2001: Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul (1932 – )
Der in Trinidad geborene Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul ist nicht nur der größte Schriftsteller seines Landes, sondern aufgrund seiner sehr kulturellen Darstellung von Reiseerfahrungsberichten in der ganze Welt international äußerst angesehen.
Als Nachkömmling indischer Einwanderer, die als Vertragsarbeiter nach Trinidad and Tobago kamen, wurde Naipaul am 17.August 1932 in Chaguanas geboren. Nach den ersten Lebensjahren, die er bei der Familie mütterlicherseits lebte, lernte er erst im Alter von 6 Jahren seinen Vater, der als Journalist in der Hauptstadt Port of Spain arbeitete, kennen. Über seine Kindheit und die Wiedervereinigung seiner Familie sollte Naipaul später noch den äußerst erfolgreichen Roman „Ein Haus für Mister Biswas“ schreiben. Obwohl die Familie nicht über die besten finanziellen Möglichkeiten verfügte, gelang es Naipaul ab 1950 an der Universität von Oxford zu studieren. Durch ein Stipendium begünstigt, verbrachte er hier einige Jahre und konnte nach erfolgreichem Abschluss direkt als freier Mitarbeiter beim BBC einsteigen. Kurz darauf entschloss sich Naipaul jedoch sein Leben komplett der Schriftstellerei zu widmen. In den folgenden Jahren gelangen einige Achtungserfolge mit Romanen, vor allem aber mit der Ausarbeitung und Veröffentlichung von Erfahrungsberichten aus den kulturell unterschiedlichsten Regionen. Naipaul ermöglichte sich einige längere Reisen, die ihn unter anderem nach Pakistan, den Iran, Indonesien und Uganda führten. Auch nach Indien, wo sich seine eigentlichen Wurzeln befinden, reiste er oft und hielt seine Beobachtungen und Erlebnisse literarisch fest. Als Reiseschriftsteller, wie man Naipaul öfter darstellt, ist er aber keinesfalls anzusehen. Seine Berichte sind durchweg mit kritischem Auge verfasst und sprechen verschiedene Problematiken in den verschiedenen Regionen analysierend an.
Besonders mit dem islamischen Glauben setzt sich Sir Naipaul auseinander. In seinem zweiten großen Werk „Eine islamische Reise“, welches er 1981 in Anschluss an eine große Iranreise veröffentlichen konnte, prangerte er die Intention des Glaubens an. Naipaul wird aufgrund einer einseitigen Sicht von vielen Forscher, gerade denen, die sich mit der Geschichte der islamischen Länder beschäftigen, eher mit einem abwertenden Auge gesehen. Edward Said zum Beispiel kritisiert die deutliche Trennung von Ost und West und wirft Naipaul die Aufrechterhaltung von Vorurteilen vor. Trotz alledem ist Naipaul in vielen Kreisen ein äußerst gefragter Autor und gilt heute als Schriftsteller mit prophetischen Fähigkeiten, der eine zunehmende Entwicklung extremistischer Islamisten hervorgesehen hat. So erhielt er gerade in seiner Wahlheimat England viele Auszeichnungen, wurde 1990 zum Ritter geschlagen und erhielt 2001 den Nobelpreis für Literatur.
1996: Wislawa Szymborska (1923 – )
Die polnische Schriftstellerin Wislawa Szymborska beschreibt in natürlicher Weise die biologischen Zusammenhänge, die den Menschen als Individuum existieren lassen und ihn in einen zeitgenössischen Kontext interpretiert zeigen.
In Bnin ganz in der Nähe von Posen wurde Szymborska am 2.Juli 1923 geboren. Als die junge Polin acht Jahre alt war, zog ihre Familie nach Krakau, wo sie noch heute lebt. Nach dem erfolgreich bestandenen Abitur 1941 und vier Jahren, in denen sie sich mittels Gelegenheitsarbeiten über Wasser hielt, studierte Wislawa Szymborska an der Jagiellonen-Universität Soziologie und Polnische Literatur. Drei Jahre später brach sie dieses aber ohne richtige Abschluss ab und versuchte fortan ihren Weg in der Literatur zu finden. Zu Beginn der 50er-Jahre veröffentlichte die häufig als ironische Autorin Charakterisierte erste kleinere Schriften in Tageszeitungen und Magazinen. Nachdem ihr erster geplanter Band aus ideologischen Gründen verboten wurde, konnte sie mit „Deshalb leben wir“ schließlich die erste Gedichtesammlung herausbringen. Stark sozialistisch geprägt, erntete dieses Erstlingswerk bereits reichlich Erfolg, später distanzierte sich Szymborska aber zu der nicht ausschließlich im Osten verwendeten Diktatorenverherrlichung. Fünf Jahre darauf wurde ihr auch international mehr Beachtung geschenkt. Ihr zweiter großer Sammelband „Rufe an Yeti“, der wesentlich unpolitischer geprägt war und sich mehr auf die natürlichen Gegebenheiten und die alltäglichen Kontakte des Menschen mit seiner Außenwelt konzentrierte, kann so als der wirkliche Durchbruch angesehen werden.
In den folgenden Jahren pflegte Wislawa Szymborska einen engen Kontakt zu Frankreich, so schrieb sie Mitte der 80er-Jahre für die im Exil Paris erscheinende Untergrundzeitschrift Kultura. Des Weiteren macht sie sich seit Jahrzehnten einen Namen als hervorragende Übersetzerin, vor allem für die Werke des französischen Dichters Theodore Agrippa d´Aubigne’, der während des 16.Jahrhunderts einer der angesehensten Autoren war. Szymborska selbst distanziert sich heute stark zum Sozialismus und verbindet nur noch wenig mit dem früh Geschriebenen. Vor allem in den 80ern und 90ern brachte sie noch eine Reihe von erfolgreichen Gedichtbänden wie „Hundert Freuden“ oder „Auf Wiedersehen. Bis Morgen.“ heraus. Außerdem erhielt sie besonders im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts viele Auszeichnungen wie den Goethe-Preis 1991, den Literaturnobelpreis oder den Ehrenpreis des Polnischen PEN-Cubs 1996.
1986: Wole Soyinka (1934 – )
Der Nigerianer Wole Soyinka gilt als einer der größten Freiheitskämpfer des afrikanischen Kontinents und schaffte es sich dank seiner besonderen Darstellung von Dramaturgie als erster Afrikaner überhaupt in die Liste der Literaturnobelpreisträger einzureihen.
In einem kleinen Dorf namens Isara im westlichen Teil Nigerias wurde Akinwande Oluwole Soyinka am 13.Juli 1934 als Sohn von armen Yoruba-Eltern geboren. Nach Besuch der Schule in Abeokuta, an der sein Vater als Rektor arbeitete, besuchte Soyinka das College in Ibadan, bevor er sich 1952 hier an der Universität für Englisch, Griechisch und Geschichte einschrieben ließ. Weiterführend studierte der spätere Weltautor dann von 1954 – 1957 Literatur- und Theaterwissenschaften in Leeds, Großbritannien. Die Erkenntnisse, die er dort gewann, konnte Soyinka dann in seiner ersten gefestigten Arbeitsanstellung, einer Theatergruppe in Nigeria, benutzen, um nicht nur Geld zu verdienen, sondern auch seiner Leidenschaft beruflich nachzukommen. Ab 1962 lehrte er an verschiedenen Universitäten wie der in Lagos. Nach öffentlicher Kritik am Biafrakrieg in Nigeria wurde Soyinka festgenommen, inhaftiert und saß ohne irgendeinen Prozess für 22 Monate hinter Gittern. Erst nachdem das internationale Augenmerk auf den Fall aufmerksam wurde, ließ man Soyinka frei. Selbst im Exil, fernab von den Diktaturen des Kontinents, an denen er weiterhin öffentlich Kritik übte, verfasste Soyinka später zahlreiche Werke über den Umgang mit Friedenskämpfer wie ihm. Fünf Jahre nach seiner Freilassung verließ er erstmals Nigeria, kehrte aber nach nur drei Jahren für die Anstellung des Generalsekretärs der Union of Writers of African Peoples wieder zurück.
Einige Jahre lang lehrte er an weiteren Universitäten innerhalb Nigerias, wie auch als Gastprofessor an den Universitäten Harvard, Yale und Cambridge. Mitte der 80er-Jahre floh Soyinka erneut aus seiner Heimat und nahm die Präsidentschaft des Internationalen Theaterinstitutes in Paris an. Aus dieser Zeit stammt auch der Literaturnobelpreis, den er 1986 als erster Autor der afrikanischen Sprache verliehen bekam. Nach seiner erneuten Rückkehr 1988 wurde er auch in der Heimat mit vielen Preisen und Ehrentiteln überhäuft. Unter dem brutalen Regime Abachas floh er Mitte der 90er ein drittes Mal aus Nigeria und auch nach dessen Tod Ende des Jahrtausends kehrte Soyinka nicht mehr aus dem Exil zurück. Nach vielen Veröffentlichungen von Theaterstücken, Gedichten und Tragödien, mit denen Wole Soyinka bereits früher auf sich aufmerksam machte, gelangt er seit den 80ern vor allem dank autobiografischen Werken wie „Aké, Jahre der Kindheit“ und Gedichtbänden wie „Samarkand und andere Märkte“ in das Auge der Öffentlichkeit.
1983: Sir William Gerald Golding (1911- 1993)
Der Brite William Golding war ein erfolgreicher britischer Schriftsteller, der es sich zur Hauptaufgabe machte, menschliche Zwänge und deren Auswirkungen auf das Handeln des Einzelnen zu untersuchen und in seinen Werken zu offenbaren.
Am 19.September 1911 wurde er im britischen Herzogtum Cornwall geboren und widmete sich bereits im Alter von sieben Jahren der Kunst des Schreibens. Aus dieser Zeit stammen einzelne, kleinerer Gedichte und Anekdoten, die später vor allem in Sammelwerken zu finden sein sollten. Nach Besuch der örtlichen Grundschule, besuchte er das Brasenose College zu Oxford, bevor er nach dem erfolgreichen Abschluss an der Universität Biologie studierte. Wieder seines Willens gab er dem Wunsch der Eltern klein bei und versuchte sich einem Fach zu nähern, mit dem er nur äußerst wenig anfangen konnte. So blieb er zwar der Biologie treu, legte sein Augenmerk aber zudem auf ein Literaturstudium. Nach seinem Diplom, welches er 1934 erhielt, arbeitete Golding als Schauspieler und Autor, ab 1938 lehrte er zusätzlich English in Salisbury. Mitte der 30er-Jahre veröffentlichte Sir Golding seinen ersten Gedichtband, der von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet blieb. Seine aufstrebende Schaffensphase wurde 1939 dann vom Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Golding kam zur Marine, wo er es im Laufe des Kriegsgeschehens bis zu einem angesehenen Leutnant brachte. Die Erfahrungen aus den Ereignissen der Jahre bis 1945 sollten ihm später als Stoff für folgende Werke dienen.
Sir Golding wendete sich nun wieder mehr dem Schreiben zu und konnte 1954 ein Welterfolg verzeichnen. Wurde sein großes Meisterwerk „Herr der Fliegen“ zu Beginn noch von 20 Verlagen abgelehnt, erreichte es nach Veröffentlichung absoluten Bestsellerstatus. Golding selbst erhielt nun immer mehr Zuspruch für seine Arbeit und konnte sich ab Anfang der 60er-Jahre vollauf dem Verfassen widmen. So schrieb er in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Werke, die ihm den Lebensunterhalt finanzierten, wenngleich keines von ihnen je an den Erfolg von dem Roman, der ihn bekannt machte, wiederholen konnte. Wohl hauptsächlich wegen des Kultromans erhielt Sir William Golding 1983 den Literaturnobelpreis. Eine Zeit, in der er mit der „To the Ends of the Earth“-Trilogie, die er 1989 vollständig beendete, seine letzten literarischen Versuche unternahm. Die zweite große Ehrung wiederfuhr 1988 mit der Adelung durch die britische Königin. Fünf Jahre später starb Sir William Gerald Golding am 19.Juni 1993 ebenfalls im Herzogtum Cornwall.
1981: Elias Canetti (1905 – 1994)
Der gebürtige Bulgare Elias Canetti galt als einer der wenigen großen Schriftsteller, die es schafften ihre philosophischen Denkansätze in literarische Elemente einzubetten, eine Fähigkeit, für die er später für seine Wahlheimat Großbritannien sogar den Nobelpreis für Literatur erhielt.
Canetti wurde am 25.Juli 1905 in Rustschuk, einem Ort im damaligen Osmanischen Reich, geboren. Als Sohn eines Kaufmannes erlebt er eine Kindheit mit ständigem Ortswechsel. Selbst nach dem vollkommen unerwarteten Tod des Vaters 1911, wandelte sich Canettis Wohnsitz fast mit Jahreswechsel. Die Familie, die sich zu diesem Zeitpunkt in Manchester, England, befand, zog wenig später ins österreichische Wien, kurz darauf wiederum nach Frankfurt, wo Canetti sein Abitur absolvierte. Er zog zurück nach Wien, wo er sich für ein Studium der Chemie einschrieb, diesem aber nur wenig Interesse zollte. So blieb seine eigentliche Leidenschaft, das Schreiben eigener und Studieren anderer Werke, sein größter Zeitvertreib. Neben den Einflüssen seiner Mutter, die ihm während seines Jugendalters besonders mit literarischen Werken zu unterhalten versuchte, stützte vor allem die Beziehung zu seiner ersten Ehefrau dieses Interesse. Elias Canetti plante eine große Schriftstellerkarriere und war sich sicher, dass seine zahlreichen philosophischen Ideen von der Masse, deren Einfluss auf den Einzelnen hauptsächlich seine Arbeit bestimmte, begeisternd aufgenommen werden. Während seines Studiums, welches er letztendlich mit einem Doktor der Naturwissenschaften abschloss, beschränkte sich die Arbeit jedoch auf kleine Schreibübungen und einzelne Ansätze. 1937 veröffentlichte Canetti schließlich sein erstes großes Werk, den Roman „Die Blendung“. Nachdem er bereits in der Kindheit mit der französischen und englischen Sprache in Kontakt gekommen war, galt seine Vorliebe eher dem Deutschen, in dem in der Folge auch seine meisten Werke verfasst wurden.
Dem Einmarsch der Nationalsozialisten als Folge, zog Canetti 1938 nach London, wo er fernab des eigentlichen Planes auch über das Kriegsende hinaus verweilen sollte. Trotz seiner jüdischen Religiosität hing er weiter an der deutschen Sprache und schrieb auch die nachfolgenden Werke wie „Die Stimmen von Marrakesch“ oder sein Lebenswerk „Masse und Macht“, welche zunächst in England publiziert wurden, auf Deutsch. Canetti zeigte besonders in den 40er-, 50er und später in den 80er-Jahren, wie vielseitig er sowohl Romane, Dramen oder auch seine eigene Autobiografie schreiben konnte und erhielt dafür eine Reihe von hohen Auszeichnungen, wie den Georg-Büchner-Preis oder 1981 den Literaturnobelpreis. Nach zahlreichen Schicksalsschlägen, die Canetti häufig über das Thema Tod nachdenken ließen, verstarb einer der facettenreichsten Autoren der Geschichte am 14.August 1994 in Zürich, wo er sich ab 1972 niederließ.
1976: Saul Bellow (1915 – 2005)
Saul Bellow war ein begnadeter US-Amerikanischer Schriftsteller, der nach Ansicht vieler Gelehrten zusammen mit William Faulkner das Rückgrat der amerikanischen Literatur des 20.Jahrhnderts bildet und aufgrund seiner kulturübergreifenden Darstellung zum Autor von Welt wurde.
Als Sohn von jüdischen Einwanderern wird Bellow, dessen eigentlicher Name Solomon Bellows später in Saul Bellow verändert wurde, am 10.Juni 1915 in einem Vorort des in Kanada gelegenen Montreal geboren. Im Alter von neun Jahren zog Bellow mit der Familie nach Chicago. Hier erlebte er den Umgang der Großstadt mit dem jüdischen Volk und konnte die bereits in der Kindheit gemachten Erfahrungen später in seine Werke einfließen lassen. Nach dem erfolgreichen Studium, welches er mit dem Bachelor für Geschichte, Anthropologie und Soziologie abschloss, arbeitete er an verschiedenen Universitäten wie Princeton oder der University of Minnesota. Bellows erster Roman „Dangling Man“ (Der Mann in der Schwebe) aus dem Jahr 1944 erzählt die Geschichte eines Juden, der für den Militärdienst einberufen werden soll und sich als Individuum mit den Gesellschaftseinflüssen innerhalb der Vereinigten Staaten auseinandersetzt. Zwar wurde das Werk durchaus in der Öffentlichkeit beachtet, der große literarische Erfolg sollte aber zunächst ausbleiben. Vier Jahre später ging er als Stipendiat für zwei Jahre nach Paris, wo Bellow seine Fähigkeit zu Schreiben weiter intensivierte und nach wie vor über Minderheiten, deren Erfahrungen er ja selbst geteilt hatte, erzählte. Ab dem Jahr 1962 zog es Bellow wieder fest nach Chicago, wo er fortan als Professor für Sozialwissenschaften und Literatur an der Universität lehrte.
Zwei Jahre nach seiner Anstellung schaffte Bellow neben seiner Eigenschaft, ein hervorragender Soziologe zu sein, auch den Durchbruch als Schriftsteller. Mit dem Roman „Herzog“ setzte er sich intensiv mit den Theorien Nietzsches und Heideggers auseinander. Kritiker halten dieses Werk für das größte, welches Bellow je verfasst hatte, denn er beweist nun nicht wie in den vorherigen Romanen ausschließlich Kenntnisse über das Geschehen auf amerikanischem Boden, sondern verbindet die Interpretation mit der aus europäischem Blickpunkt. Die nachfolgenden Jahre waren geprägt von Auszeichnungen jeglicher Art. Bellow erhielt 1976 neben dem Nobelpreis für Literatur auch den Pullitzer-Preis und wurde dreimal mit dem National Book Award ausgezeichnet. Auch in den 80er- und 90er-Jahren schrieb Bellow trotz hohen Alters noch relativ viel, arbeitete gelegentlich als Journalist, verfasste kleinere Beiträge und gab in einigen öffentlichen Auftritten seine Meinung wieder. Am 5.April 2005 verstarb Saul Bellow im Alter von 89 Jahren in Massachusetts.
1970: Alexander Isajewitsch Solschenizyn (1918 – 2008)
Der Russe Alexander Isajewitsch Solschenizyn war ein bedeutender Schriftsteller, der aufgrund seiner Erfahrungen im Krieg und dem Leben im sowjetischen Staatssystem eine Vielzahl an bemerkenswerten Werken verfasste.
Als Sohn eines sehr vermögenden Landarbeiters wurde Alexander Solschenezyn am 11.Dezember 1918 in Kislowodsk, Südrussland, geboren. Er besuchte wie andere Schulen in der Nachbarschaft und führte eine gewöhnliche Kindheit. Im Alter von Anfang 20 begann er mit dem Studium der Fächer Mathematik, Physik, Geschichte und Philosophie. Mit Einbruch des Zweiten Weltkriegs musste er dieses jedoch unterbrechen, absolvieren konnte er es letztendlich nie. Als Artillerieoffizier diente er ab 1941 der sowjetischen Armee, in der er großen Schlachten und Operationen beiwohnte. Alle Erlebnisse sollten später große Beachtung in seinen Werken finden. 1945 wurde er schließlich aus der Armee verbannt und musste aufgrund seiner kritischen Äußerungen gegen Stalin sogar 8 Jahre Kriegsgefangenschaft in Kasachstan absitzen. Tatsächlich wurde er erst 1957 begnadigt. Fortan widmete sich Solschenizyn der schriftstellerischen Tätigkeit. Seine erste Erzählung, in der er ausführlich die Verhältnisse der Kriegsgefangenschaft darstellte, veröffentlichte er im Jahr 1962. In den nachfolgenden Jahren stellte sich Solschenizyn immer mehr gegen das System, wurde wegen öffentlicher Kritik sogar aus dem Schriftstellerverband der UdSSR verbannt. 1970 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, dessen Übergabe er aber aus Angst, ausgewiesen zu werden, nicht beiwohnte. Solschenizyn übte zwar öffentlich Kritik, hing aber dennoch am sowjetischen Staat. Dass er den weiteren Weg aber trotzdem nicht aufhalten konnte, musste er 1974 endgültig einsehen. Solschenizyn veröffentlichte heimlich einige Werke, wie sein später erfolgreichstes, „Der Archipel Gulag“, in dem er intensiv auf das sowjetische Lagersystem einging.
Nach der folgenden Verbannung, kam er zunächst in Deutschland bei seinem Freund Heinrich Böll unter, bevor ihn sein Weg in den US-amerikanischen Bundesstaat Vermont führte. Hier schrieb Solschenizyn weiter und ließ auch an seiner neuen Wahlheimat kein gutes Wort an dem politischen System. Zwar genoss er hier äußerst gute Bedingungen und konnte in Ruhe arbeiten, das hielt ihn aber nicht von der Kritik am Westlichen ab, was zunehmend für Zweifel an seiner Person sorgte. Der Wunsch, zurückzukehren, blieb immer bestehen und so konnte Solschenizyn nach Begnadigung 1990 endlich zurück ins heimische Russland. Die letzten Jahre verstrickte er sich immer mehr in Widersprüche und so schwand auch die Bewunderung für seine Person. Am 3.August 2008 starb der einstige Erfolgsautor in Moskau an einem Hirnschlag und hinterließ seine Frau und drei Kinder.
1962: John Ernst Steinbeck (1902 – 1968)
John Ernst Steinbeck war innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten einer der am meisten gelesenen Autoren des 20.Jahrhunderts, sowie Kriegsberichtserstatter im Zweiten Weltkrieg und lieferte mit seinen Werken die Vorlage für zahlreiche Kinofilme.
Als einziger Sohn von einem deutschen Beamten und einer Lehrerin aus Irland wurde Steinbeck am 27.Februar 1902 im kalifornischen Salinas geboren. Seine Kindheit verlebt er im Kreise der Familie, zu der auch drei Töchter gehörten, zumeist in Monterey, welches heute auch als „Steinbeck-Country“ bekannt ist und Schauplatz der meisten seiner Werke ist. Steinbeck begann 1919 mit dem Studium für Meeresbiologie und Literatur an der Stanford Universität, welches er 1925 aufgrund der Sinnlosigkeit für das eigene Schaffen aber ohne Abschluss abbrach. Vielmehr gaben ihm die kleinen Jobs, mit denen er sich über Wasser hielt und das Studium finanzierte wahre Erkenntnisse über die Menschen und Stoff für sein späteres Schreiben. Steinbeck wagte den Schritt in die Hauptstadt der USA, in der sein Erfolg aber sehr begrenzt blieb und so zog es ihn schon ein Jahr später wieder zurück nach Kalifornien, wo er neben dem Verfassen erneut mit kleinen verschiedenen Gelegenheitsarbeiten sich über Wasser zu halten versuchte. 1929 veröffentlichte er schließlich seinen ersten Roman, der aber genau wie mehrere nachfolgende Publikationen zunächst relativ unbeachtet und erfolglos blieb. 1935 gelang Steinbeck dann mit „Tortilla Flat“ (Die wunderlichen Schelme von Tortilla Flat) der nationale, wie internationale Durchbruch. Noch erfolgreicher sollte fünf Jahre später „The Grapes of Wrath“ (Früchte des Zorns) werden, das bis heute als größter Erfolg des Amerikaners anzusehen ist und ihm in der Folge sogar den Pullitzerpreis einbrachte.
Auf Anraten von Washington stellte er kurz nach dem japanischen Überraschungsangriff auf Pearl Harbor seine literarischen Fähigkeiten in den Dienst des Landes und erarbeitete mit anderen Schriftstellern wie Sherwood und Wilder ein Theaterstück und verschiedene Publikation zur Propaganda gegen das vom Nationalsozialismus geführte Deutschland. Außerdem fungierte er als Kriegsberichtserstatter in Europa, was ihn grundlegend auch dazu bewegen sollte, in mehreren Reisen innerhalb der 50er-Jahre mehrfach wiederzukehren. Steinbeck verfasste auch nach dem Krieg noch einige Romane, konnte aber an den Erfolg früherer Jahre, in denen seine Werke fast immer die Geschichte armer Landarbeiter in Kalifornien erzählten, anknüpfen. Dennoch erhielt er rückwirkend für das Geleistete 1962 den Nobelpreis für Literatur. Nach einer Vietnamreise aus dem Jahre 1967 erkrankte Steinbeck schwer und erholte sich davon nicht mehr. So verstarb er am 20.Dezember 1968 als 66-Jähriger an Herzversagen.
1961: Ivo Andric (1892 – 1975)
Der Jugoslawe Ivo Andric ist der größte Autor südslawischer Literatur aller Zeiten und bis zum heutigen Tag einer der bekanntesten Autoren seines Landes.
Seine Mutter verweilte gerade zu Besuch bei Verwandten, als sie am 9.Oktober 1892 im bosnischen Dolac einen Sohn zur Welt brachte. Der am selben Tag noch auf den Namen Ivo getaufte Junge, musste allerdings schon zwei Jahre später von seiner Mutter Abschied nehmen. Sein Vater, ein Beamter starb an Tuberkulose und die Mutter war alleine nicht im Stande, ihren einzigen Sohn großzuziehen, so kam Andric zu seiner Tante, bei der er fortan ein gut erfülltes Leben führen sollte. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Sarajevo, begann der spätere Autor ein, durch den Ersten Weltkrieg oftmals unterbrochenes, Studium für Philosophie, Slawistik und Geschichte. Als Mitglied der Untergrundorganisation „Junges Bosnien“ war Andric schon früh politisch aktiv, was ihm in der Folge einen einjährigen Gefängnisaufenthalt bescheren sollte. Nach der Amnestierung 1917 gründete der damals 25-Jährige seine erste Zeitung, die sich vor allem literarischen Werken widmete.

In den 20er- und 30er-Jahren durchlief Ivo Andric eine Vielzahl von politischen Ämtern innerhalb seiner Landesregierung, arbeitete im Außenministerium, als Diplomat und promovierte an der Universität zu Graz über die Geschichte Bosniens. Seine diplomatische Anstellung dauerte bis 1941 an, als er auf eigenen Wunsch aus Berlin abgezogen wurde, jedoch noch als politischer Repräsentant und Beobachter dem Dreimächteabkommen in Wien beiwohnen musste. Andric verließ die politische Bühne und spezialisierte sich zunehmend auf das Schreiben, für das er trotz kriegerischen Handlungen in Belgrad und auf Abraten vieler zurück in die Heimat zog. Hier verfasste er drei später vielfach ausgezeichnete Romane, die allesamt 1945 veröffentlicht wurden. „Gospodjica“ (Das Fräulein), „Na Drini cuprija“ (Die Brücke über die Drina) und schließlich „Travnicka hronika“ (Wesire und Konsuln) waren alle drei riesige Erfolge und verantwortlich dafür, dass die Werke von Andric in 40 Sprachen übersetzt wurden und der Autor zahlreiche Ehrungen in Empfang nehmen konnte. Unter diesen war 1961 auch der Literaturnobelpreis, den er primär für die Gestaltung der Geschichte seines Landes erhielt. Ivo Andric wurde nach dem Krieg zum Vorsitzenden des landeseigenen Schriftstellerverbandes ernannt und wurde erneut, wenn auch in kleinerer Position, politisch aktiv. Bis zu seinem Tod am 13.März 1975 arbeitete er weiter für die Regierung und schrieb einzelne kleinere Werke, die einen ähnlichen Erfolg wie den der „Bosnischen Trilogie“ nie erreichen konnten.
1959: Salvatore Quasimodo (1901 – 1968)

Der Italiener Salvatore Quasimodo war ein begnadeter Lyriker, der sich dank hoher Kenntnisse der lateinischen und griechischen Sprachen neben seinen eigenen Werken auch der Übersetzung anderer Autoren widmete.
Am 20.August 1901 im sizilianischen Modica geboren, durchlebte er eine gewöhnliche Kinder- und Jugendzeit, die wenig Spektakuläres hervorbrachte. Auch das anfängliche Studium, in dem sich Quasimodo der Baukunst widmete und als Landarbeiter arbeitete, ließ nicht gerade auf eine bedeutende literarische Karriere schließen. Erst der Wechsel auf das Fach Altphilologie sollte sich als die richtige Wahl herausstellen. Quasimodo erarbeitete sich herausragende Fähigkeiten, vor allem im Bereich der griechischen und lateinischen Sprache. 1930 veröffentlichte er dann mit „Acque´e Terre“ (Wasser und Erde) seinen ersten Gedichtband. Im Laufe der Zeit arbeitete er in verschiedenen Berufsbereichen, wirkte viel als Journalist und wurde 1940 zum Professor für Literatur an der Universität zu Mailand. Dank seinen vielen Publikationen erlangte Quasimodo auch hohes Ansehen als Kritiker für Theaterstücke und –Aufführungen. Dass er sehr heimatgebunden war, zeigt auch seine Lyrik, die sich meist mit seiner Heimat Sizilien und den dort gelebten Traditionen beschäftigte. So fällt Quasimodo in einen Rahmen von Autoren, dem auch Literaren wie Giuseppe Ungaretti und Eugenio Montale angehörten.
Außerdem machte er mit zahlreichen Übersetzungen von großen Künstlern des alten Roms wie Catull, Ovid und Vergil, sowie neueren Dichtern wie Shakespeare und Pablo Neruda auf sich aufmerksam. Quasimodo verfügte hier über eine Art Gabe, die sämtliche seiner Übersetzungen als brillante und nie erreichte Werke erschienen ließen. So wurde er in den letzten 15 Jahren seines Lebens nicht nur der eigenen Werke wegen mit einer großen Anzahl an Preisen überhäuft. So erhielt er beispielsweise den Ätna-Taormina-Preis für Lyrik 1953 und 1958 den Viareggio Preis. 1959 erhielt er dann den Nobelpreis für Literatur und reihte sich in eine Ära von großen italienischen Autoren ein. 1967 verlieh ihm die Oxford Universität auch noch die Ehrendoktorwürde. Ein Jahr später verstarb er am 14.Juli 1968 in Neapel.
