegerischen Handlungen schließlich in Kriegsgefangenschaft. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges machte er zunächst eine Lehre als Steinmetz, bevor er zwischen 1948 und 1952 Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf studierte. Dieses Studium setzte er später an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin fort. Neben einigen plastischen Ausstellungen Mitte der 50er-Jahre zog es Grass auch langsam in den literarischen Bereich, in dem er anfänglich an Kurzprosa und einzelnen kleineren Theaterstücken arbeitete. 1959 entstand mit „Die Blechtrommel“, welche später sogar verfilmt wurde, Grass` erster Roman, der auf Anhieb großen Erfolg verbuchen konnte. Mit der eher gegenständlichen Darstellung der Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs entschloss sich Grass gegen das von allen beschriebene, formale Bild, distanzierte sich somit in einem ganz eigenen Stil und schaffte es als erster deutscher Autor nach dem Weltkrieg wieder für internationales Aufsehen zu sorgen.

grass 1999: Günter Grass (1927    )Grass nutzte das öffentliche Interesse an seiner Person und warb für die politischen Interessen seines Freundes Willy Brandt. So nahm er an Wahlreisen, politischen Kundgebungen, bei denen er sich selbst zu Wort meldete und Wahlkämpfen teil. 1982 trat er in die Partei der Sozialdemokraten ein, eckte jedoch aufgrund seiner Ansichten innerparteilich mehrfach an. Grass sprach sich unter anderem gegen die Wiedervereinigung aus und stellte 1992 seine parteilichen Aktivitäten ein, blieb aber als Berater politisch aktiv und unterstütze beispielsweise den Wahlkampf von Heide Simonis in Schleswig-Holstein. Literarisch schreibt Grass noch heute seine Werke nach der alten Rechtschreibung und veröffentlicht fleißig weiter. So entstanden 2006 die Erinnerungen „Beim Häuten der Zwiebel“ oder 2008 der Roman „Die Box“. Für 2010 plant der Literaturnobelpreisträger von 1999, der auch über eine Vielzahl anderer Preise verfügt, die Herausgabe von „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990“.


Author: Benjamin Jendro
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1998: José de Sousa Saramago (1922 – )

portugal 1998: José de Sousa Saramago (1922    )José des Sousa Saramago ist ein großer portugiesischer Essayist und Schriftsteller, dem es sowohl gelingt Anhänger der Romantik als auch die des Dramatischen mithilfe seiner ganz individuell gestalteten Werke für sich zu gewinnen.

Der Sohn zweier Landarbeiter wurde am 16.November 1922 im kleinen Dorf Azinhaga, nördlich der portugiesischen Hauptstadt Lisabon geboren. Eigentlich als José de Sousa bedacht, bemerkte die Familie erst im Alter von 7 Jahren bei der Einschulung, dass der vollständige Namen durch Eigeninitiative des Standesbeamten mit dem Zusatz Saramago, der für die Familie väterlicherseits im Umkreis bekannt war, ergänzt wurde. Der Abschluss an einem Gymnasium in Lisabon, wo die Familie hinzog, scheiterte an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und so musste Saramago trotz hervorragender Noten frühzeitig abbrechen und wechselte auf die Technische Hochschule, wo er eine Ausbildung als Mechaniker machte und fortan als KFZ-Mechaniker arbeitete. Nebenbei besuchte er immer häufiger Bibliotheken, was einen zunehmenden Kontakt mit portugiesischer Literatur zur Folge hatte. Saramago begann selbst zu schreiben und konnte 1947 seine erste Novelle veröffentlichen. Nach einer weiteren, die nie veröffentlicht wurde, kam er jedoch zu dem Schluss, dass er nicht weiter schreiben sollte, weil ihm nichts als wichtig erschien. Bis 1966 blieben Veröffentlichungen demnach aus. Nachdem er 1949 in seinem Betrieb entlassen wurde, arbeitete er als Verlagsproduzent und Übersetzer, wodurch sich der Kontakt mit zahlreichen Autoren der Zeit aufbaute.

saramago 1998: José de Sousa Saramago (1922    )1966 kehrte er mit dem Gedichtband „Os Poemas Possíveis“ zurück auf die literarische Bühne, vier Jahr später folgte der nächste. Saramago wurde nun auch politisch aktiver und schloss sich 1969 der kommunistischen Partei an. Kurze Zeit nach der Nelkenrevolution aus dem Jahr 1974 entschied er sich aber, sein Interesse wieder voll der Literatur zu widmen, wohl auch, weil er seine führende Position innerhalb der Rebellierenden verlor. Ein kluge Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. 1980 gelang ihm mit seinem ersten Roman „Hoffnung im Alatejo“ der nationale, mit dem Liebesroman „Memorial“ zwei Jahre später der internationale Durchbruch. Es folgten weitere große Werke, für die Saramago viel Lob, aber auch Kritik erntete. So verhöhnte die Kirche sein Werk „Das Evangelium nach Jesus Christus“ als Blasphemie. Auch das katholisch geprägte Portugal stellte sich gegen den Autor, woraufhin Saramago nach Lanzarote auswanderte. Nichtsdestotrotz bekam José de Sousa Saramago hochrangige Auszeichnungen wie dem Prémio Vida Literária 1993 oder 1998 den Nobelpreis für Literatur verliehen und erfreut sich noch heute großem internationalen Interesse.


Author: Benjamin Jendro
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1997: Dario Fo (1926 – )

italien 1997: Dario Fo (1926    )Dario Fo ist ein italienischer Erfolgsautor, der sich vor allem im Bereich des satirischen Theaters als Schauspieler, Regisseur und Erzähler einen Namen machte, wenngleich viele seiner Worte eine Provokation für Bestehendes darstellen.

In einem kleinen Dorf namens Sangiano am großen Lago Maggiore in Italien wurde Fo am 24.März 1926 geboren. Als Sohn einer Bäuerin und eines Eisenbahnangestellten, der sich ebenfalls einen Namen durch die Schauspielerei machte, kam er schon in jungen Jahren in Kontakt mit dem Theater. Nebenbei entwickelte er dank seines Großvaters, der ihm viel vorlas auch eine Verbindung zum Geschichtenerzählen. Nach Beendigung der Schullaufbahn zog Fo nach Mailand, wo er sich an der Kunsthochschule Brera für Kunst und Architektur einschrieb.

Während des Zweiten Weltkriegs bekämpfte Fo zusammen mit seiner Familie aktiv die faschistischen Handlungen der Regierung. So schmuggelte er mit seinem Vater mehrfach heimlich Flüchtlinge und Desserteure der Alliierten über die Grenze in die Schweiz. Selbst entzog er sich geschickt der Einberufung durch die Truppen des Diktators Salo. Nach Kriegsende nahm Dario Fo sein Studium wieder auf und entwickelte zunehmend noch größeres Interesse für das Theater. 1952 gab er im Teatro Odeon sein Schauspieldebüt. Zwei Jahre später lernte er seine spätere Ehefrau Franca Rame kennen, mit der er die Theatergruppe „Compagnia Fo-Rame“ gründete und mit der er noch heute zusammenlebt. Mit ihr an der Seite zog Fo für mehrere große Touren durch Italien und erfreute sich mit seinen Werken im Laufe der Jahre immer größerem Interesse des internationalen Publikums. Der wirkliche Durchbruch auf internationaler Bühne gelang Fo mit „Die Erzengel spielen nicht Flipper“, welches 1960 uraufgeführt wurde. Kurze Zeit später übernahm er die Moderation der Sendung „Canzonissima“, die aber aufgrund des skandalösen Programmes später wieder eingestellt wurde. Fo stellte zumeist das Leben einfacher Leute dar und bekam großen Zuspruch. Insbesondere die Darstellung eines von der Mafia getöteten Journalisten traf aber auf große Kritik aus Politikerkreisen. Fo erhielt darauf ein Auftrittsverbot innerhalb des Fernsehens.

fo 1997: Dario Fo (1926    )Seiner Gesinnung sollte das aber keinen Bruch tun, so legte sich Fo in folgenden Theaterstücken weiter mit gestandenen Institutionen der Regierung und sogar mit dem Vatikan an. So kritisierte der Glaubensstaat unter anderem die Auszeichnung Fos mit dem Literaturnobelpreis 1997 als nicht zu vertretbare Entscheidung. Neben dieser Auszeichnung erhielt Dario Fo weitere wie den Sonning-Preis der Universität Kopenhagen. Mittlerweile ist Fo selbst politisch aktiv, verlor aber die letzte Wahl für das Bürgermeisteramt in Mailand, trotz über 23 Prozent Wahlanteilen.


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