Author: Benjamin Jendro
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1998: José de Sousa Saramago (1922 – )

portugal 1998: José de Sousa Saramago (1922    )José des Sousa Saramago ist ein großer portugiesischer Essayist und Schriftsteller, dem es sowohl gelingt Anhänger der Romantik als auch die des Dramatischen mithilfe seiner ganz individuell gestalteten Werke für sich zu gewinnen.

Der Sohn zweier Landarbeiter wurde am 16.November 1922 im kleinen Dorf Azinhaga, nördlich der portugiesischen Hauptstadt Lisabon geboren. Eigentlich als José de Sousa bedacht, bemerkte die Familie erst im Alter von 7 Jahren bei der Einschulung, dass der vollständige Namen durch Eigeninitiative des Standesbeamten mit dem Zusatz Saramago, der für die Familie väterlicherseits im Umkreis bekannt war, ergänzt wurde. Der Abschluss an einem Gymnasium in Lisabon, wo die Familie hinzog, scheiterte an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und so musste Saramago trotz hervorragender Noten frühzeitig abbrechen und wechselte auf die Technische Hochschule, wo er eine Ausbildung als Mechaniker machte und fortan als KFZ-Mechaniker arbeitete. Nebenbei besuchte er immer häufiger Bibliotheken, was einen zunehmenden Kontakt mit portugiesischer Literatur zur Folge hatte. Saramago begann selbst zu schreiben und konnte 1947 seine erste Novelle veröffentlichen. Nach einer weiteren, die nie veröffentlicht wurde, kam er jedoch zu dem Schluss, dass er nicht weiter schreiben sollte, weil ihm nichts als wichtig erschien. Bis 1966 blieben Veröffentlichungen demnach aus. Nachdem er 1949 in seinem Betrieb entlassen wurde, arbeitete er als Verlagsproduzent und Übersetzer, wodurch sich der Kontakt mit zahlreichen Autoren der Zeit aufbaute.

saramago 1998: José de Sousa Saramago (1922    )1966 kehrte er mit dem Gedichtband „Os Poemas Possíveis“ zurück auf die literarische Bühne, vier Jahr später folgte der nächste. Saramago wurde nun auch politisch aktiver und schloss sich 1969 der kommunistischen Partei an. Kurze Zeit nach der Nelkenrevolution aus dem Jahr 1974 entschied er sich aber, sein Interesse wieder voll der Literatur zu widmen, wohl auch, weil er seine führende Position innerhalb der Rebellierenden verlor. Ein kluge Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. 1980 gelang ihm mit seinem ersten Roman „Hoffnung im Alatejo“ der nationale, mit dem Liebesroman „Memorial“ zwei Jahre später der internationale Durchbruch. Es folgten weitere große Werke, für die Saramago viel Lob, aber auch Kritik erntete. So verhöhnte die Kirche sein Werk „Das Evangelium nach Jesus Christus“ als Blasphemie. Auch das katholisch geprägte Portugal stellte sich gegen den Autor, woraufhin Saramago nach Lanzarote auswanderte. Nichtsdestotrotz bekam José de Sousa Saramago hochrangige Auszeichnungen wie dem Prémio Vida Literária 1993 oder 1998 den Nobelpreis für Literatur verliehen und erfreut sich noch heute großem internationalen Interesse.


Author: Benjamin Jendro
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1991: Nadine Gordimer (1923 – )

suedafrika 1991: Nadine Gordimer (1923    )Nadine Gordimer, die noch heute in Südafrika lebt, ist eine der politisch aktivsten Schriftstellerinnen aller Zeiten, da sie nach wie vor die durch die Apartheid entstandene Ungerechtigkeit für die Menschheit in brillanter, zumeist ironischer Art und Weise aufzudecken versucht.

Als Tochter eines litauischen Juden und einer Engländerin wurde Gordimer am 20.November 1923 in Springs innerhalb der südafrikanischen Provinz Gauteng geboren. Da der Vater als Juwelier tätig war, wuchs sie in relativ vermögenden Verhältnissen auf und wurde zunächst aufgrund einer Herzschwäche von der Mutter zu Hause unterrichtet, was ihr viel Zeitraum für das Lesen literarischer Werke ermöglichte. Trotz der jüdischen Wurzeln schickten die Eltern Nadine Gordimer später auf eine Konventschule. Von dem frühen und umschweifenden Kontakt mit Literatur geprägt, begann sie bereits im Alter von 9 mit dem Schreiben und konnte mit 14 Jahren die erste Kurzgeschichte veröffentlichen. Nach einem zwischenzeitlichen Studium, welches Gordimer nach nur einem Jahr wieder abbrach, zog es sie nach Johannesburg, wo sie 1949 ihre erste Kurzgeschichtensammlung unter dem Namen „Face to Face“ herausbrachte. Nur vier Jahre später folgte mit „The Lying Days“ der erste Roman. Schon ihre ersten großen Werke beschäftigten sich mit der Problematik der Apartheid, deren Folgen und Auswirkungen Gordimer in allen Werken, die sie bisher verfasste, thematisiert. Doch anders als andere Autoren beschränkte sie ihren Widerstand nicht auf das bloße Schreiben, wenngleich diese besondere Fähigkeit ihr aussagekräftigstes und zugleich erfolgreichstes Mittel war. Mitte der 50er zählte sie zu einer Gruppe, die sich in der Hoffnung das System zu untergraben vehement gegen die Gesetze der Apartheid stellte. Was folgte, waren die Verhaftung von zahlreichen Widerständler und einem 1960 festgelegten Verbot für derartige Positionierung. Gordimer selbst wurde mit einigen Publikationsverboten versehen. Wesentlichen Einfluss auf ihren Erfolg hatten diese aber nicht, da Gordimer sich auf zahlreiche Auslandsreisen quer durch die Welt begab, als Gastdozentin an verschiedenen Universitäten lehrte und so ihre Werke und ihr Gedankengut weiter verbreiten konnte.

gordimer 1991: Nadine Gordimer (1923    )Innerhalb der 60er-Jahre wurde auch die schwarze Widerstandsbewegung immer radikaler, worauf hin sich Gordimer wegen ihrer Abneigung gegenüber der Apartheid und ihrer Hautfarbe gegenüber den Schwarzen in einer isolierten Position befand. Ende der 80er-Jahre relativierte sich die Position, da nun Schwarze neben Weißen rebellierten. Gordimer konnte wieder aktiver gegen die Apartheid sprechen. Hierbei stellte sie aber stets klar, dass es ihr weniger darum gehe, irgendwem politische Ideale aufzuzwingen, als vielmehr die wirklichen Verhältnisse und deren Auswirkungen aufzuzeigen. Für ihre Essays, Romane und Erzählungen, welche allesamt die Apartheid in einem ständigen Weiterentwicklungsvorgang darstellen und die Geschehnisse daher nicht in schwarz-weißem, sondern eher einem grauen Bild aufzeigen, wird Natalie Gordimer nach wie vor international bewundert und mit Ehrungen wie dem Literaturnobelpreis, den sie 1991 erhielt, ausgezeichnet.


Author: Benjamin Jendro
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1970: Alexander Isajewitsch Solschenizyn (1918 – 2008)

russland 1970: Alexander Isajewitsch Solschenizyn (1918 – 2008)Der Russe Alexander Isajewitsch Solschenizyn war ein bedeutender Schriftsteller, der aufgrund seiner Erfahrungen im Krieg und dem Leben im sowjetischen Staatssystem eine Vielzahl an bemerkenswerten Werken verfasste.

Als Sohn eines sehr vermögenden Landarbeiters wurde Alexander Solschenezyn am 11.Dezember 1918 in Kislowodsk, Südrussland, geboren. Er besuchte wie andere Schulen in der Nachbarschaft und führte eine gewöhnliche Kindheit. Im Alter von Anfang 20 begann er mit dem Studium der Fächer Mathematik, Physik, Geschichte und Philosophie. Mit Einbruch des Zweiten Weltkriegs musste er dieses jedoch unterbrechen, absolvieren konnte er es letztendlich nie. Als Artillerieoffizier diente er ab 1941 der sowjetischen Armee, in der er großen Schlachten und Operationen beiwohnte. Alle Erlebnisse sollten später große Beachtung in seinen Werken finden. 1945 wurde er schließlich aus der Armee verbannt und musste aufgrund seiner kritischen Äußerungen gegen Stalin sogar 8 Jahre Kriegsgefangenschaft in Kasachstan absitzen. Tatsächlich wurde er erst 1957 begnadigt. Fortan widmete sich Solschenizyn der schriftstellerischen Tätigkeit. Seine erste Erzählung, in der er ausführlich die Verhältnisse der Kriegsgefangenschaft darstellte, veröffentlichte er im Jahr 1962. In den nachfolgenden Jahren stellte sich Solschenizyn immer mehr gegen das System, wurde wegen öffentlicher Kritik sogar aus dem Schriftstellerverband der UdSSR verbannt. 1970 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, dessen Übergabe er aber aus Angst, ausgewiesen zu werden, nicht beiwohnte. Solschenizyn übte zwar öffentlich Kritik, hing aber dennoch am sowjetischen Staat. Dass er den weiteren Weg aber trotzdem nicht aufhalten konnte, musste er 1974 endgültig einsehen. Solschenizyn veröffentlichte heimlich einige Werke, wie sein später erfolgreichstes, „Der Archipel Gulag“, in dem er intensiv auf das sowjetische Lagersystem einging.

solzhenitsyn 1970: Alexander Isajewitsch Solschenizyn (1918 – 2008)Nach der folgenden Verbannung, kam er zunächst in Deutschland bei seinem Freund Heinrich Böll unter, bevor ihn sein Weg in den US-amerikanischen Bundesstaat Vermont führte. Hier schrieb Solschenizyn weiter und ließ auch an seiner neuen Wahlheimat kein gutes Wort an dem politischen System. Zwar genoss er hier äußerst gute Bedingungen und konnte in Ruhe arbeiten, das hielt ihn aber nicht von der Kritik am Westlichen ab, was zunehmend für Zweifel an seiner Person sorgte. Der Wunsch, zurückzukehren, blieb immer bestehen und so konnte Solschenizyn nach Begnadigung 1990 endlich zurück ins heimische Russland. Die letzten Jahre verstrickte er sich immer mehr in Widersprüche und so schwand auch die Bewunderung für seine Person. Am 3.August 2008 starb der einstige Erfolgsautor in Moskau an einem Hirnschlag und hinterließ seine Frau und drei Kinder.


Author: Benjamin Jendro
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1964: Jean-Paul Ch. A. Sartre (1905 – 1980)

frankreich 1964: Jean Paul Ch. A. Sartre (1905 – 1980)Jean-Paul Sartre gilt als der einflussreichste französische Schriftsteller des 20.Jahrhunderts und verdiente sich aufgrund seines Status des intellektuell bedeutendsten Philosophen hohen politischen und gesellschaftlichen Einfluss.


Als einziges Kind von einem Marineoffizier und einer Cousine Albert Schweitzers wurde Sartre am 21.Juni 1905 in Paris geboren. Da der Vater schon kurz nach seiner Geburt an den Folgen einer Gelbfiebererkrankung starb, zog er mit seiner Mutter zurück in das elterliche Haus. So wurde Sartre in seiner Kindheit vor allem vom Großvater, dem Gymnasiallehrer Charles Schweitzer, geprägt. Dieser unterrichtete ihn in Zusammenarbeit mit einigen Privatlehrern zu Hause, bevor Sartre auf das renommierte Gymnasium Lycée Henri IV kam. In dieser Zeit pflegte Jean-Paul wenig soziale Kontakte zu Gleichaltrigen, was auch an seiner zunehmenden Erblindung des rechten Auges und auftretendem Schielen lag. Sartres Weg führte ihn auf die École Normale Supérieure, auf der er mit seinem besten Freund Paul Nizan Philosophie, Psychologie und Soziologie studierte. Hier lernte er auch seine erste Frau Simone de Beauvoirs, die bis zum Lebensende an seiner Seite bleiben sollte, kennen.


 1964: Jean Paul Ch. A. Sartre (1905 – 1980)Sartre arbeitete in den Jahren nach seinem Studium als Gymnasiallehrer, reiste viel und eignete sich durch die Studien der Werke verschiedener Philosophen wie Nietzsche ein gewisses Maß an Intellektualität an. Im Zweiten Weltkrieg, für den er sich als Sanitäter meldete, geriet Sartre in deutsche Kriegsgefangenschaft. Eine Zeit, die ihn prägen sollte. Zwar verfasste Sartre schon vor Kriegsausbruch einzelne Essays, doch wurde die Zeit Ende der 40er- und in den 50er-Jahren zu seiner Blütezeit. Mit „Les temps modernes“ rief er eine politisch-literarische Zeitung ins Leben, in der er seine kommunistischen Ansichten publik machte. Später revidierte er diese Ansicht, auch durch die Erlebnisse auf seinen Reisen durch die Sowjetunion, Kuba und China. So wurde seine später gegründete Partei zur politischen Instanz, die einen dritten Weg zwischen Sozialismus und Kommunismus darstellen sollte. Eine wirkliche Entscheidung zugunsten einer der beiden Lager, konnte Sartre nie aussprechen, denn beide handelten ihm zu oft zu wider. So wurde Sartre vor allem zum politischen Kritiker und schwieg sich auf zum führenden Intellektuellen auf französischem und europäischem Boden. 1964 erhielt er den Literaturnobelpreis, den er aber, wie im Vorfeld bereits angekündigt, ablehnte, da er davon überzeugt war, diesem nicht würdig zu sein. Nach einsamen letzten Jahren, in denen er an der Seite seiner Frau seine Kenntnisse auf Interviewebene darlegen musste, da er fast vollständig erblindet war, verstarb er am 15.April 1980 in Paris.


Author: Benjamin Jendro
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1962: John Ernst Steinbeck (1902 – 1968)

flagge vereinigte staaten von amerika usa 1962: John Ernst Steinbeck (1902 – 1968)John Ernst Steinbeck war innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten einer der am meisten gelesenen Autoren des 20.Jahrhunderts, sowie Kriegsberichtserstatter im Zweiten Weltkrieg und lieferte mit seinen Werken die Vorlage für zahlreiche Kinofilme.

Als einziger Sohn von einem deutschen Beamten und einer Lehrerin aus Irland wurde Steinbeck am 27.Februar 1902 im kalifornischen Salinas geboren. Seine Kindheit verlebt er im Kreise der Familie, zu der auch drei Töchter gehörten, zumeist in Monterey, welches heute auch als „Steinbeck-Country“ bekannt ist und Schauplatz der meisten seiner Werke ist. Steinbeck begann 1919 mit dem Studium für Meeresbiologie und Literatur an der Stanford Universität, welches er 1925 aufgrund der Sinnlosigkeit für das eigene Schaffen aber ohne Abschluss abbrach. Vielmehr gaben ihm die kleinen Jobs, mit denen er sich über Wasser hielt und das Studium finanzierte wahre Erkenntnisse über die Menschen und Stoff für sein späteres Schreiben. Steinbeck wagte den Schritt in die Hauptstadt der USA, in der sein Erfolg aber sehr begrenzt blieb und so zog es ihn schon ein Jahr später wieder zurück nach Kalifornien, wo er neben dem Verfassen erneut mit kleinen verschiedenen Gelegenheitsarbeiten sich über Wasser zu halten versuchte. 1929 veröffentlichte er schließlich seinen ersten Roman, der aber genau wie mehrere nachfolgende Publikationen zunächst relativ unbeachtet und erfolglos blieb. 1935 gelang Steinbeck dann mit „Tortilla Flat“ (Die wunderlichen Schelme von Tortilla Flat) der nationale, wie internationale Durchbruch. Noch erfolgreicher sollte fünf Jahre später „The Grapes of Wrath“ (Früchte des Zorns) werden, das bis heute als größter Erfolg des Amerikaners anzusehen ist  und ihm in der Folge sogar den Pullitzerpreis einbrachte.

 1962: John Ernst Steinbeck (1902 – 1968)Auf Anraten von Washington stellte er kurz nach dem japanischen Überraschungsangriff auf Pearl Harbor seine literarischen Fähigkeiten in den Dienst des Landes und erarbeitete mit anderen Schriftstellern wie Sherwood und Wilder ein Theaterstück und verschiedene Publikation zur Propaganda gegen das vom Nationalsozialismus geführte Deutschland. Außerdem fungierte er als Kriegsberichtserstatter in Europa, was ihn grundlegend auch dazu bewegen sollte, in mehreren Reisen innerhalb der 50er-Jahre mehrfach wiederzukehren. Steinbeck verfasste auch nach dem Krieg noch einige Romane, konnte aber an den Erfolg früherer Jahre, in denen seine Werke fast immer die Geschichte armer Landarbeiter in Kalifornien erzählten, anknüpfen. Dennoch erhielt er rückwirkend für das Geleistete 1962 den Nobelpreis für Literatur. Nach einer Vietnamreise aus dem Jahre 1967 erkrankte Steinbeck schwer und erholte sich davon nicht mehr. So verstarb er am 20.Dezember 1968 als 66-Jähriger an Herzversagen.


Author: Benjamin Jendro
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1961: Ivo Andric (1892 – 1975)

jugoslawien 1961: Ivo Andric (1892 – 1975)Der Jugoslawe Ivo Andric ist der größte Autor südslawischer Literatur aller Zeiten und bis zum heutigen Tag einer der bekanntesten Autoren seines Landes.
Seine Mutter verweilte gerade zu Besuch bei Verwandten, als sie am 9.Oktober 1892 im bosnischen Dolac einen Sohn zur Welt brachte. Der am selben Tag noch auf den Namen Ivo getaufte Junge, musste allerdings schon zwei Jahre später von seiner Mutter Abschied nehmen. Sein Vater, ein Beamter starb an Tuberkulose und die Mutter war alleine nicht im Stande, ihren einzigen Sohn großzuziehen, so kam Andric zu seiner Tante, bei der er fortan ein gut erfülltes Leben führen sollte. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Sarajevo, begann der spätere Autor ein, durch den Ersten Weltkrieg oftmals unterbrochenes, Studium für Philosophie, Slawistik und Geschichte. Als Mitglied der Untergrundorganisation „Junges Bosnien“ war Andric schon früh politisch aktiv, was ihm in der Folge einen einjährigen Gefängnisaufenthalt bescheren sollte. Nach der Amnestierung 1917 gründete der damals 25-Jährige seine erste Zeitung, die sich vor allem literarischen Werken widmete.
Andric Ivo 1961: Ivo Andric (1892 – 1975)

In den 20er- und 30er-Jahren durchlief Ivo Andric eine Vielzahl von politischen Ämtern innerhalb seiner Landesregierung, arbeitete im Außenministerium, als Diplomat und promovierte an der Universität zu Graz über die Geschichte Bosniens. Seine diplomatische Anstellung dauerte bis 1941 an, als er auf eigenen Wunsch aus Berlin abgezogen wurde, jedoch noch als politischer Repräsentant und Beobachter dem Dreimächteabkommen in Wien beiwohnen musste. Andric verließ die politische Bühne und spezialisierte sich zunehmend auf das Schreiben, für das er trotz kriegerischen Handlungen in Belgrad und auf Abraten vieler zurück in die Heimat zog. Hier verfasste er drei später vielfach ausgezeichnete Romane, die allesamt 1945 veröffentlicht wurden. „Gospodjica“ (Das Fräulein), „Na Drini cuprija“ (Die Brücke über die Drina) und schließlich „Travnicka hronika“ (Wesire und Konsuln) waren alle drei riesige Erfolge und verantwortlich dafür, dass die Werke von Andric in 40 Sprachen übersetzt wurden und der Autor zahlreiche Ehrungen in Empfang nehmen konnte. Unter diesen war 1961 auch der Literaturnobelpreis, den er primär für die Gestaltung der Geschichte seines Landes erhielt. Ivo Andric wurde nach dem Krieg zum Vorsitzenden des landeseigenen Schriftstellerverbandes ernannt und wurde erneut, wenn auch in kleinerer Position, politisch aktiv. Bis zu seinem Tod am 13.März 1975 arbeitete er weiter für die Regierung und schrieb einzelne kleinere Werke, die einen ähnlichen Erfolg wie den der „Bosnischen Trilogie“ nie erreichen konnten.


Author: Benjamin Jendro
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1957: Albert Camus (1913 – 1960)

Frankreich

Albert Camus hat es in seinen 46 Jahren Lebenszeit geschafft aufgrund seines scharfen Blicks für Gewissensprobleme jeder Art zu einem der größten Autoren des 20.Jahrhunderts zu werden.


Albert CamusAls Sohn sehr ungebildeter Eltern wurde Albert am 7.November 1913 in einem Weinanbaugebiet in Mondovi/Algerien geboren und muss durch den Ersten Weltkrieg ab dem Alter von einem Jahr ohne seinen Vater weiterleben. So zog er mit der Mutter zur strengen Großmutter an den Rand der heutigen Landeshauptstadt Algier. Nach äußerst gutverlaufener Grundschullaufbahn empfahl ihn sein dortiger Lehrer für ein Gymnasium, was die Mutter, auch aufgrund ihres eigenen niedrigen Bildungsniveaus als Analphabetin, anfänglich zu verhindern versuchte. Dennoch gelang es Camus diesen Weg einzuschlagen und er sah sich nun dem Wechsel zwischen ärmlichen Familienverhältnissen und bürgerlichem Schulleben ausgesetzt. Als Reaktion darauf löste er sich zunehmend von seiner Mutter und versuchte den Stand im sozialen Gefüge durch sportliche Aktivitäten zu verbessern. Kurz vor Ende seiner Schulzeit erkrankte Albert Camus an Lungentuberkulose, eine Krankheit, deren Behandlung fortan sein Leben einschränken sollte. So musste er 1936 trotz hervorragenden Leistungen sein Studium für Philosophie aufgrund dieser Erkrankung vorzeitig abbrechen. Herbe Enttäuschungen prägten die folgenden Jahre und Camus versuchte mithilfe des Schreibens seinen Kummer zu verarbeiten. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs begann Camus, der sich nun wohnansässig in Frankreich befand, dann noch aktiver zu verfassen, was nicht zuletzt mit einem engagierten politischen Auftreten verbunden war.


Camus empfahl sich als klarer Gegner der nationalsozialistischen Handlungen und brachte dies in seinen Publikationen zum Ausdruck. Zwar schrieb er schon vorher einzelne Werke, doch kam es aufgrund eigener Bedenken kaum zu Veröffentlichungen. Das sollte sich nun ändern, so folgte nach den Publikationen in Zeitungen, wie dem „Combat“, einem Untergrundmagazin in Frankreich, nach Ende des Krieges eine Reihe von erfolgreichen Werken, die stark philosophisch geprägt waren. Ähnlich wie Sartre begrenzte er sein Schaffen aber nicht nur auf reines literarisches Schreiben, sondern versuchte durch journalistische Tätigkeiten aktiv dem politischen Neuaufbau stützend zur Seite zu stehen. So setzte sich einer der größten Widerstandskämpfer des Zweiten Weltkriegs äußerst produktiv für die Wiederherstellung der deutsch-französischen Beziehungen ein. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in schwerer Krankheit und war deshalb sehr eingeschränkt, was das Schreiben angeht. Trotzdem erhielt Camus für sein politisches Engagement und die Fähigkeit Gewissenszwänge literarisch zu verarbeiten 1957 den Literaturnobelpreis. Nur drei Jahre später, am 4. Januar 1960, starb er als Beifahrer bei einem Autounfall in der Nähe von La Chapelle Champigny.


Author: Benjamin Jendro
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1950: Bertrand Russell ( 1872 – 1970)

grossbritannien 1950: Bertrand Russell ( 1872 – 1970) Bertrand Arthur William Russell gilt als einer der einflussreichsten britischen Philosophen und trat während seiner Lebenszeit vor allem durch die Auseinandersetzung mit mathematischen Grundsätzen und als Sozialkritiker in Erscheinung.


Als dritter Sohn einer Adelsfamilie wurde Russell am 18.Mai 1872 in Monmouthshire/Wales geboren und wuchs unter der Obhut seiner Großmutter auf, was an dem frühzeitigen Tod beider Elternteile lag. Die vielen einsamen Stunden nutzte er zur Beschäftigung mit mathematischen und literarischen Werken. Der Entschluss sein Leben dafür zu nutzen, etwas für die Mathematik zu tun, brachte Russell 1890 nach Cambridge, wo er später selbst noch lehren sollte. Als Student widmete er sich zunehmend der Forschung. Eine Entscheidung, die sich auszahlen sollte, denn in den folgenden Jahren entwickelte er durch den Austausch mit anderen Gelehrten eine Reihe von neuen mathematischen Erkenntnissen, die er in “Principa Mathematica” zusammenstellte.

Nach Fertigstellung des Werkes 1913 widmete sich Russell im Zuge des Ersten Weltkrieges mehr philosophischen und politischen Fragen. Hier nahm er die Rolle des pazifistischen Kriegsverweigerers ein, was dazu führte, dass er seine Professur in Cambridge verlor und inhaftiert wurde.

image002 1950: Bertrand Russell ( 1872 – 1970)

Es folgte eine Zeit, in der Russell Jahre in der Sowjetunion und Asien, wo er eine Gastprofessur annahm, verbrachte. Inmitten der 20er-Jahre kehrte Russell mit seiner damaligen, zweiten Frau zurück nach England und rief dort aus Protest gegen das Bildungssystem die libertäre Beacon Hill Schule ins Leben. Russell widmete sich zunehmend sozialpädagogischen und populärwissenschaftlichen Reizthemen, befürwortete Homosexualität und zog sich vor allem durch sein Werk “Ehe und Moral“, in dem er die Grundsätze der christlichen Religion in Frage stellte, den Unmut der Gläubigen auf sich. Dennoch erhielt Russell die Möglichkeit an weiteren Universitäten, in New York und Chicago, zu lehren.


Die Erkenntnisse in den 20er-Jahren veränderten seine Ansicht zum Kriegsgeschehen, so befürwortete Russell am Ende des Zweiten Weltkriegs einen Präventivkrieg gegen die Sowjetunion, um einen folgenschwereren, globalen Atomkrieg zu verhindern. Nach dem Krieg ging Russell zurück nach Cambridge und blieb bis zum Tod politisch und sozialkritisch aktiv. 1949 erhielt er die Ehrendoktorwürde und ein Jahr später für das wissenschaftliche Schreiben den Literaturnobelpreis. Im hohen Alter setzte sich Russell für die atomare Abrüstung ein. 1958 gründete er die „Campaign of Nuclear Disarment“, für deren Grundsätze er als 88-Jähriger noch mal eine Haftstrafe zu verbüßen hatte. Ein Jahr nach seiner Autobiografie (1967-1969) verstarb Russell am 2.Februar 1970 in Wales und unter dem Beisein seiner vierten Ehefrau an den Folgen einer Grippeerkrankung.


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