2009: Herta Müller (1953 – )
Die in Rumänien geborene Herta Müller ist die diesjährige Nobelpreisträgerin für Literatur, da sie es in unnachahmlicher Art perfektioniert hat, einen historischen Kontext in moderne, intensivierte Lyrik einzubetten und diese in besonderer Sachlichkeit darzustellen.
Die mittlerweile in Deutschland beheimatete Müller wurde am 17.August 1953 in der rumänischen Ortschaft Nitzkydorf, welche sich im deutschsprachigen Raum Banat befand, geboren. Die Tochter eines Vaters, der sich nach dem Werdegang in der SS als LKW-Fahrer den Lebensunterhalt verdiente und einer Mutter, die man für Zwangsarbeit in die UdSSR deportierte, konnte in der Heimat erfolgreich ein Abitur absolvieren. In Anschluss an die schulische Laufbahn entschloss sie sich für ein Studium der Germanistik und Rumänischen Literatur an der Universität von Timiosora. Später arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, musste diese Tätigkeit aber aus Weigerung der Zusammenarbeit mit der Securitate, dem rumänischen Geheimdienst, niederlegen. So verdiente sich Herta Müller mit Gelegenheitsarbeiten als Lehrerin in deutschsprachigen Schulen oder Privathaushalten, sowie innerhalb von Kindergärten, ihren Lebensunterhalt. Nebenbei entwickelte sie nach und nach ein großes Interesse, selber zu schreiben. 1982 konnte sie mit „Niederungen“ ihr erstes Werk herausbringen, wobei dieses wie viele nachfolgende Veröffentlichungen in Rumänien äußerst rezensiert erschien und so die Intention der Autorin nicht in dem wirklichen Kontext herüberbringen konnte. Mitte der 80er-Jahre zog sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Deutschen Richard Wagner, in die Bundesrepublik, wo sie weitere Werke wie „Reisende auf einem Bein“ 1989 oder zwei Jahre später „Der Teufel sitzt im Spiegel“ herausbringen konnte. In der neuen Heimat bekam sie immer mehr Interesse zugesprochen und bekam in der Folge immer mehr Lehraufträge als Gastprofessorin an Universitäten in Deutschland und innerhalb Europas.
Mitte der 90er wuchs die Popularität der Schriftstellerin noch weiter an und so konnte sie neben den Veröffentlichungen „Herztier“ oder „In der Falle“ auch hochrangige Auszeichnungen wie den Kleist-Preis 1994 oder 1997 den Literaturpreis der Stadt Graz ihr Eigen nennen. 2008 sorgte eine große innerpolitische Diskussion für riesigen Gesprächsstoff. So kritisierte Müller öffentlich die Einladung zweier ehemaliger Securitate-Mitglieder ans Kulturinstitut, woraufhin auch ihre Vergangenheit innerhalb des Regimes von Diktator Ceausescu in einem falschen Zusammenhang dargestellt wurde. Fernab von allen politischen Diskussionen veröffentlichte Müller in diesem Jahr mit „Atemschaukel“ einen neuen Roman, der orientierend an den Gesprächen mit dem verstorbenen Oskar Pastior, der selbst die Erfahrungen machen musste, das Leben von Deutschen in Siebenbürgen zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg exemplarisch darstellen soll. Nachdem es von vielen Experten bereits seit Jahren gefordert wurde, erfuhr man am 8.Oktober 2009, dass Herta Müller in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur erhalten wird, eine gerechtfertigte Auszeichnung für das Leben der Wahlberlinerin.
1999: Günter Grass (1927 – )
Günter Grass ist Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Literaturexperte und durchweg Künstler, was ihn noch heute nicht nur zu einem der am meisten beachtesten Personen Deutschlands, sondern zu einem international bewunderten Autoren der Gegenwart macht.
Die eigentliche Heimat des Weltautors liegt in Polen. Am 16.Oktober 1927 in Danzig geboren, konnten die Eltern, ein protestantischer Lebensmittelhändler und eine kaschubisch stämmige Katholikin, nicht ahnen, welchen Werdegang ihr einziger Sohn nehmen sollte. In relativ ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, diente Grass zunächst als Messdiener und kam in die Hitlerjugend, auch wenn er von dieser von Beginn an kein gutes Bild hatte. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Danzig, meldete sich Grass, um seinen finanziellen Beitrag für die Familie zu leisten, 1941 freiwillig für die Wehrmacht. 1945 gelangte er innerhalb der kriegerischen Handlungen schließlich in Kriegsgefangenschaft. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges machte er zunächst eine Lehre als Steinmetz, bevor er zwischen 1948 und 1952 Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf studierte. Dieses Studium setzte er später an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin fort. Neben einigen plastischen Ausstellungen Mitte der 50er-Jahre zog es Grass auch langsam in den literarischen Bereich, in dem er anfänglich an Kurzprosa und einzelnen kleineren Theaterstücken arbeitete. 1959 entstand mit „Die Blechtrommel“, welche später sogar verfilmt wurde, Grass` erster Roman, der auf Anhieb großen Erfolg verbuchen konnte. Mit der eher gegenständlichen Darstellung der Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs entschloss sich Grass gegen das von allen beschriebene, formale Bild, distanzierte sich somit in einem ganz eigenen Stil und schaffte es als erster deutscher Autor nach dem Weltkrieg wieder für internationales Aufsehen zu sorgen.
Grass nutzte das öffentliche Interesse an seiner Person und warb für die politischen Interessen seines Freundes Willy Brandt. So nahm er an Wahlreisen, politischen Kundgebungen, bei denen er sich selbst zu Wort meldete und Wahlkämpfen teil. 1982 trat er in die Partei der Sozialdemokraten ein, eckte jedoch aufgrund seiner Ansichten innerparteilich mehrfach an. Grass sprach sich unter anderem gegen die Wiedervereinigung aus und stellte 1992 seine parteilichen Aktivitäten ein, blieb aber als Berater politisch aktiv und unterstütze beispielsweise den Wahlkampf von Heide Simonis in Schleswig-Holstein. Literarisch schreibt Grass noch heute seine Werke nach der alten Rechtschreibung und veröffentlicht fleißig weiter. So entstanden 2006 die Erinnerungen „Beim Häuten der Zwiebel“ oder 2008 der Roman „Die Box“. Für 2010 plant der Literaturnobelpreisträger von 1999, der auch über eine Vielzahl anderer Preise verfügt, die Herausgabe von „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990“.
1998: José de Sousa Saramago (1922 – )
José des Sousa Saramago ist ein großer portugiesischer Essayist und Schriftsteller, dem es sowohl gelingt Anhänger der Romantik als auch die des Dramatischen mithilfe seiner ganz individuell gestalteten Werke für sich zu gewinnen.
Der Sohn zweier Landarbeiter wurde am 16.November 1922 im kleinen Dorf Azinhaga, nördlich der portugiesischen Hauptstadt Lisabon geboren. Eigentlich als José de Sousa bedacht, bemerkte die Familie erst im Alter von 7 Jahren bei der Einschulung, dass der vollständige Namen durch Eigeninitiative des Standesbeamten mit dem Zusatz Saramago, der für die Familie väterlicherseits im Umkreis bekannt war, ergänzt wurde. Der Abschluss an einem Gymnasium in Lisabon, wo die Familie hinzog, scheiterte an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und so musste Saramago trotz hervorragender Noten frühzeitig abbrechen und wechselte auf die Technische Hochschule, wo er eine Ausbildung als Mechaniker machte und fortan als KFZ-Mechaniker arbeitete. Nebenbei besuchte er immer häufiger Bibliotheken, was einen zunehmenden Kontakt mit portugiesischer Literatur zur Folge hatte. Saramago begann selbst zu schreiben und konnte 1947 seine erste Novelle veröffentlichen. Nach einer weiteren, die nie veröffentlicht wurde, kam er jedoch zu dem Schluss, dass er nicht weiter schreiben sollte, weil ihm nichts als wichtig erschien. Bis 1966 blieben Veröffentlichungen demnach aus. Nachdem er 1949 in seinem Betrieb entlassen wurde, arbeitete er als Verlagsproduzent und Übersetzer, wodurch sich der Kontakt mit zahlreichen Autoren der Zeit aufbaute.
1966 kehrte er mit dem Gedichtband „Os Poemas Possíveis“ zurück auf die literarische Bühne, vier Jahr später folgte der nächste. Saramago wurde nun auch politisch aktiver und schloss sich 1969 der kommunistischen Partei an. Kurze Zeit nach der Nelkenrevolution aus dem Jahr 1974 entschied er sich aber, sein Interesse wieder voll der Literatur zu widmen, wohl auch, weil er seine führende Position innerhalb der Rebellierenden verlor. Ein kluge Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. 1980 gelang ihm mit seinem ersten Roman „Hoffnung im Alatejo“ der nationale, mit dem Liebesroman „Memorial“ zwei Jahre später der internationale Durchbruch. Es folgten weitere große Werke, für die Saramago viel Lob, aber auch Kritik erntete. So verhöhnte die Kirche sein Werk „Das Evangelium nach Jesus Christus“ als Blasphemie. Auch das katholisch geprägte Portugal stellte sich gegen den Autor, woraufhin Saramago nach Lanzarote auswanderte. Nichtsdestotrotz bekam José de Sousa Saramago hochrangige Auszeichnungen wie dem Prémio Vida Literária 1993 oder 1998 den Nobelpreis für Literatur verliehen und erfreut sich noch heute großem internationalen Interesse.
1996: Wislawa Szymborska (1923 – )
Die polnische Schriftstellerin Wislawa Szymborska beschreibt in natürlicher Weise die biologischen Zusammenhänge, die den Menschen als Individuum existieren lassen und ihn in einen zeitgenössischen Kontext interpretiert zeigen.
In Bnin ganz in der Nähe von Posen wurde Szymborska am 2.Juli 1923 geboren. Als die junge Polin acht Jahre alt war, zog ihre Familie nach Krakau, wo sie noch heute lebt. Nach dem erfolgreich bestandenen Abitur 1941 und vier Jahren, in denen sie sich mittels Gelegenheitsarbeiten über Wasser hielt, studierte Wislawa Szymborska an der Jagiellonen-Universität Soziologie und Polnische Literatur. Drei Jahre später brach sie dieses aber ohne richtige Abschluss ab und versuchte fortan ihren Weg in der Literatur zu finden. Zu Beginn der 50er-Jahre veröffentlichte die häufig als ironische Autorin Charakterisierte erste kleinere Schriften in Tageszeitungen und Magazinen. Nachdem ihr erster geplanter Band aus ideologischen Gründen verboten wurde, konnte sie mit „Deshalb leben wir“ schließlich die erste Gedichtesammlung herausbringen. Stark sozialistisch geprägt, erntete dieses Erstlingswerk bereits reichlich Erfolg, später distanzierte sich Szymborska aber zu der nicht ausschließlich im Osten verwendeten Diktatorenverherrlichung. Fünf Jahre darauf wurde ihr auch international mehr Beachtung geschenkt. Ihr zweiter großer Sammelband „Rufe an Yeti“, der wesentlich unpolitischer geprägt war und sich mehr auf die natürlichen Gegebenheiten und die alltäglichen Kontakte des Menschen mit seiner Außenwelt konzentrierte, kann so als der wirkliche Durchbruch angesehen werden.
In den folgenden Jahren pflegte Wislawa Szymborska einen engen Kontakt zu Frankreich, so schrieb sie Mitte der 80er-Jahre für die im Exil Paris erscheinende Untergrundzeitschrift Kultura. Des Weiteren macht sie sich seit Jahrzehnten einen Namen als hervorragende Übersetzerin, vor allem für die Werke des französischen Dichters Theodore Agrippa d´Aubigne’, der während des 16.Jahrhunderts einer der angesehensten Autoren war. Szymborska selbst distanziert sich heute stark zum Sozialismus und verbindet nur noch wenig mit dem früh Geschriebenen. Vor allem in den 80ern und 90ern brachte sie noch eine Reihe von erfolgreichen Gedichtbänden wie „Hundert Freuden“ oder „Auf Wiedersehen. Bis Morgen.“ heraus. Außerdem erhielt sie besonders im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts viele Auszeichnungen wie den Goethe-Preis 1991, den Literaturnobelpreis oder den Ehrenpreis des Polnischen PEN-Cubs 1996.
1995: Seamus Justin Heaney (1939 – )
Der Ire Seamus Justin Heaney ist ein großer Lyriker, der im gesamten englischsprachigen Raum noch heute für seine unnachahmliche Interpretation lyrischer Schönheit und deren Gestaltung mit ethischen Kompositionen bewundert wird.
In der Grafschaft Couny Derry im Herzen Nordirlands wurde Seamus Heaney am 13.April 1939 geboren. Einer Kindheit in bescheidenen Verhältnissen, die er auf einem katholischen Bauernhof verbrachte, folgte ein Studium der Englischen Philologie, welches ihn in die Hauptstadt Belfast führte. Nach seinem Abschluss verdiente er sich zunächst mit Lehrer- und Dozententätigkeiten seinen Lebensunterhalt. An der katholischen St. Thomas Secondary School unterrichtete er wie später auch am St.Joseph College vordergründig Englisch. Aus den 60er-Jahren stammen auch seine ersten Werke, mit denen sich Heaney den Ruf eines für die Zeit sehr wichtigen Dichters erarbeitete. In „Death of a Naturalist“ 1966 und in „Door into the Dark“ drei Jahre später verarbeitete er zum einen eine hohe Naturmetaphorik, zum anderen die Mythen- und Sagengeschichten seines Heimatlandes. Anfang der 70er-Jahre unternahm Heaney größere Reisen und zog für eine längere Zeit in die USA, wo er an der kalifornischen Universität Berkeley und später in Harvard unterrichtete. Mit der Zeit veränderte sich auch Heaneys Intention des Schreibens. Anders als noch zu den eigenen schriftstellerischen Anfängen waren „Wintering Out“ und das 1979 erschienene „North“ wesentlich politischer geprägt. Hier beschäftigte sich Heaney vorrangig mit dem Nordirlandkonflikt, wobei er aber keinesfalls zum politischen Polemiker werden wollte. Vielmehr war es eine Darstellung des eigenen Empfindens, welches sich bei Heaney sowohl als kulturelle britische Identität, als auch Mitglied der katholischen Minderheit Nordirlands erkennen ließ.
Den großen Erfolg der 60er konnte Heaney aber damit nicht wiederholen und so gelten vor allem die Werke als entscheidend und bedeutsam, in denen er die natürlichen Komponenten metaphorisch auf die Seele des Menschen überträgt.. Darauf spezialisierte er sich dann später auch wieder und brachte weitere Gedichtsammlungen heraus. Neben der hohen literarischen Anerkennung, erhielt Seamus Heaney hoch einzustufende Ehrungen wie den Literaturnobelpreis 1995 als dritter Ire nach Yeats und Beckett oder im vergangenen Jahr die Cunningham Medal und den David-Cohen-Preis. Seit 1975 hat Seamus Justin Heaney einen festen Wohnsitz in Dublin, wo er nach wie vorauf die großen Tage seines Lebens zurückblicken kann.
1992: Derek Alton Walcott (1930 – )
Der auf dem karibischen Inselstaat Saint Lucia geborene Derek Alton Walcott ist einer der begnadetsten Schriftsteller des gesamten Karibikraums und schafft es mit seiner einzigartigen Vernetzung multikultureller und historischer Einflüsse die Menschen zu erreichen.
Walcott wurde am 23.Januar 1930 als Sohn eines Beamten und einer Lehrerin in der Landeshauptstadt Saint Lucias, in Castries geboren. Nach Beendigung seiner schulischen Laufbahn, in der er weder besonders auffiel, noch herausragende Leistungen hervorbringen konnte, begann Walcott mit einem Kunststudium, für das er zunächst am Saint Mary´s College seiner Heimatstadt, später an der großen University of the West Indies auf Jamaika Vorlesungen und Seminare besuchte. Viel spricht Walcott auch heute noch nicht über seine Studienzeit, was vielleicht auch daran liegt, dass er zwar Kunst studierte, seine eigentliche Leidenschaft aber schon früh die Literatur sein sollte. Orientiert an großen, vorrangig europäischen Autoren wie Bertold Brecht, begann Derek Walcott bereits innerhalb der 40er-Jahre mit ersten literarischen Eigenversuchen. So entstand sein Erstlingswerk „25 Gedichte“, welches Walcott noch selber zu finanzieren hatte, bereits 1948. Ab 1956 widmete er sich dann vollauf dem Schreiben und arbeitet bis heute als freier Schriftsteller. Nebenbei übte er sich als Theater- und Kunstkritiker, wodurch sein Studium doch noch nützlich werden sollte. 1958 erhielt Walcott ein Rockefeller-Stipendium, welches ihn zu Jose Quintero, dem Begründer des Circle im Square Theatre in der amerikanischen Metropole New York, führte. Hier studierte er zwei weitere Jahre, was ihm später bei der Arbeit hilfreich zur Seite stehen sollte.
Lange Jahre vergingen, bis Derek Walcott 1962 mit einer weiteren Gedichtsammlung, die 1962 unter dem Namen „In einer grünen Nacht“ veröffentlicht wurde, auch für internationales Interesse sorgen konnte und schließlich den Durchbruch schaffte. Es folgten einige zahlreiche Gastprofessuren an namenhaften Universitäten. So lehrte Walcott unter anderem in Yale oder Princeton. 1992 erhielt er den Literaturnobelpreis, was seinen internationalen Ruf auf eine noch höhere Stufe klettern ließ. In den letzten Jahren hat Derek Walcott noch einige weitere recht erfolgreiche Werke, wie die Gedichtesammlung „Der verlorene Sohn“ oder das Drama „The Capeman“ herausbringen können. Heute lebt Derek Alton Walcott in seiner Wahlheimat Trinidad und besucht zu einigen kleineren Gastprofessuren die Vereinigten Staaten.
1990: Octavio Paz (1914 – 1998)
Octavio Paz war der größte mexikanische Schriftsteller aller Zeiten und schaffte es durch seine tiefgehende Poesie, welche von berührender Sinnlichkeit geprägt wurde, zu einem international hochangesehenen Dichter.
Paz kam am 31.März in der Hauptstadt Mexico-City zur Welt, wo er eine gewöhnliche, für die Nachwelt ereignislose Kindheit durchlebte. Bereits im Alter von 17 Jahren ebnete sich Paz seinen Weg, in dem er sich mehr und mehr seiner Leidenschaft, der Literatur, näherte. Zusammen mit Gleichgesinnten schuf er eine literarische Zeitschrift, die fortan eine Plattform für seine Texte und diejenigen anderer ermöglichen sollte. Neben den lateinamerikanischen Autoren, studierte er sehr begeistert die Schriften von Marx und Nietzsche. Mit 23 gründete er eine Sekundarschule für indianische Kinder und studierte in der Folge in Mexico, San Francisco und New York Jura und Philosophie. Mitte der Vierzigerjahre verfolgte Octavio Paz dann ähnlich wie andere große Autoren Lateinamerikas politische Interessen und betrat den diplomatischen Dienst. Während der Botschaftertätigkeit lernte er in Paris Neruda und Breton kennen, mit denen er fortan einen regen Austausch pflegte. Aus der relativ intellektuellen Zeit stammen auch die ersten großen Werke von Paz wie „Das Labyrinth der Einsamkeit“ 1950 oder das ein Jahr später erschienene „Der Bogen und die Leier“. Neben der Prosa machte sich Paz vor allem aber einen Namen mit hochbejubelten, da äußerst gehaltvollen Gedichten wie „Sonnenstein“, das mit den später geschriebenen „Weiß“ und „Von der Kladde zur Klarheit“ innerhalb Deutschlands als „Die großen Gedichte“ zusammengefasst ist. Nach dem langjährigen Aufenthalt in Paris und einer etwas kürzeren Anstellung als mexikanischer Botschafter in Indien legte Paz aus Protest gegen das Studentenmassaker von Tlatelolco 1968 sämtliche Ämter nieder.
Zurück in Mexico konzentrierte sich Octavio Paz in den letzten 25 Jahren seines Lebens ausschließlich auf die Schriftstellerei, für die er besonders in den 70er- und 80er-Jahren eine Reihe von hochdekorierten Preisen in Empfang nehmen konnte. So bekam er neben einigen nationalen Auszeichnungen unter anderem 1982 den Cervantes-Preis, 1984 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1990, als einziger Mexikaner überhaupt, den Nobelpreis für Literatur. 1993 brachte Octavio Paz seine Autobiografie über das politische Leben eines Poeten heraus und verstarb dreieinhalb Jahre später, am 20.April 1998, im Alter von 84 in seiner Heimatstadt Mexico-City.
1989: Camilo José Cela (1916 – 2002)
Camilo José Cela war einer der meist umstrittensten Autoren des Kontinents, da er in seinem literarischen Schaffen so manch von der Menschheit als obszönes Tabuthema gehandeltes Sujet in einen unnachahmlichen Kontext zu bringen wusste.
In der spanischen Provinz La Coruna wurde der Sohn eines Spaniers und einer Engländerin am 11.Mai 1916 geboren. Ab 1925 hatte er seinen festen Wohnsitz in Madrid, wo er eine gewöhnliche schulische Laufbahn absolvierte. Aus dieser Zeit stammt eine schwere Tuberkuloseerkrankung, an der Cela lange zu kämpfen hatte, die ihm aber auch ermöglichte, viel Zeit mit Literatur zu verbringen. Nach der Schullaufbahn entschloss sich der spätere Autor für ein Studium der Medizin, was er aber aus Interesse für die Literatur wenig später wieder beendete. So besuchte er in der Folgezeit einige Vorlesungen, in denen er zunehmend mit Lyrik in Kontakt kam und dort zum Schreiben ermuntert wurde. Mit Beginn des Spanischen Bürgerkriegs wurde Cela 1936 eingezogen und kämpfte an der Front neben den Frankisten. Ab 1940 studierte Cela Jura, was er aber wie schon Medizin schnell wieder abbrach. Stattdessen konnte er nun einzelne Werke veröffentlichen und fand eine Anstellung als Journalist. Den großen literarischen Durchbruch schaffte Cela 1942 mit seinem ersten Roman „Die Familie des Pascual Duarte“. Das Werk beschrieb in hohem Maße Gewalt, die sehr realitätsnah daherkam und sorgte so für skandalöses Aufsehen. Zunächst stark kritisiert, wurde es zwischenzeitlich verboten, jedoch in Argentinien weiter veröffentlicht.
1951 schrieb Cela sein in Europa bekanntestes und wohl auch bestes Werk „Der Bienenkorb“, welches später noch Vorlage für ein Drehbuch sein sollte. 1954 zog Camilo Cela auf die Urlaubsinsel Mallorca, wo er die Zeitung Papeles de Son Armadans als Sprachrohr der jungen Opposition gründete. Er schrieb weiterhin relativ umstrittene Werke, viele Essays und Novellen, die sich vor allem mit Themen, über welche die Mehrheit nicht zu sprechen vermochte, füllten. Man warf ihm mehrfach zu nahen Kontakt zur Pornografie und die Verwendung von Unmoral vor. Nichtsdestotrotz änderte Cela seine Richtung nicht und blieb über seine gesamte Schaffenszeit der eigenen Linie treu. So verdiente er sich besonders in den 80er-Jahren eine Vielzahl an ehrenvollen Auszeichnungen. 1987 erhielt er den Príncipe de Asturias de la Letras, zwei Jahre darauf den Nobelpreis für Literatur, Mitte der 90er dann auch noch den in Spanien hocheinzustufenden Cervantes-Preis. Am 17.Januar 2002 starb Camilo José Cela im Alter von 85 Jahren in seiner langjährigen Heimat Madrid.
1987: Joseph Aleksandrowitsch Brodsky (1940 – 1996)
Der gebürtige Russe Joseph Brodsky errang durch einzigartig gestaltete Lyrik hohes Ansehen im gesamten russisch- und englischsprachigen Raum und wirkte neben der eigens geschaffenen Lyrik als hervorragender Übersetzer großer Literatur.
Als Sohn von eines als Kriegsfotograf arbeitendem Juden und einer als Dolmetscherin fungierenden Jüdin wurde Brodsky am 24.Mai 1940 innerhalb des Kriegsgeschehens im heutigen St. Petersburg geboren. Bereits nach der 8.Klasse beendete er eigenmächtig die Schullaufbahn und erarbeitete sich später in einer Art Selbststudium Kenntnisse der englischen und polnischen Sprache. Seinen Lebensunterhalt verdiente er in den ersten Jahren mit Gelegenheitsanstellungen als Fräser, Krankenhausmitarbeiter und Aushilfe in Krankenhäusern. Ende der 50er-Jahre begann er sich zudem der Kunst des Schreibens zuzuwenden, was ihm später zu einer Berühmtheit machen sollte. Erste Veröffentlichungen stammen aus dem Jahr 1960, in dem Brodsky einige selbstverfasste Stücke und Übersetzungen anderer Lyrik in Zeitungen publizieren konnte. Brodsky gelang mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit und erlangte zunehmend Berühmtheitsstatus. 1963 wurde ihm dieser Bekanntheitsgrad jedoch zum Verhängnis. Brodsky wurde des Verdachtes bezichtigt, Parasitentum zu betreiben. Hinzu kam im einen veröffentlichen Artikel die Beschuldigung, dass er eine Flugzeugentführung plane, mithilfe der er ins Ausland reisen wollte. Joseph Brodsky erhielt für dieses teilweise gefährdende Handeln fünf Jahre Zwangsarbeit im Norden Russlands, aus der er jedoch bereits nach 18 Monaten wieder entlassen wurde. Trotz der frühzeitigen Begnadigung konnte Brodsky seinen Namen nicht wirklich wieder reinwaschen und so bürgerte man ihn 1972 aus der Sowjetunion aus.
Im Exil, bzw. in seiner neuen Heimat, den USA, konnte Brodskys Aufstieg aber seinen weiteren Werdegang vollziehen. Neben den vielen Gedichten, die er nach wie vor zumeist auf Russisch schrieb, stammen aus den folgenden Jahren einige bedeutende Essays wie „Flucht aus Byzanz“ in englischer Sprache. Nachdem Joseph Brodsky 1977 die Staatsbürgerschaft der USA erhielt, arbeitete er als Gastprofessor an zahlreichen namenhaften Universitäten wie der Columbia University. Sein größtes Werk veröffentlichte Brodsky 1982 mit dem Gedichtband „Römische Elegien und andere Gedichte“, für das er nicht zuletzt den Literaturnobelpreis 1987 erhielt. Rückblickend erfreute sich Brodsky in seinen letzten Jahren, in denen er innerhalb einiger Essays noch seine Meinung kundtat, an weiteren Auszeichnungen wie der Ehrendoktorwürde der Yale-Universität. Auch wenn seine Werke in den 90ern auch wieder in Russland herausgebracht wurden, kehrte er nie in die Heimat zurück. Am 28.Januar 1996 verstarb Joseph Brodsky nach einer Herzattacke in New York und wurde kurz darauf auf eigenen Wunsch in Venedig beerdigt.
1984: Jaroslav Seifert (1901 – 1986)
Der Tscheche Jaroslav Seifert zählt zu den größten Schriftstellern in der Geschichte seines Landes und erfreute sich vor allem durch seine politischen Ansichten, welche er geschickt in seine Werke einzubinden wusste, über Jahrzehnte hinweg an großer Begeisterung.
Im kleinen Stadtviertel Zizkow, in dem sich die Arbeiterschicht der großen Stadt Prag tummelt, wurde Seifert am 23.September 1901 geboren. In gewöhnlich bürgerlichen Verhältnissen wuchs er auf und entwickelte schon im jungen Alter großes Interesse für die Schriftstellerei. Mit gerade einmal 19 Jahren veröffentlichte er bereits sein Erstlingswerk „Stadt der Tränen“. Nur zwei Jahre darauf wurde sein erster Gedichtband herausgebracht. Da diese beiden Veröffentlichungen jedoch noch lange nicht zum Leben reichten, hielt er sich zunächst mit kleineren Arbeiten bei einigen Tageszeitungen über Wasser, bevor er schließlich als Journalist und Redakteur bei kommunistischen Blättern und Verlagen fest angestellt wurde. Während des Zweiten Weltkrieges galt Seifert als großes Vorbild und stärkte mit seinen publizierten Versen das Nationalbewusstsein vieler Tschechen. Galt er zwischen 1939 und 1945 noch als der große Held, der die tschechische Geschichte in seinen Worten thematisierte und die Bevölkerung an ihr Land glauben ließ, brach er mit Kriegsende mit der kommunistischen Heimat, griff die Regierung mit Werken und öffentlicher Kritik an und handelte sich dadurch eine Vielzahl an Publikationsverboten ein. Doch allem Zorn des Staates zu wider, verfasste Seifert fleißig weiter und publizierte heimlich oder eben erst nach Aufhebung des Verbots. 1969 wählte ihn die tschechoslowakische Vereinigung für Schriftsteller zum Präsidenten. Ein Jahr später wurde er dann vom Regime, gegen das er weiterhin auch öffentlich protestierte, wieder abgesetzt. Weiter revoltierend unterstützte er in der Folge politisch verfolgte Schriftsteller und Gleichgesinnten.
So wirklich fanden Seiferts Werke erst in den 80er-Jahren Beachtung. Gerade in seinen letzten Jahren war Seifert kreativ und fleißig wie selten zuvor. Hatte er in den 60ern und 70ern zwar auch schon einige Romane veröffentlicht, verfasste er die meisten erst nach 1980. So entstanden beispielsweise 1982 „Im Spiegel hat er das Dunkel“ oder zwei Jahre später „Was einmal Liebe war“. Im Jahr 1984 erhielt Seifert dann auch den Nobelpreis für Literatur, was aufgrund seiner Herkunft aus einem kommunistischen Land im Westen auf großes Unverständnis traf. Am 10.Januar 1986 starb Jaroslav Seifert im Alter von 84 Jahren in seiner allgegenwärtigen Heimatstadt Prag.
