2009: Herta Müller (1953 – )
Die in Rumänien geborene Herta Müller ist die diesjährige Nobelpreisträgerin für Literatur, da sie es in unnachahmlicher Art perfektioniert hat, einen historischen Kontext in moderne, intensivierte Lyrik einzubetten und diese in besonderer Sachlichkeit darzustellen.
Die mittlerweile in Deutschland beheimatete Müller wurde am 17.August 1953 in der rumänischen Ortschaft Nitzkydorf, welche sich im deutschsprachigen Raum Banat befand, geboren. Die Tochter eines Vaters, der sich nach dem Werdegang in der SS als LKW-Fahrer den Lebensunterhalt verdiente und einer Mutter, die man für Zwangsarbeit in die UdSSR deportierte, konnte in der Heimat erfolgreich ein Abitur absolvieren. In Anschluss an die schulische Laufbahn entschloss sie sich für ein Studium der Germanistik und Rumänischen Literatur an der Universität von Timiosora. Später arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, musste diese Tätigkeit aber aus Weigerung der Zusammenarbeit mit der Securitate, dem rumänischen Geheimdienst, niederlegen. So verdiente sich Herta Müller mit Gelegenheitsarbeiten als Lehrerin in deutschsprachigen Schulen oder Privathaushalten, sowie innerhalb von Kindergärten, ihren Lebensunterhalt. Nebenbei entwickelte sie nach und nach ein großes Interesse, selber zu schreiben. 1982 konnte sie mit „Niederungen“ ihr erstes Werk herausbringen, wobei dieses wie viele nachfolgende Veröffentlichungen in Rumänien äußerst rezensiert erschien und so die Intention der Autorin nicht in dem wirklichen Kontext herüberbringen konnte. Mitte der 80er-Jahre zog sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Deutschen Richard Wagner, in die Bundesrepublik, wo sie weitere Werke wie „Reisende auf einem Bein“ 1989 oder zwei Jahre später „Der Teufel sitzt im Spiegel“ herausbringen konnte. In der neuen Heimat bekam sie immer mehr Interesse zugesprochen und bekam in der Folge immer mehr Lehraufträge als Gastprofessorin an Universitäten in Deutschland und innerhalb Europas.
Mitte der 90er wuchs die Popularität der Schriftstellerin noch weiter an und so konnte sie neben den Veröffentlichungen „Herztier“ oder „In der Falle“ auch hochrangige Auszeichnungen wie den Kleist-Preis 1994 oder 1997 den Literaturpreis der Stadt Graz ihr Eigen nennen. 2008 sorgte eine große innerpolitische Diskussion für riesigen Gesprächsstoff. So kritisierte Müller öffentlich die Einladung zweier ehemaliger Securitate-Mitglieder ans Kulturinstitut, woraufhin auch ihre Vergangenheit innerhalb des Regimes von Diktator Ceausescu in einem falschen Zusammenhang dargestellt wurde. Fernab von allen politischen Diskussionen veröffentlichte Müller in diesem Jahr mit „Atemschaukel“ einen neuen Roman, der orientierend an den Gesprächen mit dem verstorbenen Oskar Pastior, der selbst die Erfahrungen machen musste, das Leben von Deutschen in Siebenbürgen zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg exemplarisch darstellen soll. Nachdem es von vielen Experten bereits seit Jahren gefordert wurde, erfuhr man am 8.Oktober 2009, dass Herta Müller in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur erhalten wird, eine gerechtfertigte Auszeichnung für das Leben der Wahlberlinerin.
2008: Jean-Marie Gustave Le Clézio (1940 – )
Der letztjährige Sieger des Literaturnobelpreises heißt Jean-Marie Gustave Le Clézio, der es dank seiner besonderen Fähigkeit die existenzielle Wirklichkeit in seinen Werken integrativ einzubinden, dazu geschafft hat, einer der heute bekanntesten Autoren unserer Gesellschaft zu werden.
Der Franzose wurde am 13.April 1940 in Nizza als Sohn des Ehepaars Simone und Raoul Le Clézio geboren. Er besitzt eine äußerst interessante Familiengeschichte. Nicht nur, dass er Vorfahren in der Bretagne und auf Mauritius hat und diese es dort zu großem wirtschaftlichen Erfolg gebracht haben, nein seine Eltern haben auch dieselben Großeltern, da sie Cousin und Cousine sind. Le Clézio zog im Alter von 8 Jahren nach Nigeria, wo seine Vater als Kriegsarzt nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin bleiben wollte. Auf der langen Bootsreise dorthin machte Le Clézio erste schriftstellerische Versuche und schrieb zwei kleinere Bücher, welche die Erlebnisse aus der Zeit an Bord festhielten. Zwei Jahre später kehrte die Familie dann wieder ins heimische Frankreich zurück, wo Le Clézio 1957 sein Abitur absolvieren konnte. In der Folge studierte er an den Universitäten in London und Bristol Englisch, was aufgrund der zweisprachigen Erziehung kein großes Problem darstellen sollte. Sein Examen absolvierte er aber genauso wie die spätere Doktorwürde an Universitäten in Frankreich. Bereits sein Erstlingswerk „Das Protokoll“, welches 1963 veröffentlicht wurde, sorgte für den schriftstellerischen Durchbruch von Le Clézio. Mit der besonderen Schilderung von Ungewissem, das die Menschheit in Gefahr bringen könnte, glänzte er später auch in „Das Fieber“ und „Die Sintflut“. Neben den genannten schrieb Le Clézio in den ersten Erfolgsjahren noch eine Vielzahl an weiteren äußerst gefragten Romanen, wobei „Wüste“ aus dem Jahr 1980 für den endgültigen Durchbruch, auch auf internationalem Terrain, sorgte.
Le Clézio schrieb neben seinen vielen veröffentlichten Romanen auch eine Reihe von Essays, die sich in ihrer Bedeutung vor allem auf das Schicksal innerhalb Lateinamerikas beziehen. Die Erfahrungen hierfür sammelte er vorrangig auf einer längeren Reise durch Mexiko und den lateinamerikanischen Raum, die von 1970-1974 andauerte. Besonders sein großes Interesse für die indianischen Einflüsse in der mexikanischen Geschichte und Kultur bilden die zentrale Thematik im Werk des Autors, der mittlerweile zwischen seinen Wohnsitzen in den USA, Mexico, Mauritius und Frankreich pendelt. Nachdem er in den 80ern bereits mit dem Literaturpreis der Französischen Akademie geehrt wurde, erhielt Jean-Marie Gustave Le Clézio im letzten Jahr auch den Nobelpreis für Literatur.
2006: Orhan Pamuk (1952 – )
Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk präsentiert momentan einen der facettenreichsten Autoren im Bereich der Betrachtung der eigenen Heimat und schafft es auf eine besondere Erzählweise die Geschehnisse innerhalb des Orients in ihrer ganzen Komplexität darzustellen.
In einem fünfstöckigen Wohnhaus wuchs der am 7.Juni 1952 im Istanbuler Stadtteil Şişli geborene Pamuk als Mitglied einer Großfamilie auf. Schon im Alter von 7 Jahren begann er sich der Kunst zuzuwenden, auch wenn sich diese zunächst in einer anderen Gattung als der späteren wiederspiegelte. Pamuks Großvater war als Eisenbahningenieur zu einem gewissen Wohlstand gekommen und so zogen auch nachfolgende Familienmitglieder in diesen Bereich. Pamuk aber widersprach diesem und begann mit der Malerei. Nach der Grundschule und dem Robert College schrieb er sich wie schon der Vater an der Technischen Universität von Istanbul ein, wobei er aber weit weg von der Tradition das Studienfach Architektur wählte. Seinen Abschluss konnte er nach einem Fachwechsel 1977 im Fachbereich Journalismus absolvieren. Mitten im Studium entschloss er sich aufgrund der politischen Lage, in der er nur durch die Schriftstellerei einen Weg sah, seine Intention zu verwirklichen, sich vollends dem Schreiben zu widmen. Nach langen Jahren, in denen Pamuk nicht wirklich einen eigenen Lebensunterhalt verdiente und bei der Mutter oder in der familiären Sommerresidenz hauste, konnte er mit „Cevdet Bey ve Ogullari“ 1982 sein erstes Werk herausbringen. Die späteren Jahre verbrachte er mit einer kleinen Ausnahme von 1985-88, wo er sich in den USA aufhielt, ausschließlich in der Heimatstadt Istanbul.
Nach einigen Lesereisen und Vor-Ort-Recherchen, für die Pamuk noch kurze Ausflüge aus Istanbul heraus wagte, veröffentlichte er besonders in den 90ern und im Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende seine größten Werke, in denen er zumeist die Situation in der Türkei beschreibt. Der stetige Wandel und das hin und her zwischen Orient und Okzident versucht Orhan Pamuk in den einzelnen Romanen in einem besonderen Licht darzustellen. So entstanden 1994 „Das neue Leben“ und 2002 „Schnee“. Neben der selbstgemachten Erfahrung, sind Pamuks Werke vor allem von politischer Motivation gespickt. Ein Aspekt, wegen dem Pamuk gerade von konservativen Türken reichlich mit kritischem Auge betrachtet wird. Unter anderem setzt sich der türkische Erfolgsautor für den EU-Beitritt seines Landes ein, wobei anzumerken ist, dass die Darstellung innerhalb seiner Werke dem deutlich kontrovers gegenübersteht. Nichtsdestotrotz erfreut sich Pamuk nach wie vor einer großen Anhängerschaft und konnte speziell nach dem Millennium eine Reihe von literarischen Auszeichnungen wie 2005 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels oder 2006 den Literaturnobelpreis gewinnen.
2003: John Maxwell Coetzee (1940 – )
John Maxwell Coetzee ist ein südafrikanischer Schriftsteller, der für seine bedeutsame Darstellung der sozialen und politischen Missstände innerhalb seines Landes und den Menschen an sich als erster Autor neben dem Literaturnobelpreis auch zweimal den Booker Prize gewinnen konnte.
Als Sohn von einer Lehrerin und einem Rechtsanwalt wurde Coetzee am 9.Februar 1940 in Kapstadt geboren. Obwohl er einer burischen Familie entsprang, achteten die Eltern sehr darauf, dass er hauptsächlich mit der englischen Sprache in Kontakt kam, was nicht verhindern konnte, dass er mit der Zeit auch des Afrikaans mächtig wurde. Nach der Schule schrieb er sich an der Universität in Kapstadt ein, wo er ab 1957 neben English auch Mathematik studierte. Einem sehr erfolgreichen Abschluss folgte eine Anstellung bei IBM in England, wo er die ersten drei Jahre nach dem Studium als Programmierer arbeiten sollte. Später zog es ihn dann in die Vereinigten Staaten. Ende der 60er-Jahre promovierte Coetzee schließlich an der University of Texas über die von Samuel Beckett verfasste Prosa und legte so den Grundstein für den Erfolg, der sich in den kommenden Jahren ergeben sollte. Zurück in der Heimat lehrte er zunächst an der Universität, wo er selber einst mit dem Studium begann. Bereits mit seinem ersten großen Werk, der Erzählung „Dusklands“, welche Coetzee 1974 verfasste, gelang ihm der große Durchbruch. Die Geschichte ist eine Art Erzählung, in der deutlich Parallelen zwischen den im Vietnam stationierten amerikanischen Truppen und den niederländischen in Südafrika allegorisch gezogen werden.
Auch die nachfolgenden Veröffentlichungen konnten große Erfolge erzielen und sich einer immensen öffentlichen Betrachtung erfreuen. 1980 erhielt er für den Roman „Warten auf die Barbaren“ den höchsten südafrikanischen Literaturpreis und nur drei Jahre später für ein weiteres Werk den ersten Booker Prize. Neben seiner Tätigkeit als begnadeter Schriftsteller lehrte Coetzee an zahlreichen namenhaften Universitäten. So führte er unter anderem Vorlesungen in Harvard und Stanford, der John Hopkins University und der State University in New York. Besonders in den 80ern galt Coetzee als einer der am meist beachteten Autoren und erhielt zahlreiche Auszeichnungen mit sehr hochdekorierten Literaturpreisen. Auch wenn man ihm heute innerhalb seiner Heimat kritisiert und fehlende Kontur bei der politischen Betrachtung anprangert, ist Coetzee international weiterhin äußerst gefragt. Seit 2002 lebt er in Australien, lehrt dort nach wie vor an der Universität und ist seit 2007 im Besitz der australischen Staatsbürgerschaft. Im Jahre 2003 erhielt John Maxwell Coetzee schließlich den von Experten längst geforderten Literaturnobelpreis.
2002: Imre Kertész (1929 – )
Der Ungar Imre Kertész ist einer der erfolgreichsten Autoren des noch jungen Jahrhunderts und verdient sich besonders durch die abenteuerliche Darstellung des Einzelnen im Kampf gegen die geschichtlichen Hindernisse, die sich im Lauf dem Individuum in den Weg stellen, hohes Ansehen.
In Budapest wurde Kertész am 9. November 1929 als Sohn jüdisch stammender Eltern geboren. Nach einer unauffälligen Schulzeit geriet er in das Konzentrationslager Auschwitz, aus dem er zu Kriegsende 1945 wieder befreit werden konnte. Kertész kam zurück nach Budapest, wo er erfolgreich sein Abitur absolvierte. Kurz darauf bekam er bei einer Tageszeitung eine Stelle und arbeitete fortan als freier Journalist. Drei Jahre später musste er diese Tätigkeit aber wieder aufgeben, was minder an seiner Fähigkeit zu schreiben lag, als daran, dass die Zeitung zum Organ der kommunistischen Partei erklärt wurde. Einer zweijährigen Zwischenphase, in der Kertész dem Militär diente, folgte die wirkliche schriftstellerische Schaffenszeit. Der Ungar widmete sich ab 1953 immer mehr der Literatur, schrieb selbst und verdiente sich als Übersetzer der Werke von Nietzsche, Schnitzler und Freud seinen Lebensunterhalt. Ab 1960 begann er dann intensiv an seinem Lebenswerk „Roman eines Schicksalslosen“ zu schreiben. Über 13 Jahre arbeitete Kertész an einem Werk, das als eine der eindrucksvollsten Erzählungen über den Holocaust in die Geschichte eingehen sollte. In autobiografischer Darstellung erzählt der Autor hauptsächlich eine Geschichte, die durch persönlich gemachte Erfahrungen zu einem unnachahmlichen Roman geworden ist.
Zunächst abgelehnt, wurde dieser erstmals 1975 verlegt. Eine richtige Bewunderung für das Geschaffene wiederfuhr Imre Kertész aber erst mit der Neuauflage 1985, mit der er in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. Es folgten weitere Erzählungen, in denen sich der Schriftsteller auf die Suche nach seiner eigenen Identität begab. So entstanden Ende der 80er bzw. Anfang der 90er noch die erfolgreichen Werke „Fiasko“ 1988 und „Kaddisch für ein nichtgeborenes Kind“ 1990, wobei das zweite bereits zwei Jahre später ins Deutsche übersetzt wurde, während das erste bis zum Jahr 2000 auf eine Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum warten musste. Neben der schriftstellerischen Gattung erarbeitete Imre Kertész auch Theaterstücke, von denen zahlreiche aufgeführt werden konnten. Gerade für das Stück “Csacsifogat” wurden jedoch heftige Plagiatsvorwürfe gegen den Ungar erhoben. Eine Schmach, der er sich bis heute nicht wirklich entledigen konnte, was einen dunklen Schatten auf das Werk vom Literaturnobelpreisträger von 2002 und Goethe-Medaillen-Inhaber des Jahres 2004 wirft.
2001: Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul (1932 – )
Der in Trinidad geborene Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul ist nicht nur der größte Schriftsteller seines Landes, sondern aufgrund seiner sehr kulturellen Darstellung von Reiseerfahrungsberichten in der ganze Welt international äußerst angesehen.
Als Nachkömmling indischer Einwanderer, die als Vertragsarbeiter nach Trinidad and Tobago kamen, wurde Naipaul am 17.August 1932 in Chaguanas geboren. Nach den ersten Lebensjahren, die er bei der Familie mütterlicherseits lebte, lernte er erst im Alter von 6 Jahren seinen Vater, der als Journalist in der Hauptstadt Port of Spain arbeitete, kennen. Über seine Kindheit und die Wiedervereinigung seiner Familie sollte Naipaul später noch den äußerst erfolgreichen Roman „Ein Haus für Mister Biswas“ schreiben. Obwohl die Familie nicht über die besten finanziellen Möglichkeiten verfügte, gelang es Naipaul ab 1950 an der Universität von Oxford zu studieren. Durch ein Stipendium begünstigt, verbrachte er hier einige Jahre und konnte nach erfolgreichem Abschluss direkt als freier Mitarbeiter beim BBC einsteigen. Kurz darauf entschloss sich Naipaul jedoch sein Leben komplett der Schriftstellerei zu widmen. In den folgenden Jahren gelangen einige Achtungserfolge mit Romanen, vor allem aber mit der Ausarbeitung und Veröffentlichung von Erfahrungsberichten aus den kulturell unterschiedlichsten Regionen. Naipaul ermöglichte sich einige längere Reisen, die ihn unter anderem nach Pakistan, den Iran, Indonesien und Uganda führten. Auch nach Indien, wo sich seine eigentlichen Wurzeln befinden, reiste er oft und hielt seine Beobachtungen und Erlebnisse literarisch fest. Als Reiseschriftsteller, wie man Naipaul öfter darstellt, ist er aber keinesfalls anzusehen. Seine Berichte sind durchweg mit kritischem Auge verfasst und sprechen verschiedene Problematiken in den verschiedenen Regionen analysierend an.
Besonders mit dem islamischen Glauben setzt sich Sir Naipaul auseinander. In seinem zweiten großen Werk „Eine islamische Reise“, welches er 1981 in Anschluss an eine große Iranreise veröffentlichen konnte, prangerte er die Intention des Glaubens an. Naipaul wird aufgrund einer einseitigen Sicht von vielen Forscher, gerade denen, die sich mit der Geschichte der islamischen Länder beschäftigen, eher mit einem abwertenden Auge gesehen. Edward Said zum Beispiel kritisiert die deutliche Trennung von Ost und West und wirft Naipaul die Aufrechterhaltung von Vorurteilen vor. Trotz alledem ist Naipaul in vielen Kreisen ein äußerst gefragter Autor und gilt heute als Schriftsteller mit prophetischen Fähigkeiten, der eine zunehmende Entwicklung extremistischer Islamisten hervorgesehen hat. So erhielt er gerade in seiner Wahlheimat England viele Auszeichnungen, wurde 1990 zum Ritter geschlagen und erhielt 2001 den Nobelpreis für Literatur.
2000: Gao Xingjian (1940 – )
Der chinesische Literaturnobelpreisträger von 2000, Gao Xingjian gilt als Neubegründer der asiatischen Kunst der Dramaturgie, des Romanschreibens und der Erzählweise, die er in einer besonderen Art dem Lesenden zur Einsicht gibt.
In Ganzhou im Osten Chinas wurde er als Sohn einer Amateurschauspielerin und eines Bankiers am 4.Januar 1940 geboren. Nach den Interessen der Mutter kam Xingjian bereits in jungen Jahren in Kontakt mit der Welt des Theaters und der Schriftstellerei. Nach einer wenig ereignisreichen Schulzeit konnte er 1962 am Institut für Fremdsprachen in Peking sein Examen im Bereich Französisch absolvieren. Ab 1966 wurde er in Zuge der Kulturrevolution für zehn Jahre in einem Umerziehungslager gezwungen seine ersten Schriften zu verbrennen, was ihn aber nicht daran hindern sollte, heimlich weiter zu schreiben. Dank seiner Standfestigkeit und eines kämpferischen Willens durfte Xingjian ab 1979 nicht nur in chinesischen Zeitungen kleinere Beiträge veröffentlichen, sondern auch mehrere Reisen in ferngelegene Orte unternehmen. In dieser Zeit waren es jedoch mehr seine Übersetzungen von den Stücken Ionescos und Preverts, als seine eigenen, die für Aufsehen sorgten. Dennoch kam es zu den Aufführungen von „Alarmsignal“ oder „die Busstation“, wenngleich diese als unrühmlich beschrieben wurden und Xingjian 1986 als Folge für seine Stücke ein Aufführungsverbot erhielt.
Nach herber öffentlicher Kritik, ging er als politischer Flüchtling nach Paris, wo er sich in einem anderen künstlerischen Bereich, der Malerei seine Brötchen verdiente. Als Reaktion auf das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 trat der Autor aus der Kommunistischen Partei aus und veröffentlichte das Werk „Die Flucht“, welches nicht nur als Reaktion auf die Geschehnisse, sondern auch als endgültiger Bruch mit dem Heimatland zu werten ist. Xingjian nahm 1998 die französische Staatsbürgerschaft an und löschte somit sämtliche Verbindung zu China, auch wenn er in seinen später erschienen Werken immer noch den Bezug zu China als Sujet verwendete. 2001 entstand „Der Berg der Seele“, das im Wesentlichen die Reise durch China in gespenstischer Gestaltung darlegt. 2004 berichtete er in „Das Buch eines einsamen Menschen“ über das Schicksal seiner Familie, die dem Massaker zum Opfer fällt. Gao Xingjian erhielt mehrere französische Literaturpreise. Sehr überraschend hingegen kam die Verleihung des Nobelpreises für Literatur, den er 2000 bekam. China selbst sah es als nicht gerechtfertigt, einem derart unbedeutenden Künstler diesen auszuhändigen und bis heute wird über die Verbindung zu Akademiemitglied Malmqvist, der zugleich Übersetzer der Werke Xingjians ist, spekuliert.
1999: Günter Grass (1927 – )
Günter Grass ist Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Literaturexperte und durchweg Künstler, was ihn noch heute nicht nur zu einem der am meisten beachtesten Personen Deutschlands, sondern zu einem international bewunderten Autoren der Gegenwart macht.
Die eigentliche Heimat des Weltautors liegt in Polen. Am 16.Oktober 1927 in Danzig geboren, konnten die Eltern, ein protestantischer Lebensmittelhändler und eine kaschubisch stämmige Katholikin, nicht ahnen, welchen Werdegang ihr einziger Sohn nehmen sollte. In relativ ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, diente Grass zunächst als Messdiener und kam in die Hitlerjugend, auch wenn er von dieser von Beginn an kein gutes Bild hatte. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Danzig, meldete sich Grass, um seinen finanziellen Beitrag für die Familie zu leisten, 1941 freiwillig für die Wehrmacht. 1945 gelangte er innerhalb der kriegerischen Handlungen schließlich in Kriegsgefangenschaft. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges machte er zunächst eine Lehre als Steinmetz, bevor er zwischen 1948 und 1952 Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf studierte. Dieses Studium setzte er später an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin fort. Neben einigen plastischen Ausstellungen Mitte der 50er-Jahre zog es Grass auch langsam in den literarischen Bereich, in dem er anfänglich an Kurzprosa und einzelnen kleineren Theaterstücken arbeitete. 1959 entstand mit „Die Blechtrommel“, welche später sogar verfilmt wurde, Grass` erster Roman, der auf Anhieb großen Erfolg verbuchen konnte. Mit der eher gegenständlichen Darstellung der Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs entschloss sich Grass gegen das von allen beschriebene, formale Bild, distanzierte sich somit in einem ganz eigenen Stil und schaffte es als erster deutscher Autor nach dem Weltkrieg wieder für internationales Aufsehen zu sorgen.
Grass nutzte das öffentliche Interesse an seiner Person und warb für die politischen Interessen seines Freundes Willy Brandt. So nahm er an Wahlreisen, politischen Kundgebungen, bei denen er sich selbst zu Wort meldete und Wahlkämpfen teil. 1982 trat er in die Partei der Sozialdemokraten ein, eckte jedoch aufgrund seiner Ansichten innerparteilich mehrfach an. Grass sprach sich unter anderem gegen die Wiedervereinigung aus und stellte 1992 seine parteilichen Aktivitäten ein, blieb aber als Berater politisch aktiv und unterstütze beispielsweise den Wahlkampf von Heide Simonis in Schleswig-Holstein. Literarisch schreibt Grass noch heute seine Werke nach der alten Rechtschreibung und veröffentlicht fleißig weiter. So entstanden 2006 die Erinnerungen „Beim Häuten der Zwiebel“ oder 2008 der Roman „Die Box“. Für 2010 plant der Literaturnobelpreisträger von 1999, der auch über eine Vielzahl anderer Preise verfügt, die Herausgabe von „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990“.
1998: José de Sousa Saramago (1922 – )
José des Sousa Saramago ist ein großer portugiesischer Essayist und Schriftsteller, dem es sowohl gelingt Anhänger der Romantik als auch die des Dramatischen mithilfe seiner ganz individuell gestalteten Werke für sich zu gewinnen.
Der Sohn zweier Landarbeiter wurde am 16.November 1922 im kleinen Dorf Azinhaga, nördlich der portugiesischen Hauptstadt Lisabon geboren. Eigentlich als José de Sousa bedacht, bemerkte die Familie erst im Alter von 7 Jahren bei der Einschulung, dass der vollständige Namen durch Eigeninitiative des Standesbeamten mit dem Zusatz Saramago, der für die Familie väterlicherseits im Umkreis bekannt war, ergänzt wurde. Der Abschluss an einem Gymnasium in Lisabon, wo die Familie hinzog, scheiterte an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und so musste Saramago trotz hervorragender Noten frühzeitig abbrechen und wechselte auf die Technische Hochschule, wo er eine Ausbildung als Mechaniker machte und fortan als KFZ-Mechaniker arbeitete. Nebenbei besuchte er immer häufiger Bibliotheken, was einen zunehmenden Kontakt mit portugiesischer Literatur zur Folge hatte. Saramago begann selbst zu schreiben und konnte 1947 seine erste Novelle veröffentlichen. Nach einer weiteren, die nie veröffentlicht wurde, kam er jedoch zu dem Schluss, dass er nicht weiter schreiben sollte, weil ihm nichts als wichtig erschien. Bis 1966 blieben Veröffentlichungen demnach aus. Nachdem er 1949 in seinem Betrieb entlassen wurde, arbeitete er als Verlagsproduzent und Übersetzer, wodurch sich der Kontakt mit zahlreichen Autoren der Zeit aufbaute.
1966 kehrte er mit dem Gedichtband „Os Poemas Possíveis“ zurück auf die literarische Bühne, vier Jahr später folgte der nächste. Saramago wurde nun auch politisch aktiver und schloss sich 1969 der kommunistischen Partei an. Kurze Zeit nach der Nelkenrevolution aus dem Jahr 1974 entschied er sich aber, sein Interesse wieder voll der Literatur zu widmen, wohl auch, weil er seine führende Position innerhalb der Rebellierenden verlor. Ein kluge Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. 1980 gelang ihm mit seinem ersten Roman „Hoffnung im Alatejo“ der nationale, mit dem Liebesroman „Memorial“ zwei Jahre später der internationale Durchbruch. Es folgten weitere große Werke, für die Saramago viel Lob, aber auch Kritik erntete. So verhöhnte die Kirche sein Werk „Das Evangelium nach Jesus Christus“ als Blasphemie. Auch das katholisch geprägte Portugal stellte sich gegen den Autor, woraufhin Saramago nach Lanzarote auswanderte. Nichtsdestotrotz bekam José de Sousa Saramago hochrangige Auszeichnungen wie dem Prémio Vida Literária 1993 oder 1998 den Nobelpreis für Literatur verliehen und erfreut sich noch heute großem internationalen Interesse.
1995: Seamus Justin Heaney (1939 – )
Der Ire Seamus Justin Heaney ist ein großer Lyriker, der im gesamten englischsprachigen Raum noch heute für seine unnachahmliche Interpretation lyrischer Schönheit und deren Gestaltung mit ethischen Kompositionen bewundert wird.
In der Grafschaft Couny Derry im Herzen Nordirlands wurde Seamus Heaney am 13.April 1939 geboren. Einer Kindheit in bescheidenen Verhältnissen, die er auf einem katholischen Bauernhof verbrachte, folgte ein Studium der Englischen Philologie, welches ihn in die Hauptstadt Belfast führte. Nach seinem Abschluss verdiente er sich zunächst mit Lehrer- und Dozententätigkeiten seinen Lebensunterhalt. An der katholischen St. Thomas Secondary School unterrichtete er wie später auch am St.Joseph College vordergründig Englisch. Aus den 60er-Jahren stammen auch seine ersten Werke, mit denen sich Heaney den Ruf eines für die Zeit sehr wichtigen Dichters erarbeitete. In „Death of a Naturalist“ 1966 und in „Door into the Dark“ drei Jahre später verarbeitete er zum einen eine hohe Naturmetaphorik, zum anderen die Mythen- und Sagengeschichten seines Heimatlandes. Anfang der 70er-Jahre unternahm Heaney größere Reisen und zog für eine längere Zeit in die USA, wo er an der kalifornischen Universität Berkeley und später in Harvard unterrichtete. Mit der Zeit veränderte sich auch Heaneys Intention des Schreibens. Anders als noch zu den eigenen schriftstellerischen Anfängen waren „Wintering Out“ und das 1979 erschienene „North“ wesentlich politischer geprägt. Hier beschäftigte sich Heaney vorrangig mit dem Nordirlandkonflikt, wobei er aber keinesfalls zum politischen Polemiker werden wollte. Vielmehr war es eine Darstellung des eigenen Empfindens, welches sich bei Heaney sowohl als kulturelle britische Identität, als auch Mitglied der katholischen Minderheit Nordirlands erkennen ließ.
Den großen Erfolg der 60er konnte Heaney aber damit nicht wiederholen und so gelten vor allem die Werke als entscheidend und bedeutsam, in denen er die natürlichen Komponenten metaphorisch auf die Seele des Menschen überträgt.. Darauf spezialisierte er sich dann später auch wieder und brachte weitere Gedichtsammlungen heraus. Neben der hohen literarischen Anerkennung, erhielt Seamus Heaney hoch einzustufende Ehrungen wie den Literaturnobelpreis 1995 als dritter Ire nach Yeats und Beckett oder im vergangenen Jahr die Cunningham Medal und den David-Cohen-Preis. Seit 1975 hat Seamus Justin Heaney einen festen Wohnsitz in Dublin, wo er nach wie vorauf die großen Tage seines Lebens zurückblicken kann.
